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Mit Moses am Fels

Mit Moses am Fels

Er schlägt kein Wasser mit einem Stab aus Felsen, führt aber wie einst der Prophet Mose ein Volk durch die Wüste. Allerdings besteht seine aus Felsen und hohem Gebirge: Markus „Moses“ Moosbrugger ist Bergführer.

„Nein, da komme ich nicht runter!“, rufe ich Bergführer Markus Moosbrugger, auch „Moses“ genannt, zu. Ich stehe auf einem Fels, den Körper dem Stein zugewandt, und will das Stahlseil, an dem ich gesichert bin, nicht loslassen. Rechts und links ein Abgrund. „Natürlich geht das. Hier ist der nächste Tritt“, sagt Moses ruhig, nimmt meinen in der Luft schwebenden Fuß und stellt ihn in diesen Tritt. „Verlass dich auf deine Füße, suche mit ihnen Halt!“ Diesen Rat beherzigend und stets den aufmunternden Moses neben mir, klappt es bei den nächsten Felsen besser. Als wir nach einer Stunde den Klettersteig vom Karhorn abgestiegen sind, ist aus meiner Angst Begeisterung geworden: Ich, die ich noch nie geklettert bin, habe mich inmitten von Felsen fortbewegt, ich habe nach Felsvorsprüngen getastet und mich an Felsplatten am Drahtseil nach unten gehangelt. War der Aufstieg am Klettersteig noch einfach, so hatte der Abstieg seine Tücken. Den hätte ich ohne Bergführer Moses nicht geschafft.

 

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Markus Moosbrugger, 48 Jahre alt, braungebrannt und von sportlicher Statur, hat sich vor vier Jahren als Ski und Bergführer in Schoppernau selbstständig gemacht. „Mit Moses“ heißt sein Ein-Personen-Unternehmen. Mit dem biblischen Moses hat der Name eigentlich nichts zu tun, sondern ist eine Ableitung vom Nachnamen „Moosbrugger“. Und doch: Wie der Prophet in der Wüste Wege gesucht und sein Volk darauf entlanggeführt hat, so sucht auch der Schoppernauer Moses besondere Wege für sich und seine Gäste im Gebirge. Seine Leidenschaft galt immer schon den Bergen und wurde ihm wohl von seinem Großvater, der Bergführer war, mitgegeben. Das Leben aber verläuft selten auf geraden Wegen, und so schlug er erst eine Laufbahn als Maschinenschlosser, dann als Büro- und Bankkaufmann ein. „Erst nach diesen Umwegen, die viele Erfahrungen mit sich brachten, machte ich meine Berufung zum Beruf.“ Und so stehen er und ich heute bei der Talstation der Skilifte Warth, bereit für das Karhorn.

 

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Klettersteig-Gehen boomt und wird auch im Bregenzerwald immer beliebter. Das hat mehrere Gründe: Am Klettersteig erfahren Ungeübte einen intensiven Kontakt mit den Felsen, für die leichten Steige ist keine Erfahrung nötig, das Risiko ist eher gering, das Abenteuer groß. Der Aufstieg zum Karhorn-Klettersteig beginnt bequem: mit der Sesselbahn des Steffisalp-Express in Warth. Dann wandern wir etwa 45 Minuten aufwärts zum Sattel zwischen Warther und Karhorn, dem Einstieg des Klettersteigs. Während dieser Wanderung lässt sich gut plaudern. Moses erklärt, weshalb die Berge ihn faszinieren: „Die unglaubliche Vielfalt der Natur hier begeistert mich“, sagt er, zeigt auf die sanfte Blumenwiese neben uns und dann hinauf zu den zackigen Felsen des Karhorns, die sich vor uns auftürmen. „Die Natur im Gebirge verändert sich durch das Wetter und die Jahreszeiten ständig. Sich diesen Veränderungen anzupassen, ist immer wieder eine faszinierende Herausforderung.“ Diese Erfahrungen gibt er gern an seine Gäste weiter, sei es beim Bergsteigen, Sportklettern, Eisklettern, Skitouren, Schneeschuhwandern oder Freeriden im Bregenzerwald und im gesamten Alpenraum.

 

„Die unglaubliche Vielfalt der Natur hier begeistert mich.“

Markus Moosbrugger

Mittlerweile haben wir den Ausgangspunkt des Klettersteiges am Ostgrat erreicht. Nachdem wir die Ausrüstung – Handschuhe, Helm, Gurt und Klettersteig-Set – angezogen haben, kann’s losgehen. Entlang des Steigs ist ein Drahtseil gespannt, an das wir uns mit den beiden Karabinern einhängen. Das eine Mal führt der Weg steil auf Felsen nach oben, dann wieder verläuft er neben dem Stein. Nach etwa eineinhalb Stunden genussvollen Klettersteig-Gehens erreichen wir den Gipfel. Wir lassen den Blick über die unzähligen Bergspitzen schweifen und machen uns bereit für den Abstieg am Westgrat. Das wird wesentlich schwieriger. Man könnte auch auf einem Wanderweg bergab gehen, doch dank Moses traue ich mir die Kletterei zu. Ein gutes Gefühl!

Autorin: Elisabeth Willi

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