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Spuren im Schnee

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Spuren im Schnee

Entspannung und Erholung vom Alltag, sportliche Betätigung und Unterricht in der unberührten Natur – das bietet eine von Rangern geführte Schneeschuhwanderung im Naturpark Nagelfluhkette.

Die Ranger im Naturpark Nagelfluhkette sind Profis. „Alle haben vor ihrem jetzigen Job etwas im Naturbereich gelernt“, erklärt Carola Bauer. „Die Kollegen kommen eher aus dem Forstbereich, ich selbst habe in Innsbruck Geografie studiert.“ Das ist natürlich längst nicht alles: Die gebürtige Regensburgerin hat außerdem eine Ausbildung zur Naturpädagogin absolviert, und Bergwanderführerin ist die begeisterte Bergsteigerin und Tourengeherin auch. Außerdem forscht sie seit Jahren zum Apollofalter, einem in Europa stark bedrohten Schmetterling. Um als eine von drei hauptberuflichen Rangern beim Naturpark Nagelfluhkette angestellt zu werden, musste sie in einem langwierigen Auswahlverfahren über 200 Mitbewerber ausstechen. Es hat sich gelohnt. Carola liebt ihren Job. Man merkt das sofort, wenn man mit ihr spricht. Der Alltag eines Parkrangers ist so abwechslungsreich wie interessant. Etwa die Hälfte ist Büroarbeit. Touren werden geplant, Fort- und Weiterbildungen organisiert oder absolviert, mit umliegenden Schulen wird eng zusammengearbeitet. „Da geht es um Bewusstseinsbildung“, erklärt Bauer. 

Auch das Networking nimmt in ihrem Terminplan viel Platz ein: „Wir machen Aufklärung und Besucherlenkung ja nicht allein. Die Zusammenarbeit mit Grundbesitzern, Jägern und Waldaufsehern ist wichtig, damit jeder einen Einblick hat und seine Wünsche und Anregungen einbringen kann.“ Die restliche Zeit sind die Ranger im Gelände unterwegs. Sie machen Führungen mit Naturparkschülern, gehen Routen ab und zeigen Präsenz im Park. Im Winter bieten sie geführte Schneeschuhwanderungen an. Auch diese spielen in ihr Konzept zur Besucherlenkung hinein. Denn dabei soll es nicht nur um Sport und Erholung gehen, sondern auch Inhalt vermittelt werden: „Wir zeigen, wo es ungefährlich ist, erklären die Beschilderung im Gelände und helfen den Besuchern, den Park und seine Bewohner zu verstehen.“ Die Routen für die Schneeschuhwanderungen planen die Ranger höchstpersönlich, um dann darauf mit Gästen unterwegs zu sein. Dabei reicht es nicht, die Tour ein paar Tage davor einmal abzugehen und den Lawinenlagebericht zu lesen: „Ich muss über einen längeren Zeitraum das Wetter beobachten, damit ich weiß, wie die Schneedecke aufgebaut ist. Wo sind Graupel, Schwimmschneeschichten, Bruchstellen etc.“ Derartiges Fachwissen hat Carola sich im Rahmen ihres Studiums angeeignet und kann als Rangerin nun darauf zurückgreifen. Die Umsetzung der Route ist eine Wissenschaft für sich, denn die Zusammensetzung einer Wandergruppe ist jedes Mal anders. Für eine Tour sind vier bis fünf Stunden Gehzeit veranschlagt, doch müssen die Ranger auf die körperliche Verfassung der Gäste reagieren und eine Tour eventuell abkürzen oder verlängern. „Ich schau mir die Gruppe an und entscheide dann, wie sie drauf sind“, sagt die Rangerin Carola mit einem Augenzwinkern. „Wenn viele Fitte dabei sind, gehen wir die längere Route. Sind viele weniger Sportliche dabei, kürze ich die Tour ab. Das ist sehr variabel.“ Bei der Wanderung selbst sollen sich die Gäste nicht nur sportlich betätigen. Ziel ist, die Natur erfahrbar zu machen: „Es ist zu beobachten, dass viele Menschen verlernen, mit einer Landschaft umzugehen. Sie sehen sie nur noch als Kulisse und nicht als lebendige Natur, in der auch Gefahren drohen können.“ Sie will bei einer Tour die Sinne ihrer Gäste fordern und deren Blick auf den Park schärfen: Wie fühlt sich der Schnee unter den Füßen an? Wie klingt der Wald? Zu welchem Tier gehören die Spuren im Schnee? Dies möchte Carola ihre Gäste erfahren lassen.

Die Schneeschuhwanderer sollen etwas lernen. „Wenn man ein bisschen genauer hinschaut, findet man eine Feder oder eine Fegespur und kann damit auf bestimmte Überwinterungsstrategien der Tiere aufmerksam machen. Was macht ein Hirsch im Schnee oder wie überlebt ein Auerhahn im Winter? Das ist für die meisten sehr spannend.“ Zu kleinen Details weiß sie Geschichten: Heruntergefallene Tannennadeln und ein angeknabberter Fichtenzapfen: Da hat ein Eichhörnchen gefressen. Die Landschaft beobachten, ihr zuhören, von ihr lernen. Dazu möchten Carola und ihre Kollegen die Besucher des Parks ermutigen. Die Schneeschuhwanderungen mit den Rangern des Naturparks Nagelfluhkette sind Erholung, sportliche Aktivität und Naturunterricht in einem. Im Rahmen ihres Projekts „Bewegende Natur – geschützte Lebensvielfalt“ bieten die Ranger pro Winter sechs Touren an – und das kostenlos. Mit festem Schuhwerk, Winterkleidung und einer Brotzeit im Rucksack kann jede und jeder mitlaufen.

Autor: Bartholomäus Natter
Ausgabe: Reisemagazin Winter 2019-20

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