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Mehr als eine Spur im Schnee

Geschichte

Mehr als eine Spur im Schnee

Freestyle-Rider Sigi Innauer, auch abseits der Pisten ein „wilder Hund“, schwingt mit seinem Sohn Marlon durch die Skigebiete des Bregenzerwaldes.

Sigi Innauer war Freestyler, Stuntman für Roger Moore in einem James-Bond-Film und ist nun Clubbetreiber, Stargastronom und Familienmensch. Das Skifahren schätzt er als gesunden Ausgleich und als Spaß mit seinen Kindern.

Spitzensportler, Clubbetreiber, Stuntman, Familienmensch – Sigi Innauer hat schon vieles ausprobiert und vieles erlebt. Auch im etwas „reiferen“ Alter ist der aus Bezau Stammende kein bisschen leise. Im Gegenteil: Zwischen seinem Restaurant, seinem Club und den regelmäßigen Familienskiausflügen scheinen seine Tage etwa 26 Stunden zu haben. Aufgewachsen auf rund 1.200 Meter Seehöhe am Bezauer Sonderdach, wurde dem jungen Sigi sozusagen schon in die Wiege gelegt, was sein Leben entscheidend mitprägen sollte: Gastronomie, Natur und Skisport. An schulfreien Nachmittagen streunte er am liebsten mit seinem kleinen Bruder Toni im Wald umher, im Winter war das Skifahren die wichtigste Beschäftigung. Keine Abfahrt war zu steil, kein Sprung zu weit und kein Pulverschnee zu tief.

Schon mit sieben Jahren bestritt er sein erstes Skirennen. Viele weitere sollten folgen. Bereits in frühester Jugend wurde er Landesmeister und belegte bei Staatsmeisterschaften zweimal den dritten Platz. Offensichtlich mit Talent ausgestattet, entschied sich der junge Athlet für eine Ausbildung am Skigymnasium in Stams. Dann aber, von etlichen Verletzungen gebeutelt, brach er vorzeitig ab, um in seinem Heimatort eine Kochlehre zu absolvieren.

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Auch während anstrengender Jahre in der Gastronomie ließ ihn die Leidenschaft für den Skisport nicht los. Möglichst jede freie Minute verbrachte er auf den Pisten und Liften, die in den Siebzigerjahren aus dem Boden gestampft wurden. Vom Hirschberg in Bizau über die neue Gondelbahn in Mellau bis nach Schröcken und Warth, Sigi Innauer kannte sie alle und war überall unterwegs.

Während seiner Skilehrerausbildung kam er schließlich zum Buckelpisten- und Trickskifahren. Oder wie es heute heißt: Freestyle. Als professioneller Freestyle-Skier wurde Sigi Europameister auf der Buckelpiste, gewann etliche Weltcuprennen und kam in der Welt herum. Denn nicht nur in der Schweiz, in Frankreich oder Italien, sondern auch in Nordamerika machte die Freestyle-Tour Station. Natürlich wurde, wie es sich für richtige Freestyler gehört, neben dem Skifahren auch ordentlich gefeiert. Die Eindrücke während seiner Zeit im Trickskizirkus ließen im jungen Sigi Innauer den Wunsch wachsen, einen Nachtclub zu eröffnen – gewissermaßen, um ein bisschen Freestyle-Feeling in die Bregenzerwälder Provinz zu bringen.

Doch bevor er diese Idee verwirklichen konnte, wäre er fast Stuntman geworden. Genau gesagt, war er tatsächlich als Stuntman tätig. Zwar nur kurz, aber dafür richtig: Als skifahrendes Double von Roger Moore ist Sigi Innauer im James-Bond-Film „Im Angesicht des Todes“ aus dem Jahr 1985 zu sehen. Ein Freestyler-Kollege, der diese Art von Arbeit schon öfter gemacht hatte, hatte ihn weiterempfohlen. Der bekannte Skifilmer Willy Bogner leitete die Aufnahmen. Seine Stuntman Karriere währte nur kurz: „Es wäre schon lässig gewesen. Auch der Verdienst war gut, doch Jobsicherheit schlicht und einfach nicht gegeben.“ Sigi hätte Ski- und Sportparts bevorzugt:

Vakanz. Stimmt, da war doch was: Ach ja, der Club. 1984, quasi direkt im Anschluss an die Dreharbeiten zum Bond-Film, war es so weit. In Reuthe öffnete die Bar Vakanz. Damit fiel auch der Startschuss für Sigi Innauers Karriere als Clubbetreiber und Stargastronom. Der Skisport sollte für einige Jahre in den Hintergrund rücken. Im Vakanz traf sich ein besonderes Publikum. Die, die dort gewesen sind, erzählen heute noch davon. Jene, die nicht dort waren, wünschen sich, sie wären dabei gewesen. Das Vakanz wurde zum Anziehungspunkt für Künstler, Kulturschaffende und Alternative aus der Talschaft und darüber hinaus. Sigi Innauer bezeichnet es als ein „Atelier der jungen Wilden“, ein Gegenpol zum ohnehin spärlich vorhandenen, Aprés-Ski-lastigen Mainstream-Nachtleben im restlichen Bregenzerwald. Nicht nur die Gäste waren anders, auch die Musik war mehr als speziell. „Hin und wieder lief sogar Miles Davis um zwei Uhr in der Früh“, erinnert sich der Betreiber heute mit einem Lächeln.

Mitte der Neunzigerjahre managte Sigi Innauer dann den Club Kiew in Röthis. Dieser wurde vor allem durch ein außergewöhnliches Live-Musikprogramm bekannt. Sogar Falco trat dort auf. 1997 schließlich gründete er mit dem „Innauer“ in der Tiefgarage des Dornbirner Stadtmarktes den ersten House-Club in Vorarlberg. Seit 2009 wird es als Restaurant und Bar geführt, seit 2014 heißt der Club im Keller wieder „Vakanz“.

Drei Jahrzehnte später schließt sich also der Kreis. Wenn man Sigi Innauer von seinem Leben und seinen Projekten reden hört, könnte man meinen, dass sein Tag nicht nur die 24 Stunden hat, die für den Rest der Welt gelten. Seine Tage scheinen eher 26 Stunden zu dauern. Denn neben Club, Bar und Restaurant ist er auch ein ausgesprochener Familienmensch. Die beiden Söhne aus erster Ehe sind mittlerweile erwachsen, aber mit seinen beiden Kindern aus der neuen Beziehung verbringt Sigi jede freie Minute. Im Winter natürlich auf der Skipiste, denn der siebenjährige Marlon und die dreijährige Dalia sind begeisterte Skifahrer.

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Auch Mama Jasmin ist dabei, wann immer sie kann. „Mindestens dreimal die Woche gehen wir auf die Piste“, erzählt der stolze Papa, „lieber noch öfter und auf keinen Fall immer ins selbe Skigebiet.“ Klar, Abwechslung muss schon sein. Das ist auch gar kein Problem, denn der Bregenzerwald hat einiges zu bieten. Das Skigebiet am Bödele liegt quasi vor der Haustür. Auch auf der Schetteregg oder in Mellau fahren die Innauers gern. „Wenn der Frühling kommt, sind wir eher Richtung taleinwärts unterwegs“, erläutert der Skipapi mit Hinblick auf die Schneelage. Schneesicherheit bis Ostern? Kein Problem: Willkommen am Salober.

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Dass die Kinder gerne draußen sind, bringt mehrere Vorteile mit sich. Einer davon ist die Tatsache, dass der Skisport wieder einen größeren Stellenwert in Sigi Innauers Leben einnimmt. „Der Sport und die frische Luft tun mir gut“, sagt er. „Vor allem in meiner Branche ist es wichtig, dass man auf seinen Körper achtet. Die Bewegung in der Natur hilft mir dabei.“ Und Sigi ist in tadelloser Form. Das sieht man ihm nicht nur an, er beweist es auch nicht zuletzt sich selbst regelmäßig: Beim „Weißen Ring“ in Lech, dem längsten Skirennen der Welt, überwand er letzten Januar neben 1.000 anderen Teilnehmern die 22 Pistenkilometer und 5.500 Höhenmeter in nur etwas mehr als einer Dreiviertelstunde und belegte in seiner Klasse den 2. Platz. So ernst wie früher nimmt Sigi die Rennsituation aber heute nicht mehr: „Ich muss nicht mehr Kopf und Kragen riskieren und voll ans Limit gehen. Viel wichtiger sind die Leute, die man trifft, und der Spaß am Skifahren.“ Wichtiger als jedes Rennen ist auch der Skispaß mit seinen Kindern. Wenn Sigi Innauer nicht seine Restaurantgäste betreut, ist er am liebsten mit seiner Familie auf den Pisten des Bregenzerwalds oder anderswo in Vorarlberg unterwegs. Meistens gehören sie zu den Letzten, die noch am Berg sind. Denn bevor Marlon und Dalia nicht mit eigenen Augen gesehen haben, dass der Lift stehen bleibt, sind sie nur schwer zum Heimgehen zu überreden.

Autor: Bartholomäus Natter

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