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„Mama, i gang ga Skifahra!“

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„Mama, i gang ga Skifahra!“

Ein Familienskilift, an dem sich vor allem die Kinder aus der Umgebung vergnügen: Der Dorflift in Hittisau erfüllt im Winter eine wichtige Funktion, sowohl als Sportstätte als auch als Ort, wo lebenslange Freundschaften entstehen.

Die Schultasche ins Eck geschleudert und ab auf die Piste. Der Dorflift in Hittisau ist etwas Feines. Den Funpark schaufeln sich die Kinder selbst. Die Limonade kommt aus dem Automaten. Reich wird keiner. Aber es entstehen Freundschaften und gemeinsame Erinnerungen bis ins hohe Alter. „Unser Lift hat eine wichtige soziale Aufgabe“, sagt Stefan Bechter, seit über zwanzig Jahren Betriebsleiter.

Während er das Wetterradar studiert, dreht sich an vielen Mittagstischen alles um eine Frage: „Lässt Stefan heute laufen oder nicht?“ Egal ob schneematschiges Tauwetter, dichter Schneefall oder Föhnsturm – Stefan entscheidet. Nicht immer einfach. Aber hin und wieder verwandelt sich Hittisau in ein glitzerndes Winterwunderland. Dann klettert Stefan früh in sein Pistengerät, stellt Netze auf, überprüft die Technik – ein Tropfen Öl hier, eine neue Rolle da.

Er schaufelt den Zugang zu seiner Lifthütte aus und tritt ein. Kein topmoderner Kommandostand, sondern eine winzige Werkstatt. Stefan setzt sich auf einen in die Jahre gekommenen Bürosessel, fährt den Bildschirm hoch, öffnet die Kasse und blättert in seinem Betriebstagebuch. „Im Winter 2008/2009 fuhren wir an 88 Tagen. Im Winter 2019/2020 kein einziges Mal.“

Errichtet wurde der Lift am Hittisberg 1964 von drei Hauptaktionären (zwei Lustenauer Sticker und ein Baumeister aus Hittisau). Die Anfangsjahre liefen gut, dann wuchs die Konkurrenz. Als sich der Betrieb finanziell nicht mehr rentierte, hieß es zum ersten Mal: „Was machen wir mit unserem Lift?“ Die Gemeinde betrieb ihn weiter und stellte die Bügel auf Selbstbedienung um. Jetzt tauchen die ersten Familien auf. Julia (6) und Marius (9) schleppen ihre Ski zum Lifthaus und grüßen Stefan.

Als der erste Ansturm vorbei ist, erinnert er sich an den 19. Jänner 2008. Nach starken Schneefällen hatte es tagelang geregnet. Es war zehn Uhr Vormittag, da krachte es. „Als ob jemand eine große Buche fällt.“ Ein Felsen hatte die Bergstation niedergewalzt und eine Stütze gerammt. „Es war pures Glück, dass der Lift an diesem Morgen nicht lief.“ Man sprengte den Felsen, brachte Steinschlagnetze an, reparierte die Stütze und rettete den Lift zum zweiten Mal. Stefan überwacht den Einstieg und die Mittelstation und regelt die Geschwindigkeit mit einem Frequenzumwandler.

„Früher lief der Lift über drei Meter pro Sekunde – viel zu schnell für Kinder.“ Julia und Marius merken davon nichts mehr. Nur für die ganz Kleinen war der Aufstieg immer noch schwer zu schaffen, weswegen viele Familien fernblieben und 2016 wieder einmal alles hinterfragt wurde: Wofür ist der Lift eigentlich gut? Wer nützt ihn? Und will ihn überhaupt noch jemand? Die in der Gemeinde lebenden Menschen wurden in die Diskussion eingebunden. Daraus entwickelte sich die Gruppe „üser Hittisberg“, die sich für den Erhalt des Liftes einsetzt.

Die Kleinen bekamen einen Niederseillift. Beim Schlepplift wurde jeder dritte Bügel durch einen Teller ersetzt, eine Mittelstation errichtet, ein Rodelhang und eine Feierabend-Loipe mit einem Biathlon-Schießstand aufgewertet, ein neues Pistengerät gekauft. Traugott und Ernst, zwei Pensionisten, sind die guten Seelen des Babylifts. Sie tun alles, damit jedes Kind das Seil erwischt. Nichts ist ihnen zu viel. Oft laufen sie mit den Kindern neben dem Seil bis zum Ende mit.

Es klopft an der Lifttür. Christian Obrist kommt auf ein Schwätzchen vorbei. Er wohnt gegenüber, arbeitet bei der Firma Doppelmayr und hilft Stefan bei kniffligen technischen Problemen. Wieder klopft es – diesmal am Fenster. Julia und Marius wollen eine Schaufel. Damit bauen sie eine Schanze. Von Stefan kriegen sie alles. „Er schimpft nicht einmal, wenn wir zu dritt mit einem Bügel fahren“, sagt Marius. „Na, wenn die Lausbuben aus der Spur fahren und es gefährlich wird, muss ich schon schimpfen“, widerspricht Stefan lachend.

Mutter Simone mag den Lift auch – egal wo die Kinder fahren, sie kommen unten immer an der gleichen Stelle an. Vater Reinhold Berkmann, Obmann des Skiclubs, liegen nicht nur seine eigenen Kinder am Herzen. Als Schulwart verbringt er viel Zeit mit ihnen. Sobald Schnee fällt, bietet der Skiclub jeden Samstag freies Fahren an: die Skisafari. Zwanzig bis dreißig Kinder sind immer dabei. Dem Skiclub erfüllt Stefan jeden Wunsch – hier noch ein bisschen mehr walzen, dort noch ein kleiner Haufen. Er schiebt den Schnee dorthin, wo er gebraucht wird. Julia lässt alle anderen vor. Sie wartet auf ihren Lieblingsbügel, den mit der Nummer 29. „Der einzige Spitzbügel“, sagt sie stolz. „Die anderen haben an den Enden runde Bollen, dass man nicht nach außen wegrutscht.“

Am liebsten fährt Julia mit ihrer Freundin Ida. Dann spielen sie „Wer zuerst unten ist“ und „Wer bremst, verliert“. Manchmal fällt sie hin. Ist der Ski weg, zieht sie ihn einfach wieder an und fährt weiter. Schnee schmeckt gut. Vor allem, wenn er knackt und knirscht zwischen den Zähnen. Und wenn Flocken fallen, hält sie ihr Gesicht in den Himmel, streckt die Zunge raus und schließt die Augen. Das wird sie nie vergessen.

Autorin: Irmgard Kramer
Ausgabe: Reisemagazin Winter 2021-22

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