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Hauptpreis für Architektur

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Hauptpreis für Architektur

Und zwar für Architektur im ländlichen Raum: den hat Bizau von der Arge Alp erhalten. Zu Recht, findet der Autor, der diesmal mit seiner Frau am Umgang Bizau unterwegs war.

„Es ist so wunderbares Wetter, wir könnten ein paar Tage in den schönen Bregenzerwald fahren, ein wenig wandern, einen Spa-Bereich nutzen und vor allem gut essen und trinken“, schlägt meine Frau vor. „Und überhaupt, da könnten wir uns dann auch den Umgang in Bizau anschauen – du weißt schon, die Stelen aus Metall mit Edelrost, mit denen auf außergewöhnliche Baudenkmale hingewiesen wird.“ Und schon sind wir unterwegs nach Bizau. „Was heißt das eigentlich: Umgang?“, fragt sie. „Das Wort hat mehrere Bedeutungen“, antworte ich. „Einmal kann es ein Rundgang zum Beispiel im Dorf sein, dann aber bedeutet es auch den Umgang miteinander und mit den Dingen, die uns umgeben.

In diesem Fall, beim Umgang in den Bregenzerwälder Dörfern, meint man beides: einmal einen Spaziergang durchs Dorf, dann aber auch den Umgang der Menschen im Bregenzerwald mit ihrem Lebensraum. So steht es im Begleitplan zum Umgang.“ Noch einen Hinweis habe ich: „Schau auf die erstaunlich guten Industrie- und Handwerksbauten bei der Dorfeinfahrt Bizau, etwa auf die Produktionshalle für das ,Wälderfenster‘, das als fünfter Punkt im Umgang aufscheint.“ Über solche Erklärungen sind wir schon in Bizau, parken beim Gemeindeamt – und stehen vor der ersten Stele. Denn mit dem Neubau des Gemeindehauses und des dahinter stehenden Feuerwehrhauses ist 1989 in Bizau das neue architektonische Zeitalter angebrochen.

Die Gemeinde hat den Bregenzerwälder Architekten Hermann Kaufmann mit der Planung beauftragt. Kaufmann, einer der wichtigsten Architekten des Landes, ist fast zu einer Art Dorfarchitekt in Bizau geworden, bei öffentlichen wie bei privaten Bauten. Von ihm stammt auch die großartige Totenkapelle am Friedhof, die er gemeinsam mit dem Bildhauer Herbert Meusburger errichtet hat. Meusburger hat außerhalb der Friedhofsmauer den neuen Dorfbrunnen und den Steinzaun geschaffen, der auf die alte Alpgasse, den Weg der Kühe von der Alpe, hinweist. Ein alter Holzzaun, ein „Steackohag“, findet sich beim Umgang im Bizauer Moos, einem besonders schönen Winkel der Gemeinde. Meine Frau bemerkt, „dass hier die besten Kartoffeln wachsen. Wir könnten das ja gleich einmal in einem der beiden wunderbaren Gasthäuser in Bizau probieren, in der Taube oder im Schwanen“. Der gehört auch zu den Stationen des Umgangs.

Unterwegs kommen wir an dem am meisten ausgezeichneten Bau der Gemeinde vorbei, am Kindergarten von Bernardo Bader. Apropos Auszeichnung: Bizau hat den von der Arge Alp vergebenen Hauptpreis für moderne Architektur im ländlichen Raum erhalten. Eine verdiente Auszeichnung, denn kaum irgendwo steht moderne Architektur so einträchtig und so sicher neben alten Bauernhäusern. „Jetzt haben wir den Umgang gemacht, was kannst du mir sonst noch zu Bizau sagen?“, fragt meine Frau. „Da gibt es einiges“, sage ich. „Vor allem muss man auf Gebhard Wölfle aufmerksam machen, der von 1848 bis 1904 gelebt hat, den wichtigsten Mundartdichter aus dem Bregenzerwald. Viele Gedichte von ihm sind vertont worden und werden noch heute wie Volkslieder gesungen. Nicht zuletzt hat er den Theaterverein in Bizau mitbegründet, den ältesten im Land. Noch heute spielen die Bizauer Theater, kaum eine Familie im Ort, die nicht in irgendeiner Form einmal beim Theater mitgemacht hat.“ „Das weiß ich“, sagt meine Frau. „Am Sonntag nach Ostern haben sie immer Premiere. Und anschließend sitzen sie zusammen – mittendrin sitzt du selbst und singst mit den Theaterleuten Wälderlieder. Und gehst nicht mehr heim.“ „Genau“, sage ich. „Weil es in Bizau so schön ist.“

Autor: Walter Fink
Ausgabe: Reisemagazin Winter 2019-20

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