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Susi lässt sich locker scheren

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Susi lässt sich locker scheren

Susi stammt nämlich aus der größten Schafherde Vorarlbergs, die sich hier gerade auf den Weg zu ihrer Weide macht. Mit drei Schafen fing alles an. Heute halten Thomas und Brigitte Gmeiner aus Bizau eine 70-köpfige Herde – die größte in Vorarlberg. Wie in vielen Hofläden gibt es auch bei ihnen Butter, Bergkäse oder Sauerrahm zu kaufen – alles aus Schafmilch.

Schafschur im „Schafmilchbetrieb Gmeiner“ in Bizau: Wer sich vorstellt, ein Profi schere innerhalb vier Minuten ein Schaf und sobald eines fertig sei, liege schon das nächste vor ihm, der irrt. Ohne Eile holt Schafbauer Thomas Gmeiner ein Tier nach dem anderen in einen abgetrennten Verschlag des Stalles. Dort bindet er es fest und spricht – sofern nötig – beschwichtigend auf es ein. Bei Schaf Susi ist das nicht erforderlich, ganz ruhig steht es da. Gmeiner setzt eine surrende Schermaschine am Hinterteil des Schafes an, fährt damit in Richtung Hals und neben dem kahl gewordenen Streifen wieder zurück. Und schon fällt das dichte Fell. Während der ganzen Schur, die etwa zehn Minuten dauert, bleibt das Tier gelassen. Jeden Frühling und Herbst steht diese Arbeit an und ergibt 230 Kilogramm Wolle. Sie wird zu Schafwollteppichen und Schafbetten verarbeitet oder zu Patschen, Sitzpolstern und Dekorationen gefilzt.

 

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Vor etwa zehn Jahren übernahm Thomas Gmeiner die Landwirtschaft seiner Eltern und kaufte sich zu den Kühen drei Schafe dazu. „Rein aus Neugierde“, sagt der Bauer. Aus der Neugierde wurde Passion, aus drei Schafen eine ganze Herde. 2013 verkauften Gmeiners die letzte Kuh. Nun hält das Ehepaar rund 70 Schafe. Jeden Frühling werden an die 120 Lämmer geboren. In ganz Vorarlberg gibt es keinen anderen Schafmilchbetrieb dieser Größe. Schafe werden vielseitig genutzt. Gmeiners verkaufen nicht nur die Erzeugnisse aus Schaffell, sondern auf Anfrage auch Lammfleisch, Schafwurst und Lebensmittel aus Schafmilch. Von Letzteren gibt es eine ganze Menge in dem kleinen Hofladen: Bergkäse, Joghurt, Butter, Sauerrahm, Schafkäse und mehr. Alles zu hundert Prozent aus Schafmilch und in der hofeigenen Sennerei hergestellt. Wie schmeckt das im Vergleich mit Produkten von der Kuh? „Weicher und cremiger“, meint Brigitte Gmeiner. Die meisten Menschen, die Kuhmilch nicht vertragen, können Schafmilchprodukte problemlos essen. Aber auch andere kommen zunehmend auf den Schaf-Geschmack.

 

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Brigitte Gmeiner bedient hinter der Theke im Hofladen gerade ein Ehepaar. Freundlich gibt sie darüber Auskunft, dass jedes ihrer Schafe durchschnittlich zwei Liter Milch pro Tag gibt und erklärt dann, dass sich Schafmilch-Butterschmalz sehr gut zum Kochen und Braten eigne. Wenn die Schafbäuerin über ihre Tiere und den Betrieb spricht, wirkt sie leidenschaftlich, scheint mit Freude bei der Sache zu sein. „Ja, so ist es“, bestätigt sie. Auch ihr Ehemann ist vollkommen überzeugt von ihrer Schafzucht. Regionales und ökologisches Arbeiten ist den Schafbauern sehr wichtig. „Nur gesunde Tiere erzeugen gesunde Lebensmittel.“ Deshalb halten sie ihre Schafe so artgerecht wie möglich: Im Sommer können sie Tag und Nacht auf die Wiese, im Winter haben sie im Stall genügend Platz, um sich zu bewegen. In der kalten Jahreszeit geben die Schafe keine Milch. Erst im Frühling, wenn die Lämmer geboren werden. „So sieht es der natürliche Zyklus vor“, erklärt Gmeiner. Zur artgerechten Haltung gehört auch natürliches Futter: Soja oder gentechnisch veränderte Tiernahrung sind auf dem Gmeiner-Hof nicht zu finden. Wer sich selbst überzeugen will, wie Gmeiners ihre Schafe halten, kann sich von ihnen durch den Betrieb führen lassen. Viele Besucher schätzen das, denn, so Brigitte Gmeiner: „Menschen ist es wichtig zu sehen, wie ihre Lebensmittel hergestellt werden.“

Autorin: Elisabeth Willi

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