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Rund um Österreichs Frauenmuseum

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Rund um Österreichs Frauenmuseum

Diesmal geht der Umgang durch Hittisau, wo Österreichs einziges, mehrfach ausgezeichnetes Frauenmuseum steht, und Winston Churchill in der Hölle schmort.

„Lädst du mich heute zu einem guten Mittagessen ein?“, fragt meine Frau, die zwar gern, aber nicht immer kocht. „Natürlich. Wohin möchtest du?“ – „In eines der guten Gasthäuser in Hittisau, entweder in die Krone oder in das Schiff, ins ‚Ernele‘ oder in den Hirschen. Dabei könnten wir dann auch noch den ‚Umgang‘ in Hittisau anschauen; der beginnt, glaube ich, bei der Krone.“ Wir machen uns auf den Weg, es ist ein wunderbarer Tag. Schon die Fahrt durch den Vorderwald ist ein Schwelgen zwischen grünen Hügeln, bunten Blumen, braunen Kühen und schneebedeckten Bergspitzen. Dann der Dorfplatz von Hittisau mit dem Brunnen im Zentrum. „Machen wir zuerst den Umgang“, sagt meine Frau, „dann haben wir nachher so richtig Appetit.“ Schon während sie redet, sucht sie den Platz ab – irgendwo muss da die Edelrostsäule mit dem ersten Punkt des „Umgangs“ stehen. Das hat uns ja schon immer Freude gemacht, dieses Suchen nach den Hinweisen, bei denen man auch sonst noch so manches findet. Lange schaut meine Frau nicht, schon hat sie die erste Säule gefunden. „Hier, direkt vor der Krone. Die haben sich diesen Hinweis auch verdient, so wie sie mit den Handwerkern des Bregenzerwaldes zusammenarbeiten. Sie haben 2009 für ihren Umbau mit Architekt Bernardo Bader auch den Bauherrnpreis gewonnen.“ Ich danke für den Hinweis und zeige gleich, dass ich auch etwas weiß: „Schau, über dem Platz steht der Ritter von Bergmann Saal. Ritter von Bergmann war der Begründer einer historisch-kritischen Geschichtsschreibung im Land. Und der wirklich schöne Saal, zweiter Punkt des ‚Umgangs‘, wurde von Hermann Kaufmann und Christian Lenz geplant.“

Ich erlaube mir dann noch den Hinweis auf die riesige Saalkirche, die am Platz steht, erbaut im klassizistischen Stil Mitte des 19. Jahrhunderts. „Hast du gewusst, dass man in dieser Kirche auch eine Darstellung des früheren britischen Premierministers Winston Churchill finden kann – und zwar auf dem Deckengemälde aus dem Jahre 1941. Dort schmort er in der Hölle und wird von einem Teufel malträtiert. So hat man während des Zweiten Weltkriegs gedacht.“ Wir gehen weiter dem „Umgang“ entlang, der nun zu mehreren privaten Wohnhäusern führt. Interessante Gebäude, die beweisen, dass es im Bregenzerwald Neubauten mit Qualität zwischen alten, traditionellen Häusern verträgt. Gutes tut sich nicht weh. Ein besonderes Beispiel dafür ist das Hotel Schiff, das direkt an das alte Haus einen Neubau gestellt hat. „Sollen wir hier gleich essen?“, fragt meine Frau. Ich verweise darauf, dass uns noch wichtige Bauten des „Umgangs“ fehlen. So kommen wir zum Frauenmuseum, dem einzigen in Österreich, einem mehrfach ausgezeichneten Gebäude und Museumsbetrieb. Der Entwurf stammt von Cukrowicz/Nachbaur-Sturm, von denen wir vorher schon ein Privathaus gesehen haben. Fast ein Who is Who der Vorarlberger Architektur, so viele gute Architekten sind hier auf kleinem Raum vertreten. Den Abschluss machen wir mit dem „Betreuten Wohnen“ von Fink/Thurnher ZT, gebaut an einem geradezu begnadeten Platz des Dorfes mit unglaublichen Ausblicken in die Landschaft. „Eigentlich sind hier sehr viele Häuser von Architekten der ersten Garnitur“, vermerke ich, „dazu auch noch viele Auszeichnungen. Eine solche Dichte ist schon ziemlich einmalig – sogar im Bregenzerwald.“ „So, jetzt sind wir fertig – und nun gehen wir essen. Du hast versprochen, mich einzuladen“, meint meine Frau. Das mache ich auch – ohne Ihnen zu verraten, in welches der wunderbaren Wirtshäuser. Am besten probiert man sie selbst aus.

Autor: Walter Fink
Ausgabe: Reisemagazin Sommer 2019

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