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Das Fußwerkzeug

Das Fußwerkzeug

Bei den Jungen erfreuen sie sich derzeit besonderer Beliebtheit: die Holzschuhe von Meister Devich in Bezau.

Ein Drängen wie auf einem Wochenmarkt herrscht im Verkaufsraum neben der Wohnung des Holzschuhmachers Anton Devich in Bezau. Gefragt sind vor allem Holzschuhe, die den Namen Devich tragen und so nur aus diesem Haus kommen. Im Raum sind auch Sandalen, Clogs und Stiefel auszumachen, doch die Holzschuhe füllen die Regale. Kein Paar gleicht dem anderen. „Was das ist, wissen Sie erst, wenn Sie hineingestiegen sind“, ruft der Meister. Hineinsteigen – das trifft. Der Fuß fährt in ein festes Bett aus Holz. Er hat von den Zehen bis zur Ferse Halt und wird von Holz, Leder oder Fell umgeben. Man spürt das rechte Maß für Wärme und Transpiration, bekommt einen festen Tritt und mit dem ersten Schritt einen leichten Schub: Dank der runden Sohle rollt der Schuh nach vorne ab. Man meint fast, das Gehen nochmals zu lernen. Devichs Schuhe sind wie ein Werkzeug und brauchbar für jeden. Kein individuelles Einzelstück, doch natürlich der jeweiligen Größe angepasst. „Hat der Schuh eine endgültige Form, gibt es nix mehr zu rütteln“, sagt Devich. Ein solches Fußwerkzeug ist keine Erfindung, sondern das Ergebnis langer Übung und Verfeinerung. Drei Generationen sind es schon, die Holzschuhe herstellen, wie sie einst in jedem Dorf gefertigt wurden. Devichs Großvater war Schuhmacher, doch neben Lederblieben immer auch Holzschuhe im Sortiment. Mit ihnen wurden Wissen und Erfahrung überliefert für das, was heute Alleinstellungsmerkmal der Werkstatt ist.

Devich legt höchsten Wert auf Sorgfalt bei der Materialwahl und Verarbeitung. „Man muss immer prüfen, was man in der Hand hält“, sagt er. Früher schafften erfahrene Holzschuhmacher zwei Paar pro Tag. Ein Zeugnis für die Blüte handwerklichen Könnens. Devichs Werkstatt ist kein „Eswar- einmal“. In eigenständiger Tüftelarbeit entstand hier, aufbauend auf den Spezialkenntnissen der Zulieferer, Anfang der 1990er-Jahre eine der ersten dreiachsigen CNC-Fräsen des Bregenzerwaldes. Sie fräst heute noch 24 Stunden am Tag die Rohlinge des hölzernen Fußbetts. Ein sechsachsiger Schleifroboter, ebenfalls ein Unikat, und ein Besohlungsautomat ergänzen die Hightech-Apparatur für das Kernstück des Holzschuhs. Bei der Weiterverarbeitung mit Lederoder Fellbesatz setzt Devich auf die Präzision von Hand und Auge der zehnköpfigen Belegschaft. Ein Hightech- Handwerksbetrieb, selbstbewusst, ohne viel Aufhebens zu machen. Die gesamte Wertschöpfung bleibt bis zum Vertrieb unter einem Dach. Technische Raffinesse für einen „Hölzler“? Gebrauchstüchtig und nachhaltig mögen sie ja sein. „Ein abgelaufener Schuh sieht genauso aus wie ein neuer!“, bekräftigt der Meister. Aber – ein Holzklotz? Eleganz kommt einem da nicht in den Sinn. Doch Vorsicht: Lang ist es her, dass der Holzschuh dem Stall oder der Werkstatt vorbehalten war. Das leichte Weidenholz macht ihn heute zum Alltagsschuh auch fürs Büro. Felle oder Leder erlauben eine individuelle Gestaltung – es wurden schon Holzschuhe für Hochzeiten bestellt. Bei den Jungen erfreuen sie sich derzeit besonderer Beliebtheit. Sie sind Disco-tauglich und stellen ihre Eignung auch für den feineren Umgang bei einem eigens dafür geschaffenen Holzschuhtanz des Trachtenvereins Hittisau unter Beweis. Heute sind die „Hölzler“ Kultobjekt. Auch wenn der Meister streng verkündet: „Schmuck machen wir keinen dran“, so ist doch jeder Schuh ein persönliches Stück. Augenzwinkernd gesteht er zu, auch für Sonderstücke zu arbeiten. Und im Übrigen steht der Nachbearbeitung durch die Kunden nichts im Weg …“

Autor: Florian Aicher
Ausgabe: Reisemagazin Winter 2010/11

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