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Den Tempel genießen

Den Tempel genießen

Den Tempel genießen

Einst war da ein Tümpel in Mellau, dann ein alter Bauernhof an einem Brunnen mit sieben Besitzern, und heute steht an der Adresse Tempel 74 ein Gebäudekomplex in der Tradition einer lokalen Genossenschaftsidee: das Urlaubsapartmenthaus- Ensemble von Evi und Jürgen Haller.

Ein Duft von frischem Apfelkuchen liegt in der Luft. Leni, die kleine Tochter der Gastgeber Evi und Jürgen Haller, spielt im hinteren Teil des Raumes, wo aus einem kreisrunden Fenster in der Decke Tageslicht hereinströmt. Der großzügige Gast- und Empfangsraum liegt zur Hälfte unter Straßenniveau, deckt sich gleichsam mit dem ansteigenden Hügel zu und öffnet sich vorne zu einem lichten Platz. Umrahmt von zwei Apartmenthäusern, geschützt und doch einladend offen.

Ein Haus birgt Apartments mit innenliegenden Balkonen oder Terrassen, das andere dient im Untergeschoß als Architekturbüro, hat eine Gaststube im Erdgeschoß und Apartments in den Obergeschoßen. Dort sitzen wir an diesem regnerischen Vormittag.

Es begann mit einem alten Haus in Bildstein

„Als man mir vor 15 Jahren das alte Mesmerhaus in Bildstein überschrieben hat, habe ich wohl auch die Gastlichkeit mitgeerbt“, erzählt Evi Haller. „Meine Großtante Maria war die letzte Bewohnerin des seit vielen Generationen in Familienbesitz stehenden Gebäudes. Sie hat als eine der Ersten im Ort Fremdenzimmer – so hieß das damals noch – vermietet, mit den Gästen gelebt, sie auf Ausflüge in die nähere Umgebung mitgenommen und ist abends mit ihnen auf einer Bank vor dem Haus gesessen, das Tal unter ihnen vor Augen. Besucher*innen waren immer willkommen und bekamen gern einen Selbstgebrannten serviert. Die Gäste sind Freunde geworden. Wie sehr Maria geschätzt wurde, sehen wir an den Eintragungen in ihrem alten Gästebuch. Diese Notizen ähneln jenen, die wir heute in unserem finden, was uns ungeheuer stolz macht.“ Was tun mit dem geerbten großen Haus in Bildstein? Evi Haller, damals hieß sie noch Böhler, wollte es erhalten, also sanieren. Kein leichtes Unterfangen, stand das Gebäude doch unter Denkmalschutz. Während der Planungen lernte sie den Baumeister Jürgen Haller kennen. Er sollte ihr künftiger Ehemann werden, was auch für seine Planung spricht. Er brachte die richtigen Entwürfe für die Sanierung ein und hatte die zündende Idee für die Nutzung. „Schnell war klar, dass Evi und ich nach Mellau ziehen würden, also warum im Haus in Bildstein nicht das machen, was zahllose Bregenzerwälder Vorfahren auch gemacht haben: Ferienwohnungen vermieten. Seine außergewöhnliche Architektur und exponierte Lage machten es möglich, daraus ein einzigartiges touristisches Angebot zu schaffen.“ Heute ist das Baujuwel neben der Bildsteiner Basilika ein beliebtes Urlaubsdomizil und bietet Evi und Jürgen Haller einen Fundus an Erfahrungen. „Ohne das Mesmerhaus gäbe es den Tempel 74 nicht“, sind beide überzeugt.

Nachfolge am Hof eines Schweinebauern

Wo heute die beiden Büro- und Gästehäuser stehen, direkt an einer rechtwinkeligen Kurve, lag früher der Hof eines alleinstehenden Bauern. Abends zog Ambros, so sein Name, durchs Dorf, kehrte dabei jeweils in einem anderen Gasthaus ein und nahm die angefallenen Küchenreste für seine Schweine mit. Das schätzten die Wirtsleute und luden ihn zum Essen und auf ein Gläschen ein. Wenn es eines zu viel wurde, konnte es vorkommen, dass Ambros bei der Heimkehr Abfälle auf der Straße verlor. Am nächsten Morgen half man dann im Dorf samt Feuerwehr mit, den Biomüll aufzusammeln Der Hof stand nach dem Tod von Ambros lange leer. Es regnete durchs kaputte Dach, im Winter musste die Feuerwehr ausrücken, um Schneemassen zu entfernen. Die Erbin wartete auf Interessenten, die aus dem alten Hof etwas Entsprechendes zu machen imstande waren. Mit den Hallers sollte sie diese finden. Die beiden legten ihr gemeinsam mit Nachbarn ein Konzept vor. „Das Mesmerhaus in Bildstein hat sie schließlich überzeugt. Weil wir es dort geschafft haben, aus einem alten Gebäude etwas gleichwertiges Neues zu machen, traute sie uns das auch in Mellau zu.“ Der alte Hof war nicht mehr zu retten, so sah Jürgen Haller an dessen Stelle einen Neubau vor, der in Material, Anmutung und Größe dem alten Gebäude entspricht. Schon früh wurde bei der Planung der Gestaltungsbeirat der Gemeinde mit den Bregenzerwälder Architekten Hermann Kaufmann, Walter Felder und Helmut Dietrich eingebunden.

„Es sind heute zwei Gebäude“, erklärt Jürgen Haller, „direkt an den Straßenkanten, auf unterschiedlichen Niveaus. Das vordere Haus mit Büro, wo früher der Käsekeller und der Schweinestall lagen, ist im ersten Stock mit dem Erdgeschoß des zweiten Hauses verbunden. Die beiden Gebäude gleichen in ihren Proportionen alten Wälderhäusern. Sie liegen allerdings heute außerhalb der Norm, so brauchten wir Sonderlösungen.“ Weder das Neue noch das Alte verleugnend, fügen sich die beiden Häuser zu einem harmonischen Ganzen, dem Tempel 74. Zehn Ferienwohnungen, unterschiedlich in Form, Ausrichtung und Größe, sind darin im selben schlichteleganten Stil eingerichtet. Jede Einheit weist eine Besonderheit auf: Einmal ist es die Essecke unterm Giebel, dann die schrägen Dachfenster über der Dusche. „Es macht mir eine große Freude, für die einzelnen Gäste die exakt passende Wohnung zu finden“, sagt Evi Haller. „Was mir dabei hilft: Viele Gäste kenne ich bereits vom Mesmerhaus. Sie kommen nun zweimal im Jahr nach Vorarlberg – im Sommer an den See und im Winter in den Wald.“

Eine genossenschaftliche Idee mit lokaler Tradition

Im Tempel 74 gehören die Wohnungen verschiedenen Eigentümern. Mehrere Nachbarn haben sich an Kauf und Bau der Gebäude beteiligt. „Die Vermietung übernimmt Evi, die Einnahmen werden gemeinschaftlich aufgeteilt, unabhängig davon, welche Wohnung gerade vermietet ist. Die Einnahmen kommen in einen Pool und werden nach Eigentumsanteilen aufgeteilt. So sind wir alle Miteigentümer und gemeinschaftliche Nutznießer“, erklärt Jürgen Haller das Konzept, das die Erbin von Ambros’ Hof damals überzeugt hat. Es erinnert an eine Idee von Franz Michael Felder. Der Schoppernauer Bauer, Ökonom und Autor hatte im 19. Jahrhundert die erste Genossenschaft im Bregenzerwald gegründet. Damals nutzten mehrere Bauern Land und Ertrag gemeinschaftlich. Felders Teilhabekonzept ist nun seit über 150 Jahren im Tal präsent. Ein Symbol dafür steht beim Tempel 74 direkt vor der Tür. Es ist der Brunnen eines Weilers, der seit jeher aus sieben Häusern bestand. Der Brunnen bildet den zentralen Ort, früher als Wasch- und Tränkplatz, heute als Treffpunkt auf 36 Quadratmetern Fläche, wovon jedes der umliegenden Häuser ein Siebtel besitzt. Der Weiler liegt wie der Ort Mellau unter der Bergikone des Bregenzerwaldes, der Kanisfluh. In der Mitte des 13. Jahrhunderts verwandelten ein gewaltiger Felssturz und nachfolgende Erdmassen das Gebiet des heutigen Weilers in einen Sumpf. Mit der Zeit zog sich das Moor allmählich zurück, hinterließ Tümpel, und am festen Grund siedelten sich Bauern an. Sie nannten ihren Weiler „Tümpel“. Aus Tümpel wurde Tempel – ganz unprätentiös, so wie der Bregenzerwald, aber eben auch mit Potenzial zur Mythenbildung.

Autorin: Carina Jielg
Ausgabe: Reisemagazin Bregenzerwald – Sommer 2022

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