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Werkraum Bregenzerwald

Im Bregenzerwald ist die Kultur des Bauens und Wohnens augenfällig. Die Bewohner selbst wissen die handwerkliche Fertigung in kleinen und mittelständischen Betrieben seit jeher zu schätzen. Zuverlässigkeit, solide Verarbeitung und gute Gestaltung haben zur Folge, dass Handwerk und Gewerbe im Bregenzerwald die größten Arbeitgeber sind. Rund 40 Prozent aller Erwerbstätigen finden hier eine Beschäftigung.

Nirgendwo in Europa gibt es eine vergleichbare Dichte an Handwerksbetrieben. Früher haben die Vertreter der Auer Baumeisterzunft mit ihren barocken Kirchen und Klöstern bedeutsame kunsthistorische Beispiele geschaffen. Heute ist es das Handwerk, das sich mit formschönen und zweckmäßigen Produkten einen Namen über die Grenzen hinaus gemacht hat. Seit mehr als 20 Jahren wird mit dem Wettbewerb Handwerk+Form im Dreijahresrhythmus der Öffentlichkeit vorgeführt, wie Fachleute aus allen Bereichen des Gestaltens mit Handwerkern aus dem Bregenzerwald zusammenarbeiten, um alltagstaugliche und material- und formgerechte Objekte zu entwickeln.

Ein Haus für das Handwerk

Vier Jahre wurde intensiv geplant, im Juli 2013 wurde das Werkraum Haus in Andelsbuch eröffnet. Der Architekt des Hauses ist Peter Zumthor aus der Schweiz, ein international renommierter Architekt, der dem Handwerk eng verbunden ist. Die Handwerker im Werkraum Bregenzerwald hat er über den Bau des Kunsthauses in Bregenz kennen und schätzen gelernt. Seither arbeiten viele Handwerker aus dem Bregenzerwald für den Maestro aus der Schweiz. Sein Entwurf für das Werkraum Haus beruht auf zwei Grundgedanken. Einerseits dient das Gebäude als Versammlungsort und andererseits als große Vitrine - als Schaufenster zur Handwerkskultur im Bregenzerwald. Ausdruck dieser Idee ist ein weit ausladendes Dach aus Holz und eine Fassade aus Glas. Die Trennung zwischen Innen und Außen ist aufgehoben, die Landschaft fließt durch das Gebäude hindurch. Die Handwerkergemeinde Andelsbuch bekommt mitten im Dorf ein neues Gesicht.

25. Jänner - 26. April 2014: Ausstellung woodloop - auf biegen und brechen

Die Ausstellung „wood loop — auf biegen und brechen“ versammelt sowohl historische wie auch aktuelle Beispiele von geformtem Holz: Heugabeln, Weidenkörbe, Gitarren oder auch Schlitten und Gebrauchsobjekte geben einen Überblick zur Geschichte der Verfahren. Dargestellt wird auch der prägende Einfluss von Designpionieren wie Michael Thonet, Alvar Aalto oder Charles und Ray Eames auf die heutige Formholzproduktion. Aus ihrer jahrelangen und intensiven Forschungsarbeit entsprangen einige der wichtigsten Ikonen des industriell produzierten Holzmöbels. Ihnen gegenüber stehen zeitgenössische Beispiele aus den Werkstätten der Werkraum Mitglieder. Die Schau gibt Einblick in unterschiedliche Verfahren, in die Verarbeitung und Produktion von Formholz und sie vermittelt mit Experimenten, Exponaten und Installationen aus Architektur, Kunst und Design das vielfältige Potenzial dieses faszinierenden Materials.

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Der Werkraum Bregenzerwald

Seit seiner Gründung im Jahr 1999 bildet der als Verein organisierte Werkraum Bregenzerwald eine Plattform für innovatives Handwerk im Bregenzerwald. 85 innovative Betriebe sind derzeit Mitglied, überwiegend Holzverarbeiter wie Tischler und Zimmerer, aber auch Schlosser, Steinmetze, Maurer, Installateure, Elektriker, Maler, Polsterer, Textilverarbeiter, Schuster bis hin zu Exoten wie Küfer oder Holzbildner. Die meisten Betriebe haben bis ca. fünf Mitarbeiter, einige sind Einmannunternehmen, wenige haben zweistellige Belegschaften.

Handwerksqualitäten

Arbeit vor Ort, Eingehen auf den besonderen Fall, Direktbeauftragung, Kundennähe und Flexibilität sind Qualitätsmerkmale dieser Handwerksarbeit, fachliches Können und gestalterisches Gespür vorausgesetzt, erworben in einer hochentwickelten Handwerkskultur und selbstverständlich weitergegeben an die nächste Generation. Dieser Fundus wird gepflegt und ständig erweitert: Rohstoffe, die Weißtanne etwa, werden aufs feinste kultiviert; mit Kleinserien im Möbelbau werden neue Märkte erschlossen; Vorfertigung von Bauelementen etwa im Hotelbau werden vorangetrieben; neueste Fertigungstechnologien wie CAM und CNC sind eingeführt; das Finish etwa bei Beschichtungen wird erweitert – Handwerkskunst trifft allenthalben  Ingenieurswissenschaft.
So verwundert nicht, dass in Athen Küchen aus Hittisau zu finden sind, die Einrichtung eines Studentenwohnheims in Massachusetts aus Schwarzenberg stammt oder 2008 auf dem Dach des MoMa in New York eine Wohnzelle aus Reuthe zu sehen war.
Öffentlichkeitsarbeit, Werbung, Marketing – all das, was die Industrie dem Handwerk voraushat, leistet der Werkraum. Doch ohne großes Budget, dafür mit einem Kapital, das handwerkstypisch ist: Kopf und Hand, Vernetzung, Verknüpfung. So konnte die interessierte Öffentlichkeit in Wien, München, Paris u.a. Ausstellungen des Werkraum sehen, ist er in der Fachpresse allgegenwärtig, wird der Werkraum als „Landschaft des Wissens“ geführt.
Nicht nur das: Der Werkraum hat sich immer vor Ort engagiert – sei es bei der Ausbildung, sei es in den Schulen, sei es bei konkreten Bauprojekten, sei es beim Umgang mit historischer Bausubstanz. Er ist ein Beitrag zum Strukturwandel der Region und ein Beispiel sozialer Kompetenz.

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