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Wo die Sonne nie allein strahlt

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Wo die Sonne nie allein strahlt

Eine Skitour im Bregenzerwald voll Schnee, Schweiß und Weizenbier sowie einem strahlenden Lächeln.

Kurze Wege und weite Aussichten: Eine Skitour ist für Andreas und Gaby Feurstein im Winter die beste Möglichkeit, ihre Heimat aktiv zu erleben. An einem nebeligen Wintertag machen sie sich in Begleitung des Autors zum Hirschberg auf. Sie wollen in die Sonne touren.

Zäher Nebel und minus neun Grad: Im Tal herrscht an diesem Nachmittag ein Winterwetter zum Abgewöhnen. Der Parkplatz im Bizauer Ortsteil Hütten ist leicht zu finden. Am Übungshang nebenan ziehen einige Kinder ihre Schwünge. Vor mir liegen die Anlagen des ehemaligen Hirschberglifts, der vor fünfzehn Jahren den Winterbetrieb eingestellt hat. Andreas und seine Schwägerin Gaby warten bereits und nehmen mich herzlich in Empfang. „Wir brauchen etwa anderthalb Stunden, bis wir oben sind“, sagt der 35 Jahre alte Bäcker und nickt mir aufmunternd zu. Los geht’s.

Ich bin Skitour-Anfänger, etwas ungewohnt fühlt sich anfangs die Bewegung mit der freien Ferse an. „Du musst die Knie nicht weit anheben“, erklärt mir Gaby. „Schieb die Ski einfach nach vorne.“ Bald klappen auch die ersten Spitzkehren – halbwegs zumindest. Je weniger ich über meine Schritte nachdenke, desto besser. Den beiden ist die Technik in Fleisch und Blut übergegangen: Andreas ist bereits als Kleinkind mit seinem Vater Touren gegangen, Gaby übt diesen Sport seit zehn Jahren aus: „Ich habe mich schon immer für das Bergsteigen und Wandern begeistert. So wollte ich diese Erfahrungen auch einmal im Winter machen.“ Sofern es Zeit und Wetter zulassen, sind die beiden einmal pro Woche unterwegs.

Beim Aufstieg begegnet uns ein Mann. Drei Abfahrer kommen uns entgegen. Ist das Gebiet ein Geheimtipp? „Nein, im Gegenteil. Normalerweise ist hier mehr los, gerade bei Neuschnee“, antwortet Andreas lachend. Ich finde das gut, so müssen wir nicht selbst spuren und sparen Kraft. Zwischen den kurzen Gesprächen gehen wir schweigend hintereinander. Ans Ohr dringt das Knarzen der Ski und des Schnees und sonst gar nichts. Auf der Höhe der Mittelstation tauchen wir aus dem Nebelmeer auf und blicken auf die Silhouetten von Hangspitze und Niedere. Die Schneekristalle fangen im strahlenden Sonnenlicht an zu glitzern, die Schweißdrüsen machen Überstunden. Eine halbe Stunde später haben wir den letzten Anstieg geschafft – 1.400 Meter Seehöhe und die mächtige Kanisfluh direkt vor uns. Was für ein Blick! Wir strahlen um die Wette.

Kurzer Kleidungswechsel in der Sonne, dann holen meine Begleiter Weizenbier, passende Gläser und Schokokekse aus ihren Rucksäcken. Ich wusste gleich, dass ich bei den zwei Bergrettern in den besten Händen bin. Beim Umziehen fällt mir neben frischen Oberteilen meine Lawinen-Ausrüstung in die Hände. Wie schätzen die beiden Experten diese Gefahr ein Verschüttet sei in diesem Gebiet noch niemand worden, aber es könne immer etwas passieren.

 

„Berge an sich sind einfach nicht sicher!“

Andreas Feurstein

Daher empfehlen die beiden: Niemals allein gehen, vollständige Ausrüstung mitnehmen und jede Tour sorgfältig planen. Der große Vorteil dieser Tour für die beiden – sie wohnt in Reuthe, er in Bizau – ist die kurze Anreise von zehn Autominuten. „In zwei Stunden bin ich wieder zuhause und habe doch eine ordentliche Tour gemacht. Das ist für mich mit meinen zwei kleinen Kindern optimal“, sagt Gaby. „Um dem Nebel zu entfliehen, reicht es schon“, ergänzt Andreas.

Langsam ist es Zeit für die Abfahrt. Der Abschied von diesem Panorama fällt schwer. Wer will, könnte jetzt noch weiter aufsteigen. Ein weiterer Vorteil dieser Tour: Durch die Lage in einem ehemaligen Skigebiet gibt es, ganz nach Lust und Kraftreserven, zahlreiche Varianten bei der Abfahrt. Wir nehmen die gemütliche, die in zwanzig Minuten über etwas ausgefahrene breite Hänge zurück zur Talstation führt. Als ruhige Alternative zum Pisten-Spaß sind Skitouren in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Das kann ich gut nachvollziehen. Anstrengend ist diese Tour. Doch das Unterwegs-Sein, die Sonne und die weiten Ausblicke machen den Aufwand locker wett. An solche Erlebnisse könnte ich mich gewöhnen.

Autor: Thorsten Bayer

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