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Gütiger Mensch und Maler

Gütiger Mensch und Maler

Gütiger Mensch und Maler

Über den Maler Hermann Rettberg aus Mellau, seine Verbindung zum Autor und eine riesige Bachforelle aus dem Dorfbach in Bezau.

In unserem Wohnzimmer hing das Bild eines Baches. „Rettberg“, sagte der Vater und pries das Bild, ein farbenkräftiges, realistisches, ja naturalistisches Aquarell. Vater aquarellierte selber und bewunderte die Technik, die Machart von Rettbergs Bild. Sich selber sah er als Sonntagsmaler, und obwohl er gut malte, weigerte er sich, je ein Bild zu verkaufen (obwohl es Käufer gegeben hätte, denn auch er malte „nach der Natur“, was den Leuten am besten gefiel).

Er lenkte meine Aufmerksamkeit auf die Technik der Maler, wie sie ins Nasse malten, Dinge aussparten, zartes Gras, Blätter und Wolken hinkriegten. Das Motiv des Rettberg-Bildes war alles andere als spektakulär. Ein Bach, gesäumt von Bäumen, fließt durch eine Wiese.

Das Papier des Aquarells war Nachkriegsware, das Passepartout gilbte vor sich hin. Aber weder Papier noch ein schmaler Holzrahmen mit silbern gestrichener Kante taten der Farbkraft des Bildes Abbruch. Vater malte seine Aquarelle auf besseres Papier, aber sie wirkten heller, weniger dicht.

Ein einziger Holzstadel war auf dem Bild zu sehen, sonst nur Wiese, Baum und Bach. Dieses einfache Ensemble sah ich  täglich an, ich konnte ihm gar nicht entgehen. Ich bin mit diesem Bachbild aufgewachsen, es hat meinen Blick geprägt wie kein anderes Kunstwerk. Als ich den Dorfbach von Bezau – um den handelte es sich – dann erstmals in Wirklichkeit sah, erkannte ich ihn nicht wieder. Zu viele Häuser säumen mittlerweile seine Ufer.

Über den Ort hatte sich auch die Erzählung meines Lieblingsonkels gelegt, der dort eine Fischerkarte hatte. Der Onkel fing Fische, wo andere nur die Köder badeten. Er wusste, wo die Fische standen, und er holte sie heraus. Abgesehen davon führte er mich beim Fußball ein, spielte selber Fußball, später spielte er Tennis. Immer hatte er das etwas schickere Auto als der Vater. Der Onkel hatte den roten, der Vater den blauen Opel Rekord, beide mit Weißwandreifen. Des Onkels Rekord war immer einen Jahrgang neuer als unserer, und er fuhr im Ort immer zehn Kilometer schneller als erlaubt. Am Sonntag bewegte sich der kleine Rekord-Konvoi von Bregenz an den Bodensee oder in den Vorderwald.

Aquarellieren konnte er nicht, der  Onkel, aber sonst so allerhand. Zum Beispiel die größte Forelle aus dem Bezauer Dorfbach herausfangen, ungelogen eineinhalb Kilo schwer. Er hatte sie an der Angel, aber er hätte sie fast nicht herausgebracht. Natürlich brachte er sie am Ende doch nach Hause.

An der Bolgenach hatte der Onkel mit anderen ein Revier gepachtet, und von dort kamen Forellen zu uns, echte Bachforellen, frisch aus dem klarsten Wasser und von der Mutter blau zubereitet. Der Vater bestand auf blau, mit nichts als Salzkartoffeln, etwas Zitrone und zerlassener Butter; der  Rettberg schaute von der Wand auf die Gräten. Ich könnte nicht sagen, dass es in meiner Kindheit an Kultur gefehlt hätte.

Dann kam ich ins Gymnasium, und im Zeichenunterricht empfing uns ein Herr in einem weißen Mantel, eine Hornbrille über den runden Bäckchen, das Haupt von schönem Weißhaar gekrönt: Hermann Rettberg persönlich. Er lehrte uns Zeichnen und Malen und ein wenig Kunstgeschichte, und manchmal – ich bereue, nichts davon aufgehoben zu haben – verbesserte er mit seinem Pinsel freundlich-nachsichtig ein Blatt, auf dem ich an Wasser, Gras oder Himmel gestümpert hatte. Und ich betrachtete den Dorfbach an der häuslichen Wand mit zufriedenem Blick. Rettbergs Zeichenstunde war – abgesehen von Turnen und, in Maßen, Religion – jene Stunde, in der nichts zu befürchten war. Reine Entspannung, man lernte was, oder man sah einfach zu, wie Rettberg im weißen Arbeitsmantel eine Lithografie abzog.

Die ferne Erinnerung rückte näher, als ich letzten Sommer in der Zeitung von einer Ausstellung in der Volksschule Mellau las: Hermann Rettberg, Zeichenlehrer und Landschaftsmaler. Da musste ich natürlich hin, das musste ich sehen. Es war  ein nebeliger Tag, mit einem Dunst, wie ihn Rettberg gern im Wasser verlaufen ließ, nach oben hin, unten setzte er dann ins Trockene ein paar dunkle Bregenzerwaldtannen.

Die schlichten Räume der Volksschule waren dicht behängt, ebenso der Gang. Ein Selbstporträt zeigte Rettberg mit Pfeife, und gleich fiel mir die Baskenmütze ein, an der man den Künstler zu erkennen pflegte. Daneben hingen aber auch Aquarelle und Radierungen aus Berlin, aus Istanbul, aus Bulgarien – Stationen aus Rettbergs Leben. Und da hing er, ein Bezauer Dorfbach, den hat er mehr als einmal gemalt. Zu Kriegsende hatte es ihn nach Wien verschlagen, wo er kurz unterrichtete, ehe er mit einem Flüchtlingstransport nach Bezau kam. Ausgerechnet hier blieb er hängen, begann dann an der Feldkircher Stella Matutina und 1954 am Bundesgymnasium Bregenz als Zeichenlehrer, wo ich ihm in den Sechzigerjahren begegnete.

Eine „noble, bescheidene Persönlichkeit, die nie ausgebrannt und abgespannt wirkte“, nannten ihn im Begleitblatt zur Ausstellung drei ehemalige Bregenzer Lehrer. Gewiss, das alles und vor allem gütig war er, der Rettberg. Gut gemalt hat er auch. Nicht nur, aber auch das Bild vom Bezauer Dorfbach, der durch die bunte Wiese meiner frühen Jahre plätscherte.

Autor: Armin Thurnher
Ausgabe: Reisemagazin Sommer 2012

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