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Sand, Kies, Stein, Kunst

Sand, Kies, Stein, Kunst

In einer Welt, wo Sand (ja, genau) zum knappen Gut zu werden droht, wird einer, der sich um Kies kümmert, zum Visionär. Werner Schedler hat einen Blick auf die Welt, in dem der Bregenzerwald auch nur ein Sandkorn ist – ein liebgewordenes.

In Andelsbuch kennt ihn fast jeder. Er ist Künstler, Koch, Kurzfilmer, Betonberater, Baumeister und Rebell. Er liebt Steine, Glas und Fische. Er gründete in Andelsbuch mit Freunden das erste Jugendzentrum, bemühte sich um den Bau eines Nachtlokals (Vakanz), einer Diskothek (E-Werk) und war maßgeblich am Werkraum (Vereinigung innovativer Handwerker) beteiligt. Er arbeitet im kulturverein bahnhof mit und setzt sich für den Bau einer Eishockeyhalle ein.

Er gibt hundert Menschen Arbeit, besitzt Anteile an einem Kieswerk, einem Steinbruch und einer Baufirma. Volkstümelei hält er für Schwachsinn. Reaktionäre Typen kann er nicht ertragen. Er findet, dass im Bregenzerwald eine Geschichtsverfälschung stattfindet, die zu gefährlicher Selbstüberschätzung führt. Wie er in dieses Magazin kommt, kann sich Werner Schedler nicht erklären. Manche Menschen haben manchmal großartige Ideen. Dann sehen sie Arbeit auf sich zukommen und tun alles, um die Idee so schnell wie möglich zu vergessen. Bei Werner Schedler ist das anders: Er scheut sich nicht vor Herausforderungen. Hindernisse findet er interessant. Er ist ein Realisierer, ein Macher, ein Umsetzer, ein Mann der Tat. Sein Vater, Ludwig Schedler, war einer der besten Straßenbauer Vorarlbergs, unter seiner Aufsicht entstand die Schwarzachtobelstraße. Gemeinsam mit Josef Oberhauser gründete er 1972 die Baufirma Oberhauser Schedler.

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Als Kind ist Werner viel mit seinem Vater unterwegs. Er hält die Verkehrsfahne hoch und hilft Brücken zu vermessen. Nach der Hauptschule besucht er, wie schon sein Vater, die HTL in Innsbruck. Wilde Zeiten brechen an. Werner rebelliert. Beowulf ist sein Spitzname. Wegen Fahnenentehrung wird er aus der Studentenverbindung Ambronia geworfen. Mit Freunden gründet er einen Jugendverein, veranstaltet die ersten Rockkonzerte in der Taube in Andelsbuch und lässt im Gasthaus Jöslar Kurzfilme und 16-mm- Projektionen laufen. Nach der Matura wird er Polier im väterlichen Betrieb. Seine Freizeit verbringt er im autonomen Jugendzentrum in Zürich, das auf die Opernhauskrawalle zusteuert und als „Züri brennt“ in die Geschichte eingehen wird.

Er lernt einen Israeli kennen, dessen Eltern eine Kunstgalerie in Tel Aviv besitzen. Werner fliegt hin. Nur ein paar Tage Urlaub will er machen. Seine Eltern haben keine Ahnung, wo er ist. Irgendwann schickt er dann doch einen Brief. In Tel Aviv lernt er einen der bedeutendsten Künstler Israels kennen, den Bildhauer und Maler Menashe Kadishman. Im Jüdischen Museum in Berlin befindet sich Kadishmans Installation Shalechet – Gefallenes Laub: Über 10.000 Eisenplatten liegen auf dem Boden, in die Gesichter geschnitten sind, die Münder wie zum Schrei geöffnet. Werner Schedler bewundert dessen Arbeiten, lässt sich von ihm beeinflussen und baut selbst am Rand einer Mülldeponie Skulpturen aus Altglas und Stein. Er ist mit Nomaden auf der Halbinsel Sinai unterwegs, schläft in Hütten in Sharm El-Sheik, wo Jahre später riesige Tourismustempel entstehen werden. Er fischt und kifft mit Beduinen und beteiligt sich an einem Fischerboot mit Außenbordmotor. Nach Monaten steht er vor der Entscheidung: Bleiben oder gehen? Am Weihnachtsabend steht er mit Sand in den Turnschuhen vor seinem Elternhaus. Kurz darauf, mit 21, wird er Vater eines Sohnes. Er zieht nach Wien, verdient sein Geld als technischer Zeichner, ist Tellerwäscher, steigt im „Hungerkünstler“ zum Barkeeper auf und legt Platten auf: Astor Piazzolla und The Doors. Zu seinen Stammgästen gehören Karl Merkatz und der Dramatiker Wolfgang Bauer. Wahrscheinlich sieht er dort zum ersten Mal die Künstlerin Ona B., ahnt noch nicht, dass er später eine langjährige Beziehung mit ihr führen wird. Etliche Jahre wohnt Werner mit seiner Frau in Lustenau, bekommt drei Töchter und wird freier Mitarbeiter für die Architekten Lenz und Kaufmann. Ende der 1980er Jahre erleidet sein Vater den ersten Herzinfarkt.

Werner stellt sich an seine Seite. Nach neuerlichen gesundheitlichen Problemen räumt der Vater innerhalb einer Woche sein Büro, bittet Werner, auf seinem Sessel Platz zu nehmen, arbeitet wieder als Polier und lebt noch Jahrzehnte. Werner fädelt vieles neu ein. Er gründet mit der Firma Rüf in Schnepfau den Steinbruch ROSe ROCK und übernimmt das marode Kieswerk in Andelsbuch. Unter seiner Führung wächst die Firma heraus aus den roten Zahlen. Neue, schwierige Projekte mag er am liebsten. Der Umbau des Speichers Bolgenach mit Zuleitung zum Kraftwerk Langenegg gehört europaweit zu den schwierigsten Baustellen. Zum Wasser zieht es ihn, seit er ein Kind ist. Damals fischte er im Brühlbach und tauschte Forellen gegen Gummibärchen. Er wird Obmann eines Fischereivereines, fischt oft im Schönenbach. Beim Zerlegen der Fische bemerkt er, dass sie Leberschäden haben und stinken. Er schickt eine Gewässerprobe ans Umweltamt. Die Chemiker können nicht glauben, dass diese Proben aus Vorarlberg stammen, so schlecht sind sie. Schuld daran ist die falsche Einleitung von Fäkal- und Sennereiabwasser. Werner kümmert sich um den Bau einer neuen Kläranlage. Es dauert ein paar Jahre, bis der Zorn der Bauern auf ihn verraucht. Wenn Werner Schedler über Kies und Beton spricht, tut er das mit einer Leidenschaft, als handelte es sich um Gold. Keiner sonst würde wie er mitten in einem Kieswerk wohnen wollen.

 

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Er sieht einer Landschaft an, ob Kies vorkommt, egal, ob in Bali oder auf den Kapverden, wo es eben keinen Kies gibt und sich die Leute selbst den Sandstrand abgraben, um auf er anderen Seite der Insel Hotels bauen zu können. In Dubai ist das Problem ähnlich – Kies und Sand kommen mit Schiffen aus Pakistan und Australien. Werner experimentiert gern mit Beton. Sein begehbares Beton-Ei, in Andelsbuch an der Straße, ist über die Grenzen bekannt und als Beton-Berater hat er sich einen Namen gemacht – in Hannover soll ein ähnlicher Platz entstehen wie der Landhausplatz in Innsbruck, den seine Firma gebaut hat, und der Staat Bayern baut ein neues Hitler-Dokumentationszentrum am Obersalzberg: Aus dem Ausbruchmaterial des Stollens und des Luftschutzbunkers soll aus grünlichem Kalk Beton hergestellt werden. Bei einer Kunstaktion am Silvretta Stausee lernt er die Künstlerin Ona B. kennen. Mit seiner Andelsbuch- Gang – Männer in knallroten Klamotten – reist er nach New York oder nach Shanghai, wo Ona im Shanghai Art Museum ein ganzes Stockwerk zur Verfügung gestellt bekommt. Die Performance heißt „Beanda und Lösa“ (Binden und Lösen). Werner dreht Kurzfilme, zunächst in Super 8, später auf Video, dann digital. Sein Copyright heißt BEO, ein Überbleibsel von Beowulf.

Kurz nach seinem fünfzigsten Geburtstag wiederholt sich die Geschichte. Ein Herzinfarkt lässt ihn innehalten. Er erholt sich zwar, gibt aber im Frühjahr 2016 die Geschäftsführung seiner Firma ab, zieht sich aus dem Tagesgeschäft zurück und gründet stattdessen ein Einmannunternehmen namens BEO Projekt GMBH: Handel mit Waren aller Art, Filmproduktion, Kunsthandel und Bauträgergesellschaft. Er hofft, sich nun öfters seinen Leidenschaften widmen zu können. Dazu gehört die Geschichtsforschung und der Kampf für einen unverfälschten Blick auf die eigene Vergangenheit. Ein Symbol für falsche Geschichtsverherrlichung ist für ihn das Denkmal an der Bezegg-Sul. Er setzt sich kritisch damit auseinander, denn das Bild, das viele Bregenzerwälder heute von sich haben, wurde in den 1930er Jahren von Historikern geprägt, in einer Zeit, als der Nationalismus und die Verehrung der „guten alten Zeit“ immer größer wurden, was schlussendlich im Zweiten Weltkrieg endete. Werner Schedler empfiehlt jedem, das Buch „Der Hintere Bregenzerwald – eine Bauernrepublik?“ von Mathias Moosbrugger zu lesen und dabei selbst zu erkennen, wie verbogen viele Geschichten sind, die einen Teil unserer Identität ausmachen. „Mear Wäldor“, zwei Wörter, die den Stolz nach außen tragen, stehen auf Handtaschen, Plakaten und T-Shirts. Für Werner fühlt sich das an, wie wenn Pegida-Anhänger „Wir sind das Volk“ brüllen. „Im Bregenzerwald gibt es immer wieder reaktionäre Strömungen – Ende 19. Jahrhunderts mit den Brixnern, in den 1930 er Jahren und jetzt wieder. Wir dürfen nicht glauben, dass wir davor gefeit oder etwa demokratischer sind als andere“, sagt Werner, dem Selbstbeweihräucherung ein Dorn im Auge ist. „Bregenzerwälder, die mit Fellhölzlern auf der Alm herumspringen, mit Gülle herumspritzen, Gloria rufen und meinen, sie seien Urwälder, obwohl sie alles kaputtmachen, kann ich nicht leiden.

Stolze selbstständige Männer und Frauen aus dem Tal schätze ich jedoch sehr.“ Werner Schedler ist ein Kind des Bregenzerwaldes. Manchmal muss er Kulturgüter hinaus in die Welt tragen, wie im Jahr 2015, als er mit Ona B. nach New York flog, um im Central Park rot angemalte Heureiter („Hoanzen“) aufzustellen. Heu (vulgo Geld) haben sie dort ja genug.

Autorin: Irmgard Kramer
Ausgabe: Reisemagazin Sommer 2017

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