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Frittwochs Nachtrodeln

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Frittwochs Nachtrodeln

Martin Moosbrugger und Thomas Rüscher, gierig nach neuen Adrenalinstößen, schufen superschnelle Rodeln – und Frittwoch“, jene Nächte, in welchen sie die Berge hinabschießen.

„Von irgendwo her muss das Adrenalin ja kommen“, meinen Moosbrugger und Rüscher. Bei ihnen kommt es in kalten Nächten auf selbst gebauten Rodeln.

Der Vollmond leuchtet auf die verschneite Gebirgskette. Martin Moosbrugger und Thomas Rüscher erreichen nach zweistündiger Nachtwanderung ein Hochplateau am Diedamskopf. Ihre durchtrainierten Körper dampfen. Bei fünfzehn Grad unter Null.

„Man meint, auf dem Mond zu sein“.

Martin Moosbrugger

Im Neuhornbachhaus wärmen sie sich auf, ziehen trockene Unterwäsche an. Lange halten der gelernte Tischler und der Zimmerer das Stillsitzen aber nicht aus und setzen ihre Stirnlampen auf. 900 weitere anspruchsvolle Höhenmeter gilt es zu bewältigen. Auf selbstgebauten Rodeln sausen sie die Naturbahn hinab bis Schoppernau. „I feel the need. The need for speed!“, schrie einst Tom Cruise als Kampfpilot. Moosbrugger und Rüscher fliegen zwar keine F-14-„Tomcat“, aber das Bedürfnis nach Geschwindigkeit ist bei ihnen das gleiche.

Die Idee, eine Rodel zu bauen, hatte sich beim Baden am Alten Rhein aufgedrängt. Während ihnen die Julisonne den Nacken verbrennt, kritzeln sie mit einem Ast erste Skizzen in den Schlamm: Gelenkig muss die Rodel sein, besser lenkbar als alles, was der Markt bisher zu bieten hat und vor allem: schneller. Acht Exemplare sollen es werden. Monate der Planung folgen. Ab Oktober verbringen sie ihre Feierabende in Rüschers Werkstatt. „Wir haben verschiedene Holzsorten verwendet. Esche ist biegsam. Rüster beweglicher, bricht leichter, aber leuchtet schwarz, violett oder grün – perfekt, um die Kufen zu gestalten.“ Thomas Rüscher verarbeitet Holz aus dem familieneigenen Wald.

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Rüscher und Moosbrugger sind gerade beim Lackieren, als der erste Schnee fällt. Nervosität kommt auf. Rasch alle Teile verschrauben. Mit Kuhfell bespannen. Um Mitternacht fahren sie aufs Bödele, wo schon 40 Zentimeter Neuschnee liegen. Erste Probefahrt. „Die Rodeln waren superbeweglich“, schwärmen die Handwerker.

„Wir konnten zickzack über die Piste fahren. Einfach saugeil.“

Martin Moosbrugger und Thomas Rüscher

Eine Vermarktung ihrer speziellen Rodeln interessiert die beiden wenig – stattdessen kreieren sie ein neues Wort: Frittwoch! Denn Freitag und Mittwoch ist Nachtrodeln in Damüls angesagt, wo sich die acht Rodelbesitzer seither treffen – die Strecke beleuchtet, der Uga-Lift in Betrieb, die Fetz-Alpe offen. Mit Rückenprotektoren, Helmen und Siegeswillen ausgestattet, liefern sie sich einen Massenstart. Ihr euphorisches Gejodel warnt Entgegenkommende besser  als die Glocken an den Kufen.

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Zu aufregend? Rodeln kann auch gemütlich sein. Es gibt im Bregenzerwald zahlreiche „Rodelbühel“ für Kinder und Abfahrten für die ganze Familie. Manch einer hat vergessen, wie friedlich es ist, in Alberschwende mit dem museumswürdigen Einersessellift durch den verschneiten Wald auf den Brüggelekopf zu gondeln. Winterstille. Oben angelangt, kann man sich zwischen zwei Bahnen entscheiden. Die Tannerbergbahn schlängelt sich an malerischen Häusern vorbei und läuft flach aus. Während Erholungssuchende längst in der Sauna sitzen, versuchen die Bregenzerwälder immer noch, Martin Moosbrugger zu besiegen. In Damüls gewinnt meistens er.

Autorin: Irmgard Kramer

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