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Der Clan im Schnee

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Der Clan im Schnee

Sie sind die Nachfahren eines armen, aber stolzen Volkes aus dem Schweizer Wallis. Im schneereichsten Dorf der Welt, in Damüls, bilden sie einen erfolgreichen Walser Clan: die Madleners.

„Mein Vater und seine Geschwister waren 13 Kinder, meine Mutter und ihre Geschwister fünf Kinder“, erzählt der gegenwärtige „Patriarch“ Arno Madlener.

Was ein Clan ist, wissen wir. Nicht zuletzt aus dem Fernsehen. Bei den Clans im Fernsehen handelt es sich meist um finstere Gesellen und dunkle Geschäfte. Aber es geht auch anders.

Ganz oben in den Bergen etwa, bei den Walsern. Die  Madleners, ein Clan in Damüls, machen es vor. Man braucht nur das Telefonbuch der auf über 1400 Meter Seehöhe gelegenen 300-Seelen-Gemeinde aufzuschlagen, um ihnen zu begegnen. Zwei Spalten füllt das Dorf mit seinen gerade einmal dreistelligen Telefonnummern. Die Namen vor den Nummern lauten meist Bischof und Madlener. Die anderen fallen kaum mehr ins Gewicht.

Der gegenwärtige Patriarch des Madlener-Clans, Arno Madlener, erzählt, wie es angefangen hat:

 

Jetzt sind die Kinder und Kindeskinder dieser 18 Kinder am Werk. Alles klar?

Arno selbst wirkte jahrelang als Tourismusobmann des 300-Seelen-Dorfes. Mittlerweile steht er den Gastwirten vor. Sein Cousin Wilfried Madlener war über 20 Jahre hinweg der Bürgermeister des Dorfes – als Nachfolger von Gustav Madlener. Die Anfänge und Gründerjahre der Skischule – in Damüls so etwas wie die Hohepriesterschaft – standen zwanzig Jahre lang unter der Ägide von Anton – Madlener natürlich!

 

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Auch wenn wir hier von Clan sprechen, geht es im Walserdorf Damüls nicht unbedingt um Macht. Eher um Initiative,
um Aufbruch und Mut, um „Mein Vater und seine Geschwister waren 13 Kinder, meine Mutter und ihre Geschwister fünf Kinder“, erzählt der gegenwärtige „Patriarch“ Arno Madlener Tatkraft und Gemeinschaft. Schon vor 1950 brachte Anton Madlener die ersten Gäste per Pferdefuhrwerk auf abenteuerlichen Wegen aus dem gut 650 Meter tiefer gelegenen Ort Au  herauf ins schneereichste Dorf der Welt, wie sich Damüls gerne nennt. Will jemand raten, wer das erste Gasthaus im Dorf, den Adler, bewirtschaftet hat? Wer für die Schneeräumung verantwortlich zeichnete? Wer mit dem ersten Taxi zu den Bahnhöfen in Bezau und Bregenz gefahren ist? Wer „die Madleners!“ ruft, hat gewonnen.

Auch ein Clan geht mit der Zeit. Die Gäste kommen heute auch nicht von allein, aber doch zumindest selbst ins Dorf. Auf  guten und wintersicheren Straßen. Dafür sorgten die Madleners ebenso wie für den Ausbau des Skigebietes, heute eines  der attraktivsten der Region. Und die gastronomische Entwicklung im Ort treiben sie ebenso sanft wie konsequent voran.

Es geht nicht um Macht. Arno Madlener nennt andere Ziele, etwa „die Erhaltung der Lebensqualität und die Etablierung
der Marke Damüls“. Selbst wenn er von „Wertsteigerung“ spricht, denkt man nicht gleich ans Geld. „Wert“ klingt in seinem Mund nach intakter Natur, nach funktionierender Gemeinschaft und Herzlichkeit. „Gemütlichkeit, charakterstarke
Persönlichkeit, ein stilvolles Ambiente“ sind Werte, die Arno Madlener am Herzen liegen. So fällt die Antwort auf meine Frage, welche Philosophie denn seine Arbeit als Gastronom bestimmt, kurz und bündig aus: „Leidenschaft!“

So sind sie, die Madleners. Nachfahren der Walser, eines armen Volkes, das vor Jahrhunderten aus dem Schweizer Wallis aufbrach, um sich mit Zähigkeit, Fleiß und Geschick in den höchsten Tälern Vorarlbergs eine neue Heimat aufzubauen. Heute verbinden sie in ihrem Wirken die Eigenschaften ihrer Ahnen mit der Kultur und Tradition des Bregenzerwaldes. Eine feurige Geschichte.

Autor: Peter Natter

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