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Im Schwimmbad auf der Matte entspannen

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Im Schwimmbad auf der Matte entspannen

Claudia Jochum hilft mit ihrem Sommeryoga im Schwimmbad Schwarzenberg den Teilnehmern, ihren inneren Lehrer und sommerliche Gelassenheit zu entdecken.

Viel heiliges Wasser ist den Ganges hinuntergeflossen, seit John Lennon in wallend weißem Gewand im Ashram meditiert hat. Manch einer belächelt die Lust, sich absichtlich verknoten zu wollen. Doch mittlerweile ist Yoga im Mainstream angekommen. Man wehrt sich nämlich nur so lange dagegen, bis man es selbst ausprobiert hat und spürt, wie durchblutet und entspannt man sich hinterher fühlt. Wahrscheinlich wurde Yoga zu Recht zum Massenphänomen. Entspannung ist ein Riesengeschäft. Auf Instagram teilen Celebritys der Welt im Minutentakt mit, welche fortgeschrittenen Asanas (Körperhaltungen) sie fertigbringen. „Namasteeee, meine Liiiieben!“, flötet es auf YouTube um die Wette. Am Weltyogatag schlagen Hunderttausende in den Parks der Megacitys ihre Matten auf, grüßen im Kollektiv die Sonne und lassen sich von veganem Lifestyle und Klamotten umwerben. Bikram Choudhury ließ Asanas patentieren. Dafür setzte es Anfeindung, aber auch Millionen.

Yoga gibt es in zahlreichen Formen wie Sivananda, Aerial, Ashtanga, Kundalini, YinYoga, Yogilates, Vinyasa oder Hatha, um nur einige Arten zu nennen. Man könnte sich in der Menge des Angebots verlieren, gäbe es nicht Menschen wie Claudia Jochum. Sie bringen uns näher, worum es bei Yoga abseits vom Kommerz geht. Bregenzerwald und Yoga. Das passt schon irgendwie zusammen. Ob in der Oase in Bersbuch, im Yoga Studio in Egg, im Hotel Post in Bezau oder in den Yogakursen bei Claudia in Andelsbuch, fast überall blickt man bei den Übungen auf saftiges Grün. Die Idee, Yoga im Schwimmbad in Schwarzenberg anzubieten, kommt Claudia, als sie am Ende eines Kurses gefragt wird: „Was machen wir im Sommer? Wir wollen nicht zwei Monate ohne Yoga sein.“ Claudia wuchs in Dornbirn auf und arbeitete zunächst als Kindergärtnerin. 1992 erlebte sie ihre erste Yoga- Stunde und entdeckte dabei etwas, das sie nie mehr loslassen sollte. Bevor sie nach Schwarzenberg zog, lebte sie in Deutschland und in Boston und brachte zwei Kinder zur Welt. Yoga aber suchte sie in jeder Lebenslage und an jedem Ort.

Sobald es sich mit Familie und Beruf vereinbaren ließ, absolvierte sie viele Jahre hindurch hauptsächlich in Zürich und Deutschland mehrere Yoga-Ausbildungen bei namhaften Lehrern: Yoga für Kinder, Jugendliche, Schwangere und Erwachsene. Beim therapeutischen Yoga berät sie Menschen mit unterschiedlichen körperlichen und mentalen Beschwerden, bietet in Einzelstunden einfache, auf die Person abgestimmte Übungen an, die in den Alltag integriert werden können. Aus ihrem breiten Spektrum schälen sich allmählich ihr eigener Stil und ihr Mantra heraus. Es lautet: „Ich bin Teil eines großen Ganzen und das große Ganze ist ein Teil von mir.“ Sie lässt es sich in Sanskrit in die Haut tätowieren, zusammen mit der Fibonacci-Spirale, die den Goldenen Schnitt und damit die vollendete Schönheit symbolisiert, die wir in Silberdisteln, Schneckenhäusern, Sonnenblumen und überall in der Natur finden. „Eins sein und erwachen. Das ist hautnah im Schwimmbad erlebbar. Unter dir die Stabilität der Erde, über dir die Leichtigkeit des Himmels. Du mittendrin, kraftvoll aufgerichtet und schön. Ganz und vollkommen. So wie du bist.“

Claudia möchte nahe am Menschen sein. Ihr ist es nicht wichtig, ob eine Endposition erreicht wird oder nicht. Sie will die liebevolle Begegnung einer Person mit ihrem Körper kultivieren. „Kurzurlaub auf der Matte“, nennt sie es. Sie liebt es, Menschen in ihren Lebensphasen zu begleiten und ihnen den Zugang zu ihrem eigenen „Guru“, dem inneren Lehrer, zu erleichtern. Ihren Unterrichtsstil nennt sie YIN YASA YOGA. Sie hat ihn durch ihre Weiterbildungen selbst entwickelt. YIN steht für langanhaltende, passive, durchlässige Positionen, die tief in das Fasziengewebe wirken. YANG steht für dynamisch aktive und kraftvolle Praxis. Auch therapeutisches Yoga fließt in ihre Gruppenstunden ein. Da jeder Mensch in Wesen und Körperbau einzigartig ist, passt sie die Haltungen individuell an. Ihr Leitsatz lautet dabei: „Im Yoga – in deiner Herzenszeit – begegnest du dir selbst, um kraftvoll, aufgerichtet und in deiner eigenen Schönheit und Leichtigkeit durch dein Leben zu schreiten.“ Das Sommeryoga in Schwarzenberg ist unkompliziert und für jeden machbar. Körper und Geist werden wach und gestärkt. Man kann es einfach ausprobieren, anmelden muss man sich nicht. Es beginnt um acht und dauert eine Stunde. Anschließend kann man schwimmen oder im Kiosk seinen ersten Tee, ein Wasser oder Kaffee trinken. Sollte es regnen, steht das obere Foyer des Angelika-Kauffmann- Saales zur Verfügung. Der beste Moment, Yoga zu praktizieren, ist bei Sonnenaufgang oder bei Sonnenuntergang an der Gabelung eines Flusses, heißt es. In Schwarzenberg ist es das Schwimmbad. Dort dehnt und streckt man sich auf der Liegewiese unter den Bäumen, während die Sonne über der Niedere aufgeht und die Haut wärmt. Man spürt das Gras unter den Füßen und einen abgebrochenen Zweig. Insekten summen. Das Wasser plätschert, die Luft streichelt die Haut. In den Blättern spiegelt sich das Sonnenlicht. Der Tag beginnt entspannt und der Sommer wird leicht.

Autorin: Irmgard Kramer
Ausgabe: Reisemagazin Sommer 2019

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