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Winteridyll

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Auf einem Hochplateau zwischen Hittisau, Riefensberg und Oberstaufen liegt das Kojental mit dem schützenswerten Hochmoor. Familie Steurer hat hier am Fuße des Hochhäderich ein abwechslungsreiches Winterresort eingerichtet.

Wie ein sanfter Teppich breitet sich das Moor aus. Es liegt auf einem Plateau ganz nah an der deutschen Grenze auf 1.300 Meter Seehöhe. Latschen, Sonnentau und Waldhyazinthen verbergen sich unter einer dicken Schneedecke. Mittendrin steht das Almhotel Hochhäderich. Es scheint hier gelandet zu sein, in dieser eigenen Welt, wo der Rest der Menschheit weit, weit weg ist. Tief Luft holen. Auf dieser romantischen, Menschengrenzen überschreitenden Spielwiese der Natur kann man sich austoben: zu Fuß, auf Ski und Langlaufski, mit Kinderwagen, auf Pferden, Schlitten und Pferdeschlitten, barfuß und auf Schneeschuhen, mit und ohne Stöcke, sportlich oder gemütlich. Sämtliche Wege führen zum Almhotel. Die Geschichte der Familie Steurer, die hier mit ungeheurer Energie und mit Weitblick so gut wie alles aufgebaut hat, ist eindrucksvoll.

Im Jahr 1932 kommt Johann Steurer als erstes von fünf Kindern in einer kleinen Landwirtschaft in Hittisau-Bolgenach, an der Ortsgrenze von Riefensberg, zur Welt. Sofern die Volksschule geöffnet ist, läuft der Bub täglich acht Kilometer. In den kalten Kriegswintern bleiben ihre Türen wochenlang geschlossen, weil die Kohle zum Heizen nicht reicht. Die Schule interessiert Johann ohnehin nicht besonders, nur im Rechnen ist er der Beste. Der Vater zieht in den Krieg. Die Mutter bewältigt die Landwirtschaft und den Haushalt. Johann schaufelt Kies aus einer Grube. Damit müsste sich doch ein wenig Geld verdienen lassen.

Nach Jahren der Muskelarbeit kann sich die Familie den ersten LKW leisten. 1950 gründet Johann mit seinem Vater die Firma Steurer. Die Brüder helfen mit und das Kieswerk wächst zu einem schönen Betrieb heran. Als Konrad, der Bruder, in der Grube direkt vor dem Wohnhaus tödlich verunglückt, führt Johann die Firma allein weiter. Sein Bruder Gerold unterstützt ihn tatkräftig. Im Sommer sind die fünf Angestellten gut mit Arbeit versorgt. Aber von dem bisschen Schneeräumen im Winter kann keiner von ihnen leben. Johann schaut sich nach Alternativen um. Vom Kieswerk führt eine sechs Kilometer lange Straße übers Hennenmoos hinauf auf den Hochhäderich.

Dort oben auf der Nordseite liegt der Schnee sehr viel höher und länger als anderswo. Und weil das Skifahren gerade boomt, baut er im Jänner 1972 bei der Alpe Hennenmoos einen Übungslift. Kurz darauf kommen seine Zwillinge Isolde und Doris zur Welt. Im Herbst muss erneut ein Kommissionsbeamter mit der Schreibmaschine im Gepäck aus Bregenz anreisen. Johann baut nämlich seinen ersten und im Jahr darauf den zweiten langen Schlepplift. Nun kann er seine Arbeiter vom Kieswerk ganzjährig beschäftigen. Die Skifahrer kommen in Scharen und bilden lange Warteschlangen um die Liftstation. Sie müssen parken, wollen essen und trinken. Aber es gibt nur einen Kiosk und die Hennenmoosalpe, die für die hungrigen Skifahrer zu klein wird. So fragt Johann alle Alpbesitzer, ob sie Lust hätten, ein Gasthaus zu bauen. Keiner ist dazu bereit, daher kauft Johann einem Alpbesitzer ein Grundstück ab und wagt seinen größten Schritt: Im Jahr 1978 errichtet er noch zwei Lifte, eine neue Straße, eine Kläranlage, Strom- und Wasserleitungen sowie ein SB-Restaurant für 300 Gäste mit einer großen Holzterrasse, drei Personalzimmern, vier Gästezimmern und drei Matratzenlagern. Das alles kostet sehr viel Geld. Weder die Gemeinde Hittisau noch Riefensberg sind bereit, für Johann Steurer zu bürgen. „Dem ist die Höhenluft zu Kopf gestiegen“, heißt es von allen Seiten. Aber er lässt sich nicht beirren und findet eine Bank, die sein Vorhaben finanziert.

Die beiden Töchter von Johann absolvieren die Hotelfachschule in Innsbruck. Doris wird nach jahrelanger Mitarbeit im Betrieb Yoga-Lehrerin und die erste weibliche Betriebsleiterin für Seilbahnen in Österreich. Isolde wächst mit Haut und Haar in den Betrieb hinein. Beim Baden an der Subersach lernt sie ihren Mann Norbert, einen Elektrotechniker, kennen. Er kann aber weit mehr: Er pflügt die Straße – wenn es schneit, schon um drei Uhr früh –, walzt die Piste, betreut die Kläranlage, die gesamte Technik und Elektronik im Haus, die Hackschnitzelheizung, die Wasseraufbereitungsanlage, die Notstromversorgung, präpariert die Langlaufloipe und rettet die Gäste, wenn sie sich verletzen. Isolde und Norbert sind ein unschlagbares Team, ausgerüstet mit Handys und einem Ohr für jedes Anliegen. Isolde und Norbert bekommen drei Kinder und investieren laufend weiter.

Heute ist das Almhotel Hochhäderich eine umwelt- und kinderfreundliche Viersterne-Anlage mit mehreren Gebäuden, einem Hallenbad, einer Saunalandschaft, gut hundert Betten, exklusiven Suiten, einer Tiefgarage und einer Kinderwelt. Sämtliche Liftarbeiter sind bei der Firma Steurer angestellt. Die Schneekanonen sind ebenso in ihrem Besitz wie die Zufahrtsstraße. Das ist den Gästen nicht so wichtig. Sie kommen her, weil sie sich hier geborgen und trotzdem frei fühlen. Sie brauchen kein Skigebiet mit zigtausenden Pistenkilometern. Sie haben Gastgeber, die für sie da sind. Sie haben eine Langlaufloipe vor der Tür, die zu den schönsten des Landes gehört. Sie machen Yoga, gehen schwimmen, wandern, rodeln. Sie gönnen sich eine Massage, eine Weinverkostung oder lassen sich im Liegestuhl die Wintersonne auf die Haut scheinen. Die Kinder sind in der Skischule aufgehoben. Sie können nicht verloren gehen, weil alle Pisten beim Almhotel enden. Danach fahren die Kleinen Gokart, basteln, toben und dürfen sich abends am Kinderbuffet selbst bedienen. Nachts funkeln die Sterne. Kein Verkehr. Man hört die eigenen knirschenden Schritte, das Schellen der Glocken des Pferdeschlittens oder das Trippeln eines Birkhuhns, das kurz seine Schneehöhle verlässt, um Nahrung zu suchen. Der Bach murmelt. Der Wind streicht durch die Wipfel. Ein Wassertropfen fällt von einem Eiszapfen. Der Hochhäderich ist wirklich eine Winteridylle.

Autorin: Irmgard Kramer
Ausgabe: Reisemagazin Winter 2018-19

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