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Beruhigungsmittel für Hulk

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Beruhigungsmittel für Hulk

„Helden in Grün“ nennt Elisabeth Breidenbrücker ihre Serie an „verfeinerten Lebensmitteln“. Ebenso wie ihre Kundschaft schätzt sie an diesen Kräutern und Gräsern ihre wohltuende Wirkung.

Kühe grasen vor der Stubentür. Ein kurzes neugieriges Aufschauen, dann wird weitergefressen. Bei sanftem Gebimmel. Enten watscheln die Wiese, stecken ihre Schnäbel in die lockere Erde. Haus und Garten schmiegen sich an einen Hügel. Vor der schroffen Silhouette des dominanten Felsrückens der Kanisfluh scheint die Zeit stillzustehen. Ein Kraftplatz. Hier wachsen sie: die „Superhelden in Grün“. Der unglaubliche Hulk und Green Lantern im Bregenzerwald auf einer Kuhweide? Nein, die grünen Helden mit Superkräften sind Thymian, Johanniskraut, Silbermantel, Kapuzinerkresse, Brennnessel, Gundelrebe, Giersch und noch viel mehr als ein dreckiges Dutzend. Gehegt und gepflegt und nur sporadisch in Wachstum und Ausbreitung etwas gezähmt werden sie von Elisabeth Breidenbrücker.

Ihr Kräutergarten ist zu ihrem Beruf und ihrer Berufung geworden. Mit ihren Produkten unter dem Label „Helden in Grün“ beliefert sie mittlerweile Geschäfte, Apotheken, Reformhäuser und Hotels von Bizau bis Berlin. „Eigentlich wollte ich gar keinen Garten“, sagt sie grüblerisch. „Ich dachte immer, ich hätte keinen grünen Daumen. Und nach dem Stress beim Hausbau auf der Hilkat in Bizau wollte ich etwas Ruhe. Doch mein Mann überredete mich dann doch, zu seiner Mutter nach Au zu fahren, um ein paar Pflanzen zu holen.“ Einige von ihnen wachsen noch immer in ihrem Kräutergarten. Auch wenn sie keinen Garten wollte, die Alternativmedizin hatte es ihr schon länger angetan, gerade zur Behandlung kleinerer Wehwehchen der Kinder. „Dann hat mich das Fieber gepackt“, meint sie lachend. Der Garten wurde immer größer. Sie las einschlägige Bücher.

 

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Das erste zu diesem Thema berichtete auch über Magisches und Heilendes, das in der Volksmedizin überliefert ist. Auch nahm sie Tipps von Freunden und Bekannten an. Wenn irgendwer sein Interesse an einer Pflanze oder deren Kräften und Wirkungen kundtat, setzte Elisabeth sie in ihren Kräutergarten ein. 2012 schloss sie eine Ausbildung in Heilkräuterkunde und Phytotherapie bei „natura naturans“ in München ab. Allerdings ist diese Ausbildung in Österreich nicht anerkannt. Die Produkte, die Elisabeth Breidenbrücker herstellt,gelten hier offiziell als „verfeinerte  Lebensmittel“, die besonders wohltuend wirken. Helden-Mojo* in Form von unterschiedlichen Kräutermischungen und Zusammensetzungen.

Früher, als die Menschen noch hauptsächlich in der Natur und im Kreislauf der Natur tätig waren, ist der hustenstillende Spitzwegerichsirup selbstverständlich als heilend betrachtet worden. Doch das Wissen um die Pflanzen und ihre Kräfte ist zeitweise etwas aus der Mode gekommen. Heute hingegen liegt es wieder im Trend. Das fällt Elisabeth Breidenbrücker auch bei der Vermarktung ihrer Produkte auf. „Es ist nichts Aufgesetztes und das kommt besonders bei den jungen Familien der Millenial Generation sofort an.“ Auf die „Helden in Grün“ sprechen jene an, die wieder bewusster mit den Lebensmitteln umgehen. Jene, die darauf schauen, was sie einkaufen und darauf achten, was sie essen, und die Respekt vor Pflanzen und ihrer Umwelt haben. Elisabeth empfindet den Aufenthalt und die Beschäftigung im Kräutergarten als wohltuend. „Auch wenn ich nur neben dem Johanniskraut jäte, fühlt es sich beruhigend an. Es ist wie eine Katze, die einem um die Beine streicht.“

Autorin: Silke Ritter

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