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Weh tau! Guat tau! Mit tau!

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Weh tau! Guat tau! Mit tau!

Kurz und gut: Laufen ist eine Wohltat. Und es ist nicht einmal kompliziert oder wahnsinnig teuer. Einfach Laufschuhe geschnürt und los geht’s! Etwa bei einem der zahlreichen Laufwettbewerbe im Bregenzerwald.

Einer, der sich dem Laufen verschrieben hat, ist Christian Meusburger: Hotelier, Läufer und Lauftrainer in Bezau. Gemeinsam mit seiner Frau Andrea führt er das Familienhotel „die Sonnigen“. In ihrem Betrieb sorgen die Meusburgers für Familienund Erholungsurlaub – wobei auch Bewegung dabei sein soll. Fünf Mal die Woche haben die Hotelgäste frühmorgens die Möglichkeit, mit dem Chef des Hauses die Laufrouten in Bezau und Umgebung zu erkunden. „Unser Ziel ist es, die Freude am Laufen und die Lust an der Bewegung zu vermitteln“, sagt Christian.

Zweimal im Jahr wird das Laufpensum bei „den Sonnigen“ sogar noch erhöht. Meusburgers bieten ihren Gästen Laufwochen an, bei denen dann jeweils zwei Trainingseinheiten täglich abgehalten werden. Erwachsene trainieren mit Christian und bekommen dabei alle Grundlagen – von Sprintübungen bis zum Berglauf – der Laufpalette präsentiert. Währenddessen verbringen die Kinder Zeit mit den Kinderbetreuerinnen. Natürlich wird auch mit den Kleinen gelaufen, denn auch sie sollen die Freude an der Bewegung entdecken. Den Abschluss der Woche bildet eine kleine Laufolympiade für Jung und Alt. Da können Kinder und Eltern ihre läuferischen Fähigkeiten unter Beweis stellen.

 

 

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Auch privat sind die Meusburgers laufverrückt bis zum Gehtnichtmehr. Andrea hat Marathonerfahrung, Christian sowieso, aber auch die Kinder sind sportlich. Tochter Anna-Sophie (13) turnt seit frühester Kindheit und läuft mit den Eltern mit. Sohn Maximilian (10) spielt Fußball und nimmt demnächst seinen ersten Halbmarathon in Angriff. Wie Christian Meusburger zum Laufen kam? Seine Fußballerkarriere ließ sich wegen der Matches am Wochenende nicht mehr mit dem Arbeitsaufwand im Hotel vereinbaren. So suchte er einen Sport, den man allein und zeitlich flexibel ausüben kann. Innerhalb kürzester Zeit war er Feuer und Flamme fürs Laufen – und steckte sich seine ersten Ziele: „Damals kam mir eine Broschüre vom Jungfrau-Marathon in die Hände. Da dachte ich mir, den will ich auch einmal laufen.“ 2009 war es so weit.

 

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Der Jungfrau-Marathon im Berner Oberland gehört zu den bekanntesten Bergmarathons der Welt. Auf den 42,195 Laufkilometern werden 1.829 Höhenmeter bergauf und 305 Höhenmeter bergab absolviert. Nach dem Berglauf nahm er am Vienna City Marathon, am Drei-Länder- Marathon um den Bodensee und bei etlichen anderen teil. Nun bereitet er sich in jedem Jahr bei vielen kleineren Rennen auf einen Laufhöhepunkt vor. Mittlerweile ist er passionierter Bergläufer, dem entsprechen auch die Höhepunkte der letzten Jahre: der Eiger Ultra Trail (über 100 Kilometer, etwa 7.000 Höhenmeter) oder der Salomon 4 Trails, ein Rennen im Grenzgebiet zwischen Berchtesgadener Land und dem Pinzgau, bei dem an vier aufeinanderfolgenden Tagen in ebenso vielen Etappen etwa 140 Kilometer zurückgelegt und über 8.600 Höhenmeter überwunden werden. Allein schon beim Lesen dieser Zahlen stockt einem Normalsterblichen der Atem.

Christian benötigte für den 4 Trails nur etwas mehr als 15 Stunden und 40 Minuten. Damit belegte er in seiner Klasse den dritten Rang. Das erfordert vom Hotelier in Bezau eisernes Training. Zusätzlich zu den Laufeinheiten mit seinen Gästen trainiert Meusburger rund 12 Stunden in der Woche. In der direkten Vorbereitung auf Wettkämpfe kann sich das Pensum auf bis zu 20 Stunden erhöhen. Hat er noch Ziele für die Zukunft?

Andrea und Christian sind im Verein „Im Wald läuft’s“. Das ist eine stetig wachsende, offene Laufgruppe mit mittlerweile über hundert Mitgliedern. Ihr Credo: Spaß und Freude am Laufen. Die Mitglieder kommen aus dem ganzen Bregenzerwald. Auch Rudl, mit fast 70 Jahren der Älteste, hält noch locker mit. An 50 Mittwochen im Jahr trifft man sich jeweils in einer anderen Bregenzerwälder Gemeinde, um zu laufen – nur zwischen Weihnachten und Neujahr gönnen sich alle eine Laufpause. Abends um sieben Uhr ist der Start, danach wird in drei bis vier Tempogruppen eine Runde von etwa zehn Kilometern absolviert. Es herrschen weder Zwang noch Anwesenheitspflicht; wer Spaß an der Bewegung hat, ist zum Mitlaufen eingeladen. „Im Wald läuft’s“ ist auch regelmäßig bei Laufveranstaltungen im In und Ausland vertreten. Die Gruppe läuft beim Walser Ultra Trail ebenso mit wie beim Berlin-Marathon, beim Internationalen Pfänderlauf oder beim Traillauf in Bizau. Bei den Vorarlberger Landesmeisterschaften sind die Läuferinnen und Läufer mit den roten Jacken regelmäßig auf Top-Platzierungen zu finden. Darüber hinaus entwickeln sie in der Region Laufkonzepte. Etwa das EU-Leader-Projekt „Bewegung“ der Gemeinden Lingenau und Bezau.

 

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Als einen der Höhepunkte im Bregenzerwälder Laufjahr veranstaltet „Im Wald läuft’s“ seit 2011 den „Wälderlauf“. Hauptkoordinator und -planer des Events war von Beginn an Dieter Nußbaumer, der selbstverständlich Vereinsmitglied ist. Etwa 1.800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer absolvieren jedes Jahr eine zwölf Kilometer lange Strecke von Mellau nach Schoppernau. Dabei können die Läuferinnen und Läufer in verschiedenen Leistungsgruppen antreten: Die Profis, die so schnell sind, dass ihnen im Ziel die Füße weh tun, messen sich in der Gruppe „Weh tau“. Für Hobbyläufer gedacht ist die Gruppe „Guat tau“. Und all jene, die ein bisschen schneller sind als Spaziergängerinnen, laufen in der Gruppe „Mit tau“. Diese eher legere Einteilung und das unterhaltsame Rahmenprogramm nehmen dem Wälderlauf etwas von der Schärfe eines klassischen Wettkampfes. So ist er ein Volkslauf im besten Sinn. Die nächste Auflage des Wälderlaufes wird ein paar Änderungen bringen. Da der bisherige Organisator Dieter Nußbaumer sein Amt zurücklegt und sich Schoppernau als logistisch zu aufwendig erwiesen hat, wird erstmals in Bezau gelaufen. Der neue Hauptorganisator? Genau: Christian Meusburger. Als ob der Mann nicht sonst schon genug zu rennen hätte.

Autor: Bartholomäus Natter

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