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Was ist Glück?

Was ist Glück?

Diese Frage beschäftigt unsere Köchin auf ihrem Weg zu einem Sauerkleefeld im Wald, beim Pflücken und beim Kochen eines Mousse aus dieser Pflanze. Denn irgendwie hält man ja immer auch nach einem Kleeblatt mit vier Blättern Ausschau.

Ohne ein Ziel vor Augen streife ich durch den Wald. Nach Minuten ist der Alltag fern. Geräusche und Gerüche sind klar. Es riecht nach Boden, Erde und Grün. Die starke Sommersonne blinzelt nur sachte durch die hohen Bäume, es ist angenehm kühl. Hier und da zupfe ich Blättchen und Flechten ab, zerreibe sie zwischen den Fingern, rieche und koste sie und lasse die Gedanken ziehen. Wenn es am Gipfel des Alltags stürmt, ist das hier mein Platz: Der Wald und das Gehen ohne bestimmtes Ziel bringen Ruhe. Auf einer Lichtung bleibe ich stehen. Der Boden ist bedeckt mit sattgrünem Sauerklee. Wie schmeckt ein Dessert mit diesem Klee? Wie wahrscheinlich ist es, ein vierblättriges Blatt zu finden? Ist das Glück?

Was passt zum grasigfrischen Geschmack dieser Pflanze? Süß, sauer, salzig, scharf? Was ist Glück? Diese Fragen ziehen mir durch den Kopf, während ich beginne zu pflücken. Zurück in der Küche. Sie ist der Platz, den Dingen auf den Grund zu gehen. Aus dem frischen Waldsauerklee soll ein flaumiges Mousse entstehen. Dazu werden drei Hände voll Klee mit 300 g Sauerrahm und 70 g Zucker fein gemixt. Die grellgrüne Masse fließt durch ein feines Sieb. Ich lege 5 Blätter Gelatine in kaltes Wasser. Warum soll es Glück bringen, ein vierblättriges Blatt zu finden? Eine Legende besagt, dass Eva bei der Vertreibung aus dem Paradies ein vierblättriges Kleeblatt mitnahm und es so ein Stück des Paradieses verkörpert. Die Chance, ein vierblättriges Blatt zu finden, ist verschwindend gering, was schon im botanischen Namen des Klees „Trifolium“ (lateinisch für „Dreiblatt“) liegt. Ich belasse es dabei.

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Es löst Glücksgefühle in uns aus, etwas Außergewöhnliches zu finden. Aber was ist Glück? Ich schlage 300 ml Sahne mit dem Schneebesen cremig. Dabei spüre ich, wie die Bewegungen meiner Hände ein schönes Gefühl auslösen und ich die allmähliche Veränderung der flüssigen Sahne zu einer festen Masse vor meinen Augen genieße. Ich drücke die Gelatine gut aus und wärme sie langsam. Sie darf nicht kochen. Die flüssige Gelatine wird mit der grünen Kleemasse glatt gerührt, die Sahne locker untergehoben. Nach etwa zwei Stunden im Kühlschrank ist das Mousse fest und durchgekühlt. Während ich darauf warte, denke ich, dass Glück ein großer Begriff und wohl für jeden etwas anderes ist. Für mich bedeutet Kochen Glück. Das Tun, das Schaffen mit den Händen. Das Verformen von Rohzutaten zu essbaren Speisen.

 

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Diese Arbeit des Verwandelns mit Kopf und Körper macht glücklich. Was gestern war und morgen sein wird, ist in der Küche zweitrangig. Der Kochvorgang fordert Geduld und Zeit und hält uns im Jetzt. Doch vor allem, das habe ich in einem früheren Artikel erwähnt, ist Kochen eine Sprache. Und Sprache bedeutet Verbindung. Glück ist also, eine Sprache zu sprechen und mit der Welt verbunden zu sein. Als kochende Menschen schaffen wir Verbindungen zu den essenden Menschen, den zu verkochenden Materialien – und eine Verbindung in uns selbst, zwischen unseren Gedanken und Ideen sowie den ausführenden Händen.

Autorin: Milena Broger

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