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Simon in Sibratsgfäll

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Simon in Sibratsgfäll

Simon Hofer kennt zumindest die europäische Welt. Seine Frau, die Künstlerin Ronja Svaneborg, arbeitet auch in Kopenhagen. Doch ihr Hauptsitz ist nun ein idyllisches Dorf im Bregenzerwald.

Sein Handwerk hat Simon Hofer in Glasgow, Berlin und Kopenhagen erlernt. Geboren wurde er allerdings in Lustenau. Und offenbar hat es ihn aus den großen Städten wieder ins Idyll gezogen. So lebt er nun mit seiner Partnerin, der Künstlerin Ronja Svaneborg, und seinen beiden Buben Oskar und Carlo in Sibratsgfäll. Dort beschäftigt er sich mit allem, was mit Holz zu tun hat. Das ist seine Leidenschaft. Wie die Musik.

Sie zog ihn nach der Matura am Gymnasium hinaus nach Schottland. Die dortige Musikszene hatte es dem jungen Rockschlagzeuger angetan, also wurde der Koffer gepackt und hingefahren. Als kontaktfreudiger Mensch und virtuoser Trommler fand er in der Glasgower Szene rasch Anschluss. Er lernte nicht nur eine Menge anderer Künstler kennen, sondern auch seine Partnerin Ronja und fand außerdem eine Band, mit der er später einen Plattenvertrag erhielt und Erfolge feiern konnte. Er hätte also auch ohne weiteres Musiker werden können.

Doch schon als kleinen Jungen faszinierte Simon alles, was mit Holz zu tun hat: Schnitzen, Modellflieger bauen – Hauptsache, es ließ sich aus Holz etwas gestalten. Deshalb war er sofort Feuer und Flamme, als er nach einigen Jahren in Schottland ein Social Enterprise namens GalGael entdeckte. Diese soziale Einrichtung widmet sich vor allem der Erhaltung und der Weitergabe von altem Handwerk, hauptsächlich dem traditionellen Bootsbau. Vier Jahre lang war Simon bei GalGael dabei, lernte Boote zu bauen und instandzusetzen und stellte Möbel, Skulpturen sowie Fachwerkhäuser her. Als Ronja schwanger wurde, entschied das Paar, den Nachwuchs nicht in Schottland aufzuziehen, sondern näher an der Heimat. Da sie aus Dänemark stammt und er aus Lustenau, entschieden sie sich für „die Mitte“, wie Simon mit einem Augenzwinkern erzählt: Berlin sollte es werden. Er fand rasch Arbeit bei einer Restaurierungsfirma, wo er mehrere Monate lang an der Restauration eines barocken Stiegenaufganges beteiligt war.

Auch vom Lifestyle her passte ihm die Stadt. Doch Sechzig-Stunden- Wochen bei mäßiger Bezahlung und der allgemeine Druck am Arbeitsmarkt erwiesen sich für die junge Familie als zu mühselig. Berlin wurde ein Intermezzo. Es folgte ein Umzug in Ronjas Heimat Kopenhagen. Dort konnte Simon auch dem Bootsbau wieder nachgehen. Bald fand er eine Anstellung beim größten Ruderclub Dänemarks. Der hatte zwar direkt am Meer eine Werkstatt, aber seit geraumer Zeit keinen gelernten Bootsbauer mehr. Die Stadt erschien der Familie ideal. Vier Jahre lang arbeitete Simon beim Danske Studenters Roklub in der Svanemøllenbucht. Seine Hauptaufgabe war das Bauen und Reparieren von zwei-, vier- und sechssitzigen Ruderbooten aus Holz. Während dieser Zeit knüpfte er Kontakte zu Künstlern, Möbeldesignern und Handwerkern. Auch dank der Künstlerin Ronja rutschte Simon immer weiter in die Kopenhagener Designerszene hinein. Bald schon befasste er sich ausgiebig mit Möbelbau und fertigte neben seinen Ruderbooten Prototypen und Spezialanfertigungen für Künstler und Designer.

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Um diese interdisziplinäre Zusammenarbeit zu vertiefen und anderen Handwerkern und Künstlern eine Plattform zu bieten, gründete er die Ausstellungsserie LIM. Das ist dänisch und heißt „Leim“. Kein zufällig gewählter Titel. Denn wie der Leim Holzobjekte verbinden kann, so wollte Simon mit seinen Ausstellungen verschiedene Menschen und ihre Arbeit in den unterschiedlichsten Disziplinen verbinden. Designer, Architekten, Bootsbauer, Drucker, Visual Artists und sogar Goldschmiede machten LIM zu einem erfolgreichen Projekt.

Seit rund zwei Jahren leben Simon, Ronja und die Kinder nun in Sibratsgfäll. Dass er einmal im Bregenzerwald wohnen wollte, war ihm klar, seit er in seiner Kindheit fast jeden Sommer eine Zeit in Schönenbach verbrachte, wo er mit seinem Vater fischte und das Leben in der Natur genoss. Die Wahl fiel schließlich auf Sibratsgfäll, weil der jungen Familie vor allem die Immobilie zusagte. Hier ist er heute als Tischler tätig. Der fächerübergreifende Zugang, den er sich in Dänemark zu eigen gemacht hatte, begleitet ihn bis heute. An der Schnittstelle von Handwerk und Kunst fühlt er sich wohl. Mit traditionellen Mitteln künstlerische Ideen umsetzen, Lösungen suchen und anbieten, das ist die Philosophie des Simon Hofer. Dementsprechend vielfältig ist sein Portfolio: ein Dachstuhl mitten im Rhein als Kunstinstallation von Ronja Svaneborg ist ebenso sein Metier wie Betten, Nachtkästchen und andere alltägliche Gegenstände. Ästhetik ist ihm ebenso wichtig wie praktischer Nutzen. In diese Richtung möchte Simon sich weiterentwickeln: Einrichtungs- und Möbeldesign, Prototypen und Spezialanfertigungen für Tischler und andere Firmen herstellen. Doch am meisten reizt ihn, Visionen und Ideen umzusetzen.

Auch eine Plattform, wie er sie in Dänemark mit LIM betrieben hat, möchte er im Bregenzerwald schaffen, um den interdisziplinären Austausch zu erleichtern. Natürlich darf der Bootsbau nicht zu kurz kommen. Simon hat seine Fühler bereits in Richtung Bodensee ausgestreckt. Er würde gern wieder Holzboote bauen und restaurieren. Vor allem aber möchte er sein Wissen weitergeben, das er in Schottland und Dänemark erworben hat. Im Bregenzerwald könnte er sich vorstellen, Kajaks zu bauen. Und eine größere Werkstatt wäre auch nicht schlecht. Sibratsgfäll mag kein Ort an großen Wassern sein, aber immerhin gibt es dort genügend Holz für den Bootsbau.

Autor: Bartholomäus Natter
Ausgabe: Reisemagazin Sommer 2018

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