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Ein Walser – was ist das?

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Ein Walser – was ist das?

Stolz, hart im Nehmen und Geben, aber ein weiches Herz: So charakterisieren sich Walser aus Österreich, aus Italien und aus der Schweiz beim großen Walsertreffen im Sommer 2013.

Ein Bregenzerwälder, ein Schweizer, ein Italiener; hunderte Kilometer trennen ihre Heimatorte – und doch: Sie alle sprechen von „ünsch“ oder „önsch“ statt von „uns“, sie sagen „deicha“, wenn von „denken“ die Rede ist. Denn sie sind Walser.

Ab dem ausgehenden 12. Jahrhundert verließen Bewohner des oberen Wallis in der Schweiz aus unbekannten Gründen ihre Heimat. Sie zogen in andere Alpengebiete in Mitteleuropa und wurden von Wallisern zu Walsern. Heute gibt es noch rund 150 Walsergemeinden in der Schweiz, in Liechtenstein, Italien, Tirol und Vorarlberg. Hier sind das Kleine und Große Walsertal nach ihnen benannt. Auch Damüls, Schröcken und Warth, die zum Bregenzerwald gehören, gelten mit ihren knapp 700 Bewohnern als Walsergemeinden. Vor 700 Jahren wurde Damüls von den Walsern besiedelt, anlässlich des Jubiläums „700 Jahre Walser in Vorarlberg“ fand in dem Bregenzerwälder Bergdorf und im Großen Walsertal ein internationales Walsertreffen statt.

Ernst Bischof aus Damüls, die Zeiters aus der Schweiz sowie die Laurents aus Italien – allesamt Bewohner kleiner, abgelegener Bergdörfer – treffen sich dort zum ersten Mal und sitzen gemeinsam an einem Tisch. Der Damülser hält sich ein wenig zurück, die italienischen Walser aus dem Aostatal und die Schweizer aus dem Wallis aber plaudern sogleich ungezwungen miteinander. Sie sind sich nicht ganz fremd, denn: „Wir Walser fühlen uns verbunden, so wie in einer großen Familie“, erklärt der Italiener Pierpaolo Laurent in fließendem Deutsch. Dieses Walser-Gefühl gab es nicht immer, es entwickelte sich erst im 20. Jahrhundert. Einen Beitrag dazu leistete auch die Internationale Vereinigung für Walsertum, die sich seit fünfzig Jahren bemüht, die Eigenheiten der Walsersprache zu erhalten und die Zusammengehörigkeit zu pflegen.

 

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Doch gibt es den einen Walser überhaupt und was macht ihn aus? Die Walliserin Jeanette Zeiter erklärt sogleich: „Die Walser und Walliser sind stolz. Sie sind hart im Nehmen, hart im Geben, aber haben ein weiches Herz.“ Die italienischen Walser und Ernst Bischof nicken zustimmend. Der gemeinsame Ursprung allein, der im ausgehenden Hochmittelalter liegt, dürfte aber kaum für Ähnlichkeiten verantwortlich sein unter Menschen, die über 300 Kilometer verstreut im Alpenbogen leben. Schließlich entwickelten die Walser im Laufe der Jahrhunderte lokale Eigenheiten in Baustil, Brauchtum, in der Tracht und in den Arbeitstechniken. Allerdings waren und sind ihre Lebensbedingungen ähnlich: Zahlreiche Walsergemeinden finden sich in abgelegenen Bergregionen. Saas Almagell im Wallis etwa, wo die Zeiters wohnen, liegt auf 1.600 Metern und ist erst seit knapp fünfzig Jahren durch eine fahrtaugliche Straße erschlossen. „Vorher haben wir in einem abgeschlossenen Kessel gelebt. Drei-, viermal pro Jahr gingen die Bewohner damals in das Dorf weiter unten, deckten sich dort mit Lebensmitteln ein, und das reichte dann für einige Monate“, erzählt Jeanette Zeiter.

 

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Damüls, auf 1.432 Höhenmetern gelegen, wurde erst 1986 mit einer ausgebauten Straße mit dem Großen Walsertal verbunden. Zuvor orientierten sich die Damülser nur nach Au und in den Bregenzerwald. Alle drei Ortschaften – Damüls, Saas Almagell im Wallis und Gressoney Saint Jean im italienischen Aostatal – sind wie viele Walsersiedlungen vom Tourismus geprägt. Dieser brachte, so berichten Ernst Bischof, die Zeiters und die Laurents, mehr Offenheit in ihre Heimatgemeinden. Trotz dieser Öffnung aber hat sich in den abgelegenen Walsergemeinden über die Jahrhunderte etwas aus ihrer alten Heimat fragmentarisch erhalten: die Walsersprache. Das Walserische ist eine alemannische Mundart, die durch einige Lautmerkmale und besondere Ausdrücke auffällt. Typisch ist, dass „s“ manchmal zu „sch“ wird. So etwa sprechen viele Walser nicht von „uns“, sondern von „önsch“ oder „ünsch“; „böse“ wird zu „böösch“. Das „nk“ wie in „denken“ oder „trinken“ verwandeln Walser in „ch“, zum Beispiel in „tricha“ (trinken) oder „deicha“ (denken). „Ja, das machen wir auch“, erklärt die Walliserin Jeanette Zeiter. Pierpaolo Laurent aus dem Aostatal ergänzt: „Der Grundkern unserer Sprache ist derselbe, deshalb verstehen wir uns.“ So habe er, als er auf einer Baustelle in Zürich beschäftigt war, einen dort arbeitenden Walliser auf Anhieb verstanden – die Zürcher hingegen hatten ihre Probleme mit dem Walliser Dialekt. Pierpaolo Laurent, dessen Eltern Walser aus dem italienischen Aostatal sind, ist einer der wenigen in seiner Heimat, der noch Walserdeutsch spricht. Zahlreiche Bewohner seines Dorfes haben italienischsprachige Italiener geheiratet, sodass das Italienische Oberhand gewann. Nach Damüls heirateten in den vergangenen Jahrzehnten Bregenzerwälderinnen und Kärntnerinnen, die Einflüsse in der Sprache hinterließen. Von „ünsch“ oder „deicha“ sprechen Damülser nicht. Ernst Bischof erklärt: „Das Damülserische ist recht ähnlich wie das Wälderische, wobei wir aber auch einige eigene Ausdrücke haben.“ Ein Blick nach Schröcken und Warth, den weiteren Walsergemeinden im Bregenzerwald, zeigt, dass sich auch dort der Dialekt durch Eingeheiratete vermischt hat. Allerdings gibt es noch wenige, ältere Schröcker, die von „önsch“, „deicha“ oder „tricha“ sprechen, ebenso hört man dies von manchen Warthern. Ernst Bischof freut sich über das Treffen, denn: „Jo, man kennt viele Leute und schließlich sind wir Walser.“

Autorin: Elisabeth Willi

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