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Wer hat Felders Frau vergiftet?

Wer hat Felders Frau vergiftet?

Wer hat Felders Frau vergiftet?

Das fragt sich unser Autor anlässlich eines Vortrags von Ulrike Längle in Au, Spezialistin für den Schriftsteller Franz Michael Felder.

Das Studio Vorarlberg hatte zu einer Debatte über Patriotismus in seiner Vorarlberger Variante eingeladen. Anlass war der Nationalfeiertag, meine Gesprächspartnerin war die Schriftstellerin und Historikerin Ulrike Längle. Schnell einigten wir uns in unserer Wertschätzung einer räumlich und zeitlich fernen Wiener Moderne. Aber wir teilten auch Anekdoten, wie man einst unsere junge Identität auf sportliche Vorarlberger Art zu prägen versuchte. Längle erzählte, wie unten in der Stadt eine Mitschülerin die weiße Flagge in Form eines Leintuchs hisste, sodass die Schülerinnen im Gymnasium Gallusstift, die samstags in der Klasse dunsteten, sehen konnten, wenn bei der Abfahrt ein Österreicher vorne lag. Ich wiederum erinnerte mich jenes Feiertags, als Egon Zimmermann 1964 die Patscherkofelstrecke hinunterraste und Abfahrtsgold gewann. Man hatte sämtliche Schüler in den Festsaal geholt, auch alle Lehrer, der Schulwart und der Direktor waren da, die ganze Schule, und vorne, ganz weit, stand ein Schwarz-Weiß-Fernseher in Zimmergröße und erfüllte seine patriotische Pflicht. Mehr als ein beweglicher Punkt war ab der dritten Reihe darauf nicht auszunehmen.

Aber man hörte es, als der Jubel aufbrauste: Bestzeit und Gold für unseren Lecher! Mit einer solchen gemeinsamen Vergangenheit betrachtet man die Aktivitäten des anderen vielleicht mit freundlicheren Augen, jedenfalls aber nimmt man sie etwas aufmerksamer zur Kenntnis. So ging es mir mit der Felder-Forscherin Ulrike Längle, schon lange, ehe sie die fulminante Felder-Ausstellung im Landesmuseum mit konzipierte. Sie führte mich durch diese Ausstellung, ich berichtete in der Wiener Wochenzeitung Falter darüber, aber natürlich ist es mir nicht gelungen, auch nur einen Teil jenes Enthusiasmus und jenes Kenntnisreichtums weiterzugeben, den sie vor jedem Bild, vor jedem Objekt, vor jeder Präsentation mitteilte.

Große Tote brauchen ihre lebenden Fürsprecher, sonst nehmen sie ihre mögliche Größe nicht an; ihre wahre Größe bleibt uns sowieso verborgen. Wer las zu seiner Zeit schon Robert Musil? Franz Schubert hörte keine einzige seiner Symphonien, weil sie nicht aufgeführt wurden, und sogar freundlich gesinnte Kritiker legten William Turners späte Bilder als Beweise eines kranken Gehirns aus. Felder, der genialische Wälder Schriftsteller, der große Liebende, Bauer, Enthusiast und mutiger Politiker, ringt außerhalb von Vorarlberg noch immer um die Anerkennung seines Formats. Ulrike Längle ist natürlich längst nicht Felders einzige Fürsprecherin. Im Ländle hat man ja umfassend versucht, den Dichter zu vereinnahmen; auch davon erzählte die Ausstellung beeindruckend. Um Verteidiger braucht Felder sich heutzutage nicht zu sorgen. Als wohlmeinende Schoppernauer Bauern einen Bergkäse nach ihm benannten, wurde das nicht als Degradierung empfunden, sondern als Akt des Respekts.

Ein guter Bergkäse ist ein adäquates kulinarisches Monument, vor allem aber hat es im Fall Felder seine Berechtigung, denn Felder kämpfte für die armen Bauern gegen die reichen Käsgrafen und gründete tatsächlich die erste Molkereigenossenschaft. Heute würde der Dichter gegen Monopole auftreten, egal ob sie sich auf Daten oder auf Patentierung von Saatgut stützen, sagen seine Anhänger. Längle ist also nicht die einzige, gewiss aber die gewitzteste Fürsprecherin Felders. Die Leiterin des Felder- Archivs und Mitherausgeberin einiger seiner Werke ist selbst eine beachtliche Schriftstellerin, und vielleicht ist es auch ihr Blick als Frau, der ihr besonders originelle historische Zugänge zu Felder ermöglicht.

Jedenfalls stand just um die Zeit, als wir uns im Studio zu unserem Nationalfeiertags-Gespräch trafen, ein Vortrag Längles im Bregenzerwald auf dem Programm. Kurz entschlossen fuhr ich mit meinen Verwandten in den Dorfsaal von Au, wo sich an einem dunklen Freitagabend (dazu noch einem Freitag, dem Dreizehnten) eine ansehnliche Gemeinde von Interessierten versammelt hatte, um Längles Vortrag zu hören. Es ging darum, dass Felders völlig gesunde Frau Nanni für alle überraschend im Alter von 30 Jahren gestorben war. Der nicht viel ältere Dichter und Bauer wurde durch dieses Ereignis so sehr getroffen, dass er ihr ein Jahr später folgte. Äußerlich starb er an Tuberkulose, innerlich an gebrochenem Herzen. Nannis Tod aber sei kein tragisches, unvermeidliches Schicksal, sagte Ulrike Längle. Allgemein werde das so gesehen, mehrere ihrer Beobachtungen würden jedoch in eine andere Richtung weisen. Es hatte nämlich schon Morddrohungen gegen die Felders gegeben, Felders Gegner schraken vor Gewaltanwendung nicht zurück. Außerdem wurde bei Felders „Wible“ Bauchtyphus diagnostiziert, der einzige Fall weit und breit. Die Köchin des stockreaktionären Pfarrers Johann Georg Rüscher war kurz vor dem Todesfall im Haus der Felders zu finden. Durchaus möglich, dass sie (oder jemand anderer mit ihrer Hilfe) Felders Frau vergiftete, auch wenn sich das mit unseren forensischen Mitteln nie mehr beweisen lässt. Ihren Pfarrer hätte die Köchin dadurch aus einer unangenehmen Lage befreit. Er wurde mit dem politischen Gegner Felder nicht fertig. Das wies Längle mit Rüschers Eintragungen aus der Pfarrchronik nach, die in der Tat mehr als verdächtig klingen.

Man konnte hören, wie die Felder-Orthodoxen im Saal mit den Zähnen knirschten. Man konnte aber auch merken, wie hier die Fantasie im Umgang mit der Vergangenheit in Gang gesetzt wurde. Alles hätte ja immer anders sein können. Das gefiel mir gut, weil hier eine wagte, die Literatin in sich mit der Historikerin mindestens gleichzustellen. Für die Wahrheit brauchen wir sowieso Philosophinnen, das heißt am Ende, unser eigenes Urteil. Dazu muss man aber auch angeregt werden!

Autor: Armin Thurnher
Ausgabe: Reisemagazin Sommer 2015

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