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Mit 102 km/h direkt in den Boden

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Mit 102 km/h direkt in den Boden

Bernhard Bechter: Extremsportler und Filmer, Wal- und Umweltschützer.

Es dauerte nur zwei Minuten. So schnell wie Bernhard Bechter hatte noch niemand die rund tausend Meter Höhenunterschied an der „Niedere“ bei Bezau überwunden – jedenfalls nicht lebend. Und beinahe wäre auch Bechter ein Opfer dieses Tempos geworden. Eine Unachtsamkeit, und schon schlug er mit seinem 11,8 Quadratmeter kleinen Speedrider-Schirm auf – das GPS zeigte 102,4 km/h an. „Ich hatte Riesenglück, dass ich nicht im Rollstuhl sitze“, meint der Extremsportler nach drei Monaten Gipskorsett und vier Monaten Physiotherapie. Bechter liebt die neue Wintersportart Speedriding, eine Mischung aus Skifahren, Fallschirmspringen und Paragleiten. Und dem Tod von der Schippe gesprungen ist der 41-jährige Bregenzerwälder nicht nur einmal. Seine erste Expedition mit Ziel Kanada startete er im Alter von 13 Jahren. Nach zwei Tagen im verschneiten Bregenzerwald fand man ihn und brachte ihn zu seinen Eltern zurück. Mit 19 absolvierte er seine erste Überlandtour – tausend Kilometer durch Norwegen und Schweden ohne Zelt und nennenswerte Ausrüstung. Mit 21 folgte die erste große Expedition in Alaska – und fast das Ende: Beim Überqueren unzähliger Bäche in der Brooks-Gebirgskette rutschte er ab und landete im eisigen Schmelzwasser. Obwohl stark unterkühlt, konnte er sich retten – nur sein Essensvorrat, 17 Kilogramm Nüsse, war dahin. Weitere Expeditionen brachten Bernhard Bechter im Laufe der Jahre um die halbe Welt – vom arktischen Norden bis in die Karibik. Einen Großteil der Strecken legte er mit Kajak oder Fahrrad zurück, Karte und Kompass dienten als Orientierungshilfe. Nur Kanada zu Fuß vom Bregenzerwald aus zu erreichen, hat er nicht noch einmal versucht.

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Dann wurde bei ihm Krebs diagnostiziert. Jetzt ging er aufs Ganze: Nach einer Kontrolluntersuchung 2004 machte er sich direkt vom Bregenzer Spital aus mit dem Fahrrad und einer Flugausrüstung auf: Er nannte es seine „Back To Life“-Tour. Unterwegs bestieg er in Norwegen den höchsten Gipfel des Landes, den 2469 Meter hohen Galdhopiggen, und flog von dort ins Tal hinunter. Der eingangs erwähnte Speedrider-Flug war ein Test. Bechter wollte dabei die Kamerahalterung am Fuß ausprobieren, um dann im Sommer 2008 zu einer Walfang-Konferenz nach Chile aufzubrechen. Er hatte vor, dort auf einem etwa 7000 Meter hohen Vulkan eine Pressekonferenz zu organisieren. „Wenn ich schlecht geschlafen habe, rühre ich den Schirm nicht an. Doch das war die berüchtigte Ausnahme: Ich arbeitete bis sechs Uhr früh, sprang dann übernächtig und vergaß, den Bremsimpuls zu setzen.“

„Nach so vielen Reisen kann ich neue Energie am besten im Bregenzerwald tanken.“

Bernhard Bechter

Wegen seiner spektakulären Projekte gegen den kommerziellen Walfang oder für den Schutz seltener Tierarten wurde Bechter oft belächelt und angefeindet. Doch mittlerweile wird er für seine Verdienste als Natur- und Artenschützer weltweit gewürdigt. „Nach so vielen Reisen kann ich neue Energie am besten im Bregenzerwald tanken. Wir könnten ruhig stolzer sein auf das, was wir haben. Und wir sollten die unberührte Natur unter Schutz stellen und sie als eine nachhaltige Quelle erachten.“ Schließlich bietet sie ja auch unwiderstehliche Gelegenheiten für waghalsige Männer.

Autorin: Nora Fuchs
Ausgabe: Reisemagazin Winter 2009/10

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