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Lohn der Mühe

Lohn der Mühe

Von Egg nach Bezau über den Rimsgrund nach Schönenbach, von dort nach Schetteregg und wieder zurück nach Hause. Meine erste Tour als Sportbikerin.

Natürlich war ich auch schon Biken, eh klar. Bloß habe ich mir bisher nie die Frage gestellt, ob ich Sport- oder Genussbikerin bin. Darauf gebracht haben mich zwei Mitglieder des Rad- und Laufvereins Bregenzerwald: Jodok und Vroni. Wöchentlich treffen sie sich mit ihren Vereinskollegen zu ausgedehnten Touren quer durchs ganze Tal. Sie trainieren für „Bike-Events“ und wetteifern um Zeiten, Trails und Geschwindigkeiten. Vroni hat kürzlich an einer Alpenquerung per Rad teilgenommen. Ihre Augen leuchten noch immer, wenn sie davon erzählt. Es ist klar, das sind die Sportbiker. Und das will ich auch sein.

Motiviert von den Erzählungen der beiden, mache ich mich startklar für eine der „Fortgeschrittenen“-Toprouten des Bregenzerwaldes. Entsprechend bekleidet und ausgerüstet mit einem Leih-Bike von Jodok fühle ich mich schon extrem sportlich. An die 42 Kilometer, die jetzt vor mir liegen, denke ich lieber nicht. Von Egg nach Bezau über den Rimsgrund nach Schönenbach, von dort nach Schetteregg und wieder zurück nach Hause. Jodok schildert mir in beeindruckender Weise Touren quer durch den Bregenzerwald. Er schwärmt von den Vorzügen des Bikesports, lobt das schnelle Weiterkommen und das Betrachten der Landschaft vom Bike aus. Die auf der Mountainbike-Karte verzeichneten Routen sind sehr gut beschildert. Die Karte beinhaltet auch alle nötigen Informationen. Also strample ich los. Steile Anstiege wechseln mit Abfahrten über Alpwege, durch Vorsäße, an Kuhweiden und Gebirgsblumenwiesen vorbei. Die Fahrt lässt keine Langeweile aufkommen.

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Die ersten Zweifel an meiner Berufung zum Sportbiker bekomme ich beim sehr steilen Anstieg durch den „Rimsgrund“. Ein harter Aufstieg. Zum Lohn eröffnet sich am Ende des Tobels (der Schlucht) und seinem höchsten Punkt ein Bild wie in einem Märchenbuch. Mitten in einer Wiese liegt ein See. Er hat sich durch die Niederschläge vergangener Tage gebildet. Die schon nächtlich abgekühlte Luft bringt die Bergketten zum Greifen nahe. Nur das Gebimmel der friedlich weidenden Kühe ist zu hören. Ich kann nicht anders, ich muss vom Rad steigen und stehend staunen. Vergessen ist das Sportbiken, ich genieße den Blick. Der Weg über die Langenalpe zur Schönenbacherstraße ist für Sportbiker wie geschaffen. Zum Glück hat mir Vroni geraten, Handschuhe anzuziehen. Bei dieser Abfahrt über Stock und Stein sind sie sehr von Vorteil.

Gemütlicher wird es dann auf der asphaltierten Straße nach Schönenbach. Es ist ein Gemeinschaftsvorsäß, in dem der Eindruck entsteht, die Zeit wäre vor hundert Jahren schlagartig stehengeblieben. Vom Wetter ergraute Schindelhäuser stehen um eine Kapelle, Kühe queren so selbstverständlich den Weg, als wären sie in Indien. Keine Zäune behindern das Fortkommen. Dennoch kann der Biker hier nicht schnell fahren – und nicht etwa wegen der Wanderer oder der Kühe. Es ist die Ruhe, die dieser Ort ausstrahlt, die den Tritt wie von selbst langsamer werden und den Sportzum Genussbiker werden lässt. Von der Leugehralpe bis nach Schetteregg ergebe ich mich endlich ganz meiner wirklichen Berufung zum Genussbiker. Auf den Schotterwegen durch den Wald und über Alpwiesen, den Blick Richtung Vorderer Bregenzerwald und auf die Nagelfluhkette gerichtet, lasse ich mir Zeit. Bei einem Bier in einer Gartenwirtschaft in Schetteregg unter der Winterstaude endet meine kurze Karriere als Sportbikerin fürs Erste. Ich werde mich künftig als Genussbikerin den „Einsteiger- Routen“widmen.

Autorin: Silke Ritter

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