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Schneeball gegen Heimweh

Schneeball gegen Heimweh

Von einem, der auszog, um Ski zu sammeln, ein Museum mit Geschichten zu füllen und nebenbei unserer Autorin eine überraschende Begegnung mit ihrem Großvater bescherte.

Wenn es in seiner Kindheit vom kleinen Bergdorf Damüls nach Bregenz an den See ging – „Denn ich musste ja auch einmal in die Schule“ –, war ein Schneeball immer mit im Gepäck. „Der Schnee wurde bei uns unten in der Stadt im Kühlschrank aufbewahrt. So konnte ich mein Heimweh etwas mildern.“ Heimweh nach dem Skifahren, nach Damüls.

Es war zu Beginn der 1950er-Jahre, als sich die Eltern von Christian Lingenhöle auf die Suche nach einem Feriendomizil machten. In der knapp 1.500 Meter hoch an der Grenze zwischen Bregenzerwald und Großem Walsertal gelegenen Gemeinde Damüls wurden sie fündig. Vater Lingenhöle sollte bald den ersten Skilift im Ort aufbauen helfen und der kleine Christian entdeckte seine Liebe zum Schnee. Später wurde er Skilehrer und führte ab 1970 ein Sportartikelgeschäft in Bregenz. Dort stellte er immer wieder auch Teile seiner umfangreichen Skisammlung aus. 2013 gab er das Geschäft auf.

Damals bot sich der einstige Pfarrhof unterhalb der Damülser Kirche als neuer Ausstellungsort an. Mit Unterstützung der Gemeinde und des Historikers Christof Thöny konnte Lingenhöle seinen Traum von einem Skimuseum verwirklichen. Ende 2013 wurde eröffnet. Seither empfängt er dienstags und freitags Besucher. An einem kalten Jännertag auch mich. Wir laufen den kurzen Weg vom Parkplatz zum Pfarrhof hinauf. Lingenhöle tippt in sein Handy. „Damit kann ich die Heizung im Pfarrhof steuern. Wenn ich in Bregenz wegfahre, schalte ich ein, und wenn ich hier ankomme, ist es warm.“

Gut für Besucher, die nicht selten direkt von der Piste ins Museum kommen, Ski und Schuhe abschnallen und mit Hauspatschen die knarrende Treppe zum ersten Stock erklimmen. Hier befindet sich Christian Lingenhöles Welt. Eine, die mit überlangen, spitzen Holzbrettern, Stöcken aus Bambus, Ski mit Robbenfell und Anzügen aus Wollstoff von einer Zeit erzählt, in der das Skilaufen erst langsam Einzug in unsere Breiten hielt. Es war die Zeit der Pioniere. Etwa von Viktor Sohm. Als erster Skiläufer der österreichisch-ungarischen Monarchie übte er 1887 am Bregenzer Gebhardsberg. Später lehrte Sohm am Arlberg. Oder Oberst Bilgeri. Er modernisierte die Skiausrüstung, verhalf der Zweistocktechnik zum Durchbruch und war in Schweden wie in der Türkei als Skipädagoge tätig. An der Wand hinter seinen Ski von 1910 zeigen Fotos einen stattlichen Mann. „Bilgeri war ein begehrter Junggeselle,“ erzählt Lingenhöle. „Der Oberst war viel auf Reisen. Wenn er sich für einen Aufenthalt in Bregenz ankündigte, stieg in diesen Tagen der Umsatz im Hutgeschäft seiner Schwestern um das Vielfache. Die Damen hofften, ihn zu sehen. Als er starb, gab es bei seiner Beerdigung einen Disput darüber, welche Farbe die Schleife für sein Kreuz haben soll. Den Ledigen war eine weiße Schleife vorbehalten, den Verheirateten eine schwarze. Bei Bilgeri ist es eine graue geworden.“

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In der einstigen Pfarrstube wird an Hannes Schneider aus Stuben am Arlberg erinnert. Er lehrte die sogenannte Arlberg-Technik mit weiterentwickeltem Stemmbogen und machte sie im Rennsport und in Filmen wie „Der weiße Rausch“ international bekannt. Schneider kritisierte öffentlich das Nazi-Regime und wanderte in die USA aus. Dort baute er in New Hampshire ein Ski-Resort auf. Ein Zimmer weiter wird es sozialgeschichtlich interessant. Die Ski von insgesamt dreizehn Vorarlberger Wagnermeistern kann man hier betrachten. Ab den 1920er-Jahren hatten die Wagner kaum mehr Aufträge. Das Auto ersetzte die Kutsche. So verlegten sich die Holzwerker auf die Produktion von Ski. Die bekannteste Marke war damals der „Arlbergski“ des Anton Kästle aus Hohenems. Später wurde Kästle zur Weltmarke, die Läufer wie Toni Sailer oder Pirmin Zurbriggen ausstattete. Außerdem gab es: Ober-Ski aus Lustenau, Dorner-Ski aus Egg, Fink-Ski aus Schwarzenberg, Schallert-Ski aus Nenzing oder Einsle-Ski aus Bregenz. Einsle? Hier begegne ich meiner eigenen Geschichte. Denn Anton Einsle war mein Großvater und die Ski mit der grünen Pfändertanne im Spitz sind mir wohlbekannt. Ich erinnere mich an seine Werkstatt, in der wir Kinder basteln konnten, an die allgegenwärtigen Holzspäne und deren Geruch. Und an das gemeinsame Skifahren mit ihm am Pfänder. Christian Lingenhöle kann noch viel erzählen. Etwa vom kuriosen Klappski aus dem Ersten Weltkrieg. Oder von Toni Innauers selbstgebautem Sprungski. Doch diese Geschichten müssen warten. Ich werde wiederkommen, denn nun habe auch ich ein bisschen Heimweh nach Damüls.

Autorin: Carina Jielg
Ausgabe: Reisemagazin Winter 2016/17

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