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Weltereignis der Architektur

Weltereignis der Architektur

So nennt unser Autor die Bushaltstellen in Krumbach. Er macht sich dort mit seiner Frau an einen Umgang, der die beiden zu weiteren Sehenswürdigkeiten führt.

„Hier irgendwo müssten eigentlich zwei dieser Stelen stehen“, sagt meine Frau. Wir stehen auf dem Dorfplatz von Krumbach, an der Straße vor der Kirche, zwischen Gemeindehaus und Pfarrhaus. Ein Platz, der erst in den letzten Jahren dieses besondere, eigene Gesicht erhalten hat. Schon früher stand da der Brunnen des Bregenzerwälder Bildhauers Herbert Meusburger, aber er stand etwas verlassen. Erst durch den Neubau des Pfarrhauses nach Plänen der Architekten Bader/Kaufmann/Bechter/Zaffignani und die neue Gestaltung des Platzes zur Kirche wurde so etwas wie ein Zentrum geschaffen. Auch und gerade in einer kleinen Gemeinde – Krumbach zählt nicht ganz tausend Einwohner – ist so etwas wichtig.

„Da, vor dem Pfarrhaus“, zeigt meine Frau auf zwei Stelen in Edelrost. „Der ‚Umgang‘ beginnt hier. Aber: Warum denn eigentlich ‚Umgang‘?“ Ich nehme den hübschen, kleinen Faltprospekt zu Hilfe. Ihn gibt es für alle der insgesamt zwölf Bregenzerwälder „Umgang“- Gemeinden. Nun kann ich es ihr erklären: Man will damit zeigen, wie die Menschen in diesem Tal ihre Umgebung gestalten, wie sie mit ihr umgehen, deshalb führen die verschiedenen Stelen zu besonderen Gebäuden im Ort. Wir beugen uns über die kleinen Glasöffnungen am oberen Ende, drücken den seitlichen Knopf – und schon leuchtet eine grafische Darstellung des an der Straße stehenden Gasthauses „Adler“ auf, dazu eine Beschreibung der kulinarischen Möglichkeiten. Daneben der Hinweis auf das „Schulhus“, ein weiteres bemerkenswertes Gasthaus im Ort.

Krumbach ist ausgezeichnet durch eine besondere Landschaft, das Moor. Es ermöglicht besondere Vegetation und auch Viehhaltung. Klug wie die Krumbacher sind, haben sich vier Gaststätten – neben den erwähnten noch das „Rossbad“ und die „Krumbacher Stuba“ – zu den „Moorwirten“ zusammengetan. Sie leisten hohe kulinarische Qualität mit einem Angebot, das nahezu alle Produkte aus der direkten Umgebung bezieht. Hier ist man stolz auf die Tradition, weiß aber auch, dass man den Anschluss nicht verlieren darf. Aber keine Angst, die Krumbacher wissen auf ihr Dorf zu schauen. Besonders angetan hat es ihnen die zeitgemäße Architektur, wie der „Umgang“ beweist. Markant steht die zentrale Bushaltestelle mitten im Dorf. Auch sie ein Werk der vorher genannten Architektengemeinschaft. Mit ihr gewinnt das Ortsbild einen geschlossenen Charakter, der nachhaltig Eindruck hinterlässt. Auch das neue Generationenhaus und die Wohnanlage zeigen dieselbe Architektursprache.

„Schau, hier die nächsten Stelen“, höre ich wieder meine Frau. Offensichtlich schaut sie genauer hin als ich. Die Stele beschreibt die eben erwähnten Gebäude. Nun fehlt nur noch die Nummer sechs des „Umgang“, ein ehemaliges Bauernhaus. Es ist schon so: Der „Umgang“ erschließt – auch in den anderen Gemeinden – ein Dorf in ungewöhnlicher Art. Man erfährt manches über Geschichte, Baugeschichte, typische Orte und nicht zuletzt wird man zu Gasthäusern geführt, deren Besuch sich nicht nur optisch lohnt.

Krumbach darf man allerdings nicht verlassen, ohne sich die sieben Wartehäuschen für den lokalen Busverkehr anzusehen – ein Weltereignis der Architektur. Denn nirgends sonst haben sich sieben international renommierte Architekten aus allen Teilen der Welt Zeit genommen, um Bushaltestellen zu entwerfen. So ungewöhnlich die Idee, so ungewöhnlich das Ergebnis. Diese kleinen Architekturarchetypen sind einen eigenen Umgang wert.

Autor: Walter Fink
Ausgabe: Reisemagazin Winter 2017/18

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