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Wie Wälder wären

Wie Wälder wären

Unser Autor hat eine Typologie der Bewohner des Bregenzerwaldes erstellt. Nur, was ist mit den Bewohnerinnen der Region?

Im Lauf meines Lebens bin ich auf zahlreiche Wälderinnen und Wälder gestoßen, genug vielleicht, um eine kleine Typologie zusammenzubringen. Es muss nicht immer Landschaft sein. Gemeinsam ist ihnen allen Zähigkeit und Schläue; die bäuerliche Herkunft ist meistens kein Klischee, die dörfliche sowieso nicht. Es folgt eine unvollkommene Liste von Wälderinnen und Wäldern, die mir in Leben und Literatur begegnet sind. Der schlaue Wälder wird also zum Beispiel Anwalt.

Er schaute immer schon ein wenig auf uns herab, als wüsste er etwas, das wir nicht wüssten. Bald stellt sich heraus, er weiß wirklich etwas. Er schaut nämlich rechtzeitig darauf, wie man sich vernetzt, und darauf, wie man Geld macht. Bauernschlau, obwohl längst kein Bauer mehr, bringt er sich mit klugen Allianzen aller Art in Politik- und Geldwelt in Stellung und baut diese ohne viel Geräusch weiter aus. Unversehens ist er reich und mächtig und hat draußen in der Welt Karriere gemacht. Eine Variante ist der unternehmerische Wälder. Seine Firma hat technisch die Nase vorn. Mit blitzendem Blick versucht er, nichts Besonderes von sich und seinem Erfolg herzumachen, während er gerade den Weltmarkt aufrollt. Auch der heilende Wälder ist den beiden verwandt.

Der Wald ist ja voller Hexen und Wundermännle. Ich denke, die Zauberdichte ist hier besonders hoch, und ich wäre der Letzte, über Leute mit solchen Kräften zu lachen. Dagegen sprechen schon ihre für den Durchschnittsrationalisten unerklärlichen Heilerfolge. Trotzdem ist der Wald gewiss kein Zauberwald. Dafür überwiegt die Präsenz der beweideten Flächen und der kahlen Berge viel zu sehr – wenn man „in den Wald“ fährt, fährt man in ein Tal; auch wenn da viele Bäume stehen, verlässt einen nie der Eindruck einer zivilisierten Landschaft. Zahmer Wald und wilder Zauber – das passt unauffällig zusammen. Im Normalfall glänzt der heilende Wundermann als Guru; seine magischen Fähigkeiten werden nur angedeutet und in Charisma übersetzt. Ein Toni Innauer braucht niemanden zu heilen. Seine übersinnlichen Fähigkeiten heilen die Sportnation durch hintergründiges Lächeln und Expertise. Und durch jedes Lächeln schimmert die Erinnerung an die kühnen, weltverblüffenden Flüge des Knaben Innauer, des Luftzauberers, über die Schanzen.

Der aufsässige Wälder, der demokratisch zuverlässige und der literarische Wälder fallen in einer Figur zusammen: Franz Michael Felder. Es gibt sie aber auch in Teilmischungen. Eins und zwei finden wir idealtypisch in Kaspanaze Simma. Der erste Vizekanzler der ersten Republik Österreich, Jodok Fink, gehört in Kategorie zwei. Allen gemeinsam ist stets die Herkunft aus kleinen bäuerlichen Verhältnissen. Die Umstände behindern zwar ihren Bildungsgang, können aber den Durchbruch ihrer Fähigkeiten nicht verhindern. Früher fingen sie fast alle als Pfarrerkandidaten an. Das gab sich dann im Bregenzer Internat, wo sie gemeinsam kaserniert waren. Man kann sich aber auch beinahe jeden unserer Typen in der Soutane vorstellen. Die Wildsau im Wald darf in dieser Typologie nicht fehlen. Das Draufgängerische gehört zu jeder Jugend.

Die Wälder Jugend kam uns Rheintalern immer etwas forscher vor als wir uns selber. Auf Skipisten wählten sie stets die etwas direktere Linie, und auf der Straße scheuten sie weder den Drift in der Kurve noch die legere Benützung des Banketts. Auch schien eine verschneite Fahrbahn ihr Draufgängertum nur zu steigern. Hingegen existiert der konservative Wälder als Ausgleich zu den wilden und widersetzlichen Elementen durchaus. Er stellt naturgemäß die Mehrheit in der Talschaft. Aber es ist eine eher angenehme Art des Konservativismus, die hier herrscht, eine, die das Neue nicht ausschließt. Den bekannten Wälder Spruch „Meor ehrod das Ault, meor grüozod das Nü“ sollten sich sogenannte Konservative anderswo hinter die Ohren schreiben, die glauben, das schöne Alte zerstören zu müssen, um dem Neuen Platz zu schaffen. Das schöne Neue entsteht durch Zerstörung, wohl richtig, aber nicht des guten, sondern nur des schlechten Alten. Oft genug wird das gute Alte zerstört, um Platz für schlechtes Neues zu schaffen. Der Bregenzerwald ist ein Ort, an dem das nicht oder nur selten geschieht. Diesen Unterschied richtig zu treffen, macht vielleicht den Wälder Konservativen aus. Auch gibt es den Typus des sensiblen Wälders. Der zeigt sich nicht nur in der Küche, in Kunst und Literatur.

Er kann durchaus Elemente des widersetzlichen Wälders mit seiner Sensibilität vereinen oder sie sogar als deren Grundlage betrachten: ein störrischer Architekt,ein querköpfiger Schriftsteller, ein bockiger Künstler stellen sich mit der Zeit natürlich als umgängliche Gesellen heraus, aber was die Unabhängigkeit hrer Kunst betrifft, verstehen sie keinen Spaß. Vielleicht sind das alles nur Klischees eines bloß oberflächlich Ortskundigen. Und überhaupt: Wo bleibt bei alledem die Wälderin? Der Autor gibt zu, dieses heikle Gebiet vorsichtshalber zu meiden. Mutatis mutandis gilt natürlich für die Wälderin alles, was bisher gesagt wurde. Und ganz gewiss ist der Wald ein Gebiet der starken Frauen, die allein Höfe führen oder eingeschneit einen ganzen Winter in der Einschicht überleben. Da wird die Typologie schnell zur Mythologie. Andererseits gehört zu jedem Franz Michael Felder eine Nanni. Vielleicht wagt einmal eine Wälderin den Versuch?

Autor: Armin Thurnher
Ausgabe: Reisemagazin Sommer 2016

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