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Nobelpreis für Bienen

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Geschichte

Nobelpreis für Bienen

Die Imkerei hat im Bregenzerwald eine lange Tradition. Dieter Metzler aus Alberschwende setzt sie fort. Er hat sie von seinem Vater Ludwig, einem Pionier auf dem Gebiet, übernommen.

Die Welt scheint auf einmal eine andere zu sein, als Dieter Metzler eine Zarge öffnet, um die Waben seines Bienenvolkes zu begutachten. Wie bei einem aufgescheuchten Ameisenhaufen regt sich eine Betriebsamkeit, die einem Laien Angst einflößt. Tausende Bienen umschwirren den Zweiundvierzigjährigen aus Alberschwende, begleitet von einem tiefen Brummen, als würden sie bald über ihn herfallen. Dieser bleibt ruhig, nimmt eine Wabe heraus und vertreibt mit einer Feder einzelne Bienen, die ihm den Blick auf die Brut verstellen. Zur Sicherheit hat er eine Zigarre dabei. Denn den Qualm mögen die Tiere nicht, da ziehen sie sich im Stock rasch zurück. Dieter Metzler ist Imker und Züchter. Er betreut in Alberschwende und Umgebung gut hundert Bienenvölker, zur Hälfte Wirtschaftsvölker. Die anderen sind Jungvölker. Er ist das ganze Jahr hindurch mit Arbeit versorgt – mittlerweile betrachtet er die Imkerei nicht mehr nur als Hobby. Ob er nie gestochen werde, schließlich trägt er keine Schutzkleidung? „Ja, bestimmt.“ Wieso dann keinen Schutz? „Die Bienen sind ein Spiegelbild. Sie verhalten sich zu mir, wie ich mich zu ihnen verhalte. Bei Schutzkleidung würde ich keine Bienenstiche wahrnehmen, das wäre sicher fein. Andererseits kriege ich so auch keine Rückmeldung, ob die Bienen mit meiner Art, wie ich mit ihnen umgehe, zufrieden sind“, sagt der Imker verschmitzt.

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Die Imkerei hat im Bregenzerwald eine lange Tradition. Schon vor Hunderten von Jahren hielten sich die Bauern – meist versteckt am Waldrand – ein paar Bienenvölker, die ihren Lebensalltag versüßten. Damals war Rohr- oder Rübenzucker noch nicht bekannt. Die Praktiken der Imkerei wurden von Generation zu Generation weitergegeben. So war es auch bei Dieter Metzler, der wesentliche Grundlagen von seinem Vater Ludwig erlernt hat. „Schon früh durften mein Bruder und ich den Vater bei der Arbeit begleiten. Im Volksschulalter ließ er mich bereits Wabenrähmchen zimmern.“ Der Vater war ein Pionier, verschrieb sich der Zucht der Kärntner oder Krainer Biene (Carnica-Biene) und dokumentierte seine Forschungen genauestens mittels Diaaufnahmen. Sein Wissen gab er weiter und kam als Referent weit über die regionalen Grenzen hinaus in den süddeutschen, schweizerischen und österreichischen Raum. Metzler zündet sich eine Zigarre an. Die Bienen sind heute etwas unruhig. „Das kann am Wetter liegen“, erklärt er. „Aber auch die Tageszeit kann ausschlaggebend sein. Am Abend sind sie nämlich angriffslustiger als früh am Morgen.“

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Auch Metzler ist ein Pionier. Er hat eigens eine Bienenstockwaage konstruiert, die auch Wetterdaten aufzeichnet. Eine hat er an einem in den Bergen des Montafons aufgestellten Wanderbienenstand angebracht. Die Daten werden ins World Wide Web eingespeist. So kann er von zu Hause aus feststellen, wann beispielsweise eine Honigtracht einsetzt oder beendet ist. Ebenso lassen sich damit die Wetterdaten unterschiedlicher Regionen vergleichen. Sie liefern Metzler Umweltinformationen aus einzelnen Gebieten. Auch dokumentiert er wie sein Vater seine Tätigkeit. Dafür schuf er eine eigene Webseite: www.4bees.at. Dort tauscht er mit anderen Imkern Erfahrungen und Kenntnisse aus. „Die Imkerei könnte von den neuen Technologien noch sehr profitieren“, ist er überzeugt. „Auch andere Imker experimentieren, machen neue Erfahrungen. Doch wäre es schade, wenn jeder nur in seinem stillen Kämmerlein forscht. Vom Austausch profitieren wir alle.“ Metzler schließt die Zarge. Er ist mit der Brut zufrieden. Die Bienen haben sich beruhigt, nur noch einzelne fliegen um ihn herum. Er nimmt seinen Hut ab, legt die Feder zur Seite. Nebenbei meint er: „Die Biene ist ein Schlüssellebewesen.“ Sie sei fleißig, und ihre Arbeit halte das natürliche Gleichgewicht im Lot: „Mein Vater sagte immer, die Biene habe den Nobelpreis verdient.“ Der Imker zeigt wieder sein verschmitztes Lächeln und legt noch ein bisschen zu: „Geht es der Biene gut, geht es den Menschen gut.“

Autor: Georg Sutterlüty

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