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Aus dem Wald in die Sterne

Aus dem Wald in die Sterne

Aus dem Wald in die Sterne

Eine Sternwarte im Bregenzerwald? Noch ist es nicht so weit. Aber in den Himmel kann man hier jetzt schon mit einem starken Teleskop schauen: aus Paul Baumgartners Sternbeobachtungsstation in Krumbach.

Auf einem Hügel in Krumbach steht eine Holzhütte, vier mal vier Meter groß. Das Giebeldach liegt auf Rollen. Schiebt man es zur Seite, kommt ein großes Fernrohr zum Vorschein. Es gehört Paul Baumgartner. Er fühlt sich privilegiert, die Milchstraße mit freiem Auge sehen zu können, was Großstädtern wegen massiver Lichtverschmutzung nicht möglich ist. Auf Wunsch öffnet er sein Sternenhäuschen, organisiert Vorträge und verkauft in seinem Laden „Himmelklar“ am Krumbacher Dorfplatz Teleskope, Comics, ScienceFiction und Sachbücher.

Paul Baumgartner kam in Wien zur Welt, erlebte die Kindergartenjahre in Moskau, die Volksschulzeit im Hatlerdorf (Dornbirn) und in Wien und zog als junger Mann nach Mödling, wo seine Großmutter herkam. Es ist kompliziert. Vielleicht sollte man es so erzählen: Paul Baumgartner wurde auf dem Planeten Erde geboren und machte gerade eine Buchhändlerlehre, als sein Freund am Dachboden von Großvaters Haus das Zielfernrohr von einem Jagdgewehr fand. Damit fuhren die Buben auf die Perchtoldsdorfer Heide, ließen sich im Federgras unter Föhren nieder, spähten durch das Rohr und entdeckten in weiter Ferne den Flughafen in Schwechat. Waren das etwa Gepäckwägelchen? Unglaublich. Als es dämmerte, richtete Paul das Fernrohr auf den Himmel. „Schau, da ist ein Stern, der hat so einen komischen Ring.“ Natürlich wusste er vom Saturn, aber wenn er die Ringe selbst mit diesem alten Gerät sehen konnte, was war dann noch möglich?

Wild entschlossen kaufte er sich mit dem Lehrlingsgeld sein erstes Teleskop und trat dem Astronomieverein bei. Die Leidenschaft, Himmelskörper zu beobachten und zu fotografieren, ließ ihn nie wieder los. Mit Mond, Mars, Jupiter und Saturn fing es an. Später fand er DeepSky-Objekte: Plejaden, die Galaxie Andromeda, Kugelsternhaufen, den Orionnebel. Paul half seinem Vater in dessen ITFirma aus. Er blieb dann in der Branche hängen, programmierte Webseiten, was er heute noch nebenbei tut, und lieferte Drucklösungen für Großraumbüros in ganz Österreich. Seine Ferien verbrachte er mit seiner Frau Martina, die in Wien in der Gemüsebranche arbeitete, jahrelang in Lingenau. Die beiden liebten den Bregenzerwald mit seinen Menschen und den Sternen. Der Traum, sich hier niederzulassen, wuchs. Drei Jahre suchten sie, dann konnten sie ein Grundstück in Krumbach kaufen. Zu ihrem Wohnhaus mit Gästezimmer errichteten sie eine kleine Sternwarte.

Der damalige Bürgermeister Arnold Hirschbühl war ihnen stets eine Hilfe und empfahl einen Architekten aus dem Ort. „Es gibt viele Hobby-Astronomen, die sich fertige Gartenhütten aufstellen. Aber das, was Rene Bechter daraus machte, ist besonders.“ Ende 2015 übersiedelten die Baumgartners endgültig nach Krumbach. Zum Tag der offenen Tür „ Krumbach goht um“ bat Arnold Hirschbühl darum, die Sternwarte zu öffnen. Paul lachte. „Das interessiert doch keinen.“ Er täuschte sich gründlich. Fasziniert hören ihm die Menschen zu, wenn er erklärt, dass ein normaler Fotoapparat 28, sein Teleskop jedoch 4.000 Millimeter Brennweite hat, die sich auf 8.000 Millimeter verdoppeln lassen. Nun kommen Schulklassen und Kinder wünschen sich Teleskope zu Weihnachten. In die Sterne schaut man üblicherweise mit einem Auge. Als Paul ein Binokular auf ein Teleskop steckt, sieht er den Mond zum ersten Mal räumlich – eine umwerfende, neue Erfahrung. „Die Krater sind unglaublich!“

Paul hält auch außerirdisches Leben für wahrscheinlich. Nur nicht auf der Erde. „Unser nächster Stern Proxima Centauri ist 4,2 Lichtjahre entfernt. Ein Funksignal würde hin und zurück 8,4 Jahre brauchen. Die Raumsonde Voyager 1, die 1977 losgeschickt wurde, hat erst jetzt unser Sonnensystem verlassen, obwohl sie mit 62 000 km/h fliegt. Das sind Distanzen, die wir nie bewältigen können. Wir sind auf der Erde gefangen.“ Das versucht Paul Baumgartner allen klar zu machen. Denn das Klima ändert sich. Zu diesem Thema hat er viele Bücher in seinem Laden. „Weil es so gut passt. Ja, es kann sein, dass Menschen auf den Mars fliegen. Aber das betrifft in zwanzig Jahren vielleicht drei Personen, die wahrscheinlich nie wieder zurückkehren. Wir haben nur diese Erde.“ Ein Hobby-Astronom schreibt dazu im Internet: „Je mehr Menschen bereit sind, ins Weltall zu schauen, um sich ihrer Situation auf der Erde bewusst zu werden, desto größer ist die Chance für die Menschheit, zur Vernunft zu kommen.“ Im August, wenn es Sternschnuppen regnet, bietet Paul gemeinsam mit Rangern aus dem Naturpark Nagelfluhkette eine Nachtwanderung in Sibratsgfäll an. Die Menschen kommen angesichts der Sternschnuppen aus dem Wünschen gar nicht mehr heraus. Auch Paul hätte einen – und er ist nicht der Einzige: „Eine Volkssternwarte, das wär’s. Wir sind ganz am Anfang. Wir reden erst drüber“, sagt er vorsichtig. Aber das Wort stand bekanntlich immer schon am Anfang.

Autorin: Irmgard Kramer
Ausgabe: Reisemagazin Bregenzerwald – Sommer 2020

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