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Musizieren wie Schubert

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Musizieren wie Schubert

Schwarzenberg wird jährlich zum Zentrum der Freunde von Franz Schuberts Musik.

Einst musizierte Franz Schubert regelmäßig im Freundeskreis. Bei diesen „Schubertiaden“ stellte er seine neuesten Kompositionen vor. Eindrucksvoll bezeugt dies eine Zeichnung des Malers Moritz von Schwind mit dem Titel „Ein Schubert-Abend bei Josef von Spaun“. Es zeigt eine Gesellschaft im Haus des Wiener Juristen Spaun im Dezember 1826. Schubert begleitet den lässig neben ihm sitzenden Bariton Johann Michael Vogl am Klavier zu seinen Liedern.

Schwind setzt mit seiner Darstellung nicht nur Schubert selbst, sondern auch der Schubertiade ein Denkmal. Wer immer als Sänger Franz Schuberts Liedern gerecht werden will, sollte die Weite eines großen Konzertsaals innerlich ausblenden, theatralische Gesten meiden und Pathos durch Intensität ersetzen.Selbst ein Opernsänger wie ich muss sich für Liederabende von Schubert in einen anderen verwandeln. Es gilt, das eigentümliche Wesen eines Liedes zu erfassen und zu Gehör zu bringen. Welch Glück für einen Musiker, wenn eine stille, inspirierende Umgebung ihren Charme dazu leiht!

Die Feinheiten von Schuberts Musik in einer Art Ideallandschaft zum Erklingen zu bringen, davon träumte der Lied- und Opernbariton Hermann Prey die längste Zeit. Schließlich kann er 1976 seinen Traum von einer „Schubertiade im Schloss“ verwirklichen. Gemeinsam mit dem heutigen Geschäftsführer des Musikfestivals, Gerd Nachbauer, baut Prey die Schubertiade in Hohenems auf. Rasch wird der eher unbekannte Ort zu einer renommierten Festspielstadt. Alljährlich trifft sich hier ein internationales Publikum, das Außergewöhnliches sucht: die authentische Begegnung mit hervorragenden Künstlern und ihrer Weise, die Lieder Schuberts zu interpretieren.

1991 ist es mit „Schubert im Schloss“ vorbei. Der Palast in Hohenems wird renoviert und steht der Schubertiade nur mehr in eingeschränkter Form zur Verfügung. So wandert das Festival ins benachbarte Feldkirch ab – und entdeckt dabei die Wanderlust. Von 1994 bis 2000 lässt es seine Gäste neben den Konzerten in Feldkirch auch musikalische Landpartien erleben. Ausgewählt werden dafür besonders reizvolle Orte wie die Propstei St. Gerold, das im romantischen Argental gelegene Schloss Achberg und die weithin gerühmte Insel Lindau. Eine dieser musikalischen Landpartien führt auch nach Schwarzenberg im Bregenzerwald. Irgendetwas Magisches muss für Musiker und Publikum von diesem alten Wälderdorf ausgehen. Denn hier kommt die Schubertiade wieder zur Ruhe.

Ab 2001 wird aus der Landpartie der Hauptakt: Schwarzenberg etabliert sich mit dem Umbau des AngelikaKauffmann-Saales als fixer Schauplatz der Schubertiade. Mit seinen jährlich neunzig Veranstaltungen und knapp 45.000 Besuchern gilt das Musikereignis in Schwarzenberg als renommiertestes Schubert-Festival weltweit. Kein anderes bringt eine derart große Anzahl an Lieder abenden, Kammerkonzerten und Klavier abenden mit bedeutenden Künstlern, ergänzt um Orchesterkonzerte, Lesungen und Meisterkurse. Trotz dieser eindrucksvollen Menge an musikalischen Eindrücken verleiht das Dorf Schwarzenberg der Schubertiade ein ganz eigenes Flair. Im alten Bauerndorf begegnen einander Musiker und ihre Bewunderer bei ihren täglichen Gängen, sitzen miteinander im Wirtshaus, genießen gemeinsam die stille Landschaft des mittleren Bregenzerwaldes. Fernab vom Festspielrummel kann sich die Schubertiade so einen intimen Charakter bewahren. Ihr Wesen ist das Erklingen von Schuberts Musik, ihre Faszination das „Who is who“ der Lied- und Kammermusikszene. Die trifft sich alljährlich in Schwarzenberg, um Schubert im Kreise seiner gegenwärtigen Freunde durch seine Musik wieder lebendig werden zu lassen. Ganz ohne Pathos, aber sehr intensiv.

Autor: Dieter Hönig
Ausgabe: Reisemagazin Sommer 2010

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