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Helden am Berg

Helden am Berg

Kaspar, Hannes und Ferdl wollen in Egg erreichen, was noch kein Egger geschafft hat: die vollständige Umrundung ihres Gemeindegebiets.

Rotglühender Abend, der Blick wandert über den rauen Felsstock des Hohen Ifen. Er leuchtet in der untergehenden Sonne wie der Rosengarten in den Dolomiten. Daneben das Gottesackerplateau, eine unter Naturschutz stehende Karstlandschaft, beeindruckend und ein bisschen bedrohlich – Gottesacker bedeutet schließlich Friedhof. Die zerklüfteten Kalksteinflächen sind die ausgewaschenen Reste eines 120 Millionen Jahre alten Korallenriffs des Tethysmeeres. Drei Männer staunen über das abendliche Schauspiel der Natur. Sie sind früh am Morgen aufgebrochen. Über den sanften Bergrücken der Niedere stiegen sie zur Stongerhöhe, dann weiter über die Sienspitze und entlang der schroffer werdenden Berglandschaft bis ins Tal von Schönenbach. Von dort waren es noch etwa tausend Höhenmeter bis zum ersten Etappenziel – und nun sitzen sie vor der Hütte auf Ifersgunten.

 

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Drei Tage lang werden sie der 70,3 Kilometer langen Grenzlinie ihres Heimatortes Egg folgen, über Stock und Stein, über Felsen, Bäche und durch Flusstäler. Sind das Helden? Im Bregenzerwald auf jeden Fall, aber nicht unbedingt im griechischmythologischen Sinn. Wenn man im Wald von Helden spricht, so in der Art: „Jo, sand das Heldo!“, dann meint man nicht unbedingt unerschrockene, drachenblutdurchtränkte Krieger, sondern erwachsene Männer, die in Lausbubenmanier etwas leisten, das sich andere nicht trauen oder das sonst noch nie jemand gemacht hat. Solche „Heldo“ sind unsere drei Männer. Wir treffen sie an einem Wirtshaustisch am Montagabend im Gasthaus Tonele in Egg. Man erzählt sich, dass ein paar wagemutige Andelsbucher die gesamte Grenze ihres Bezirks entlanggegangen seien. Ausgerechnet Andelsbucher! Das Dorf ist die Nachbargemeinde von Egg, kleiner natürlich. Eine solche Heldentat muss selbstverständlich auch in Egg möglich sein. Doch das größere Egg wird hier auch zum Problem: Sein Gemeindegebiet erstreckt sich über 64 Quadratkilometer, grenzt an sieben Orte und an Deutschland. Der Höhenunterschied vom niedrigsten Punkt an der Bregenzerach auf 509 Metern bis zum höchsten Punkt am Hohen Ifen auf 2.230 Metern ist beträchtlich. Doch sich von Andelsbuchern ausstechen lassen? Unmöglich. Die Grenze muss ergangen werden – mit Berg-Ehrenwort, dem Grenzverlauf liniengetreu zu folgen. Einer der drei „Heldo“, Kaspar Schneider, ein Läufer und beruflich in der heimischen Brauerei beschäftigt, besorgt Luftbilder mit den exakten Grenzverläufen.

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Hannes Waldner, den der sportliche Ehrgeiz schon aus der Wiege trieb, und Ferdl Hammerer, ein athletischer Allroundsportler, vervollständigen den Heldenzug, der es am ersten Tag bis unter den Ifen schafft. Nach dem herrlichen Ifenblick und einer erholsamen Nacht folgt der schwierigste Teil der Strecke: die Überquerung des Hohen Ifens. Restschnee am Felsen, haarige Abseilaktionen und dazu – Hagel. Ein Futterstand bietet Zuflucht in höchster Not, und wenigstens geht es danach wieder bergab. Die Nacht verbringen sie in der Vorsäßhütte „Unterer Berg“. Am dritten Tag plagen sie sich etwa 20 Kilometer lang durch das Flussbett der wilden Subersach. Ihre tiefe Schlucht bildet die Grenze zu den Gemeinden Sibratsgfäll, Hittisau und Lingenau. Nach der Mühsal ist es immer noch nicht vorbei, noch steht der Anstieg auf den Kaltenbrunnen vor dem Wirtshaustisch im Tonele. Aber irgendwann sitzen dann unsere Helden dort zufrieden vor ihrem Bier. Geschafft. Jetzt kann die Legendenbildung beginnen.

Autorin: Silke Ritter

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