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Typisch ungehörig

Typisch ungehörig

Unser Autor erklärt den Bregenzerwald aus einer sehr fernen Sicht, also aus der eines in Bregenz Aufgewachsenen.

Wie würde ich jemandem den Bregenzerwald erklären, der ihn nicht kennt? Und wie würde ich ihm klarmachen, was mich am Wald interessiert? Ich würde beginnen, von meinem Kindheitswald zu erzählen. Dessen Begrenzung, die Bergkette mit Hochälpele und First, hatte ich im Wohnzimmerfenster. Die Bregenzerach rauschte am Geburtshaus vorbei und brachte allerlei Schwemmholz und Kiesel mit, die wir begeistert sammelten. Wenn der Schnee schmolz im Wald, schwoll die Ache und wurde braun und reißend, sodass man auf Kinder ganz anders acht gab als sonst.

Am Bahnhof Bregenz hatte die Wälderbahn Endstation, eine Schmalspurbahn, die auf ihrer teilweise gewagten Trasse damals durchgehend verkehrte, zuerst mit Dampf, dann mit Diesel, und durch einen Tunnel unweit meines Geburtshauses fuhr, den zu durchwandern uns Kindern ebenfalls nicht erlaubt war. Heute ist er bequemer Teil eines gut beleuchteten Fahrradwegs, aber die Erinnerung an das Wälderbähnle, das aus dem Tunnel unter jener Wiese hervorkeuchte, auf der wir Ski fuhren, ist unauslöschlich. Die Zuggarnituren waren nicht lang, hatten nur ein paar Waggons, grün, mit gewölbtem Dach und offener Plattform. Es kamen auch Güterwaggons voller Holz, die wir bei der Bregenzer Haltestelle Landstraße gern inspizierten.

Aus dem Wald erreichten uns also Botschaften von Natur, Wirtschaft und Tourismus. Auch solche der Politik. Der erste Vizekanzler der Ersten Republik Österreich, der Bregenzerwälder Jodok Fink, stand und steht aus Erz gegossen auf einem Denkmal, das nahe dem Bregenzer Bahnhof errichtet wurde, die Hände in der Tasche, was in Kommentaren von Verwandten und Bekannten als irgendwie wälderisch empfunden wurde: Für einen Vizekanzler ungehörig, für einen Bauern typisch.

Die Wälder und die Wälderinnen brachten beides zusammen, das Ungehörige wie das Typische, sodass die Rheintalbewohner zu meinen anfingen, den Wäldern sei das Ungehörige das Typische. Das war falsch gedacht, aber verständlich. Denn irgendwie begann an den Anhöhen hinter Bregenz, hinter dem Pfänder, an der Fluh, auf der Langener Straße oder im Schwarzachtobel eine andere Welt.

Eine Welt eigenen Rechts, zu der wir Außerwälder keinen Zugang hatten. Das ließen uns auch die ausgewanderten Wälder spüren, die tatsächlich, statt von uns Städtern als Bauern wahrgenommen zu werden, was wir versuchten, einen gewissen Hochmut vor sich hertrugen, als wären sie etwas Besseres, sodass unser Dünkel an ihnen abglitt. Ehe wir in den Wald eindringen konnten, was uns erst mit Autos möglich war, die wir nichtsahnenden Eltern nachts für Spritztouren entwendeten, ohne einen Führerschein zu besitzen, hörten wir unglaubliche Geschichten von Menschen mit wundertätigen Kräften. Meistens machten sie nichts Besonderes aus ihren Fähigkeiten, sodass man nicht mit Gurus zu tun hatte, sondern mit Männle (seltener Wible). Mir schien das nicht weiter ungewöhnlich, denn auch draußen im Rheintal hatten wir in der eigenen Verwandtschaft den Vetter Franz, der Warzen durch Handauflegen heilen konnte, bei Mensch und Vieh. Der Mensch (in diesem Fall ich) musste allerdings drei Ave Maria beten, danach fielen die Warzen tatsächlich ab.

Der Bregenzerwald ist voller solcher Vetter Franze. Ich würde sagen, lasst euch von diesen zeitgenössischen Projekten nicht täuschen, die so symbiotisch zum schönen Alten passen! Vielleicht sind andererseits die wunderkräftigen Männle und Wible des Waldes ganz moderne Erscheinungen, die eben ihre sinnlichen Fähigkeiten optimal nutzen, zum Unterschied von tumben Durchschnittsmenschen wie mir. Jedenfalls ist der Wald ein sehr merkwürdiges Gebiet. Wir nahmen es immer als eine Art Sonderzone wahr. Heute ist es wieder Sonderzone, weil man dort eine ästhetische Moderne mit der Tradition zu versöhnen versteht wie nirgends sonst in Österreich. Die seltsamen Männle und Wible beharren auf ihrer stolzen Eigenart, aber so dezent, das es nicht aufdringlich wirkt. Man spürt nur eine gewisse Reserve, die in der Gastlichkeit naturgemäß überschritten wird, die sich aber nicht mit jener Art vulgärer Österreicherei aufdrängt, der man in manchen Tiroler, Salzburger und Kärntner Orten nicht entgeht. Es scheint also so zu sein, dass die Wälderinnen und Wälder so etwas wie Stil haben. Das kann man so definieren, dass sie sich eine Reserve vorbehalten, die tiefer gründet, als es andere und vielleicht sie selbst erkennen. Das macht sie interessant, das macht – abgesehen von allem anderen – den Wald so attraktiv, auch wenn ansteigende Straßen und Schluchten heutzutage kein Hindernis darstellen. Im Ungehörigen kann man sich eben immer gehörig wohlfühlen.

Autor: Armin Thurnher
Ausgabe: Reisemagazin Winter 2016-17

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