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Frisches Fußbad im Freien

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Pfarrer Kneipp, der sich weltweit um die Gesundheit der Menschen verdient gemacht hat, wäre im Jahr 2020 200 Jahre alt geworden. Zu seinem Vermächtnis gehören auch Gesundheitsvereine im Bregenzerwald, deren Bedeutung junge Menschen nun wiedererkennen.

Hinter dem Fußballplatz von Andelsbuch sprudelt eisiges Wasser aus der Brühlgrotte und fließt spiegelhell über Kieselsteine in eine Wassertrete. Eine Bäuerin kühlt ihre Füße. Eine Büroangestellte verbringt dort ihre Mittagspausen. Ein Anwohner dreht im Storchenschritt seine Runden. All das ist so wirksam wie damals, als der Pfarrer Sebastian Kneipp das heilsame Zusammenspiel von Wasser, Bewegung, Heilkräutern, Lebensordnung und Ernährung erkannte. Er gilt als Begründer moderner Naturheilverfahren und gehört laut „New York Times“ zu den drei berühmtesten Deutschen seiner Zeit – nach Bismarck und dem deutschen Kaiser.

„Saufe wöllet se alle, aber sterben will keiner“

Als Sebastian Kneipp 1821 im Allgäu zur Welt kommt, weiß man nicht, was gesund ist. Kinder trinken Kaffee und Schnaps. Frauen zwängen ihre Körper in Korsetts. Man hält ein Kilo Fleisch für gleich nährend wie ein Kilo Mehl. Antriebslosigkeit, schmerzende Gelenke und Haarausfall gehören noch zu den harmlosen Folgeschäden. Fäkalien landen im Trinkwasser. Mörderische Epidemien ziehen durchs Land. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist halb so hoch wie heute. Da taucht, laut und leidenschaftlich, Pfarrer Sebastian Kneipp in seiner braunen Soutane auf. Er hält glühende Reden und konfrontiert die Menschen mit kernigen Aussagen, die bis heute Geltung haben.

Der Sprung ins eisig kalte Wasser: erhellend

Als Kneipp Theologie studiert, ist er schwach, leidet an einer als unheilbar diagnostizierten Lungenkrankheit und findet in der Klosterbibliothek ein hundertjähriges Buch über die Heilkraft des Wassers. Also macht er Tauchbäder in der eiskalten Donau. Damit heilt er erst sich selbst und später dann andere. Im Kloster bringt er Gießvorrichtungen an. Von seiner Mutter lässt er sich den Umgang mit Kräutern zeigen. Heilungsuchende pilgern zu ihm aus Deutschland, Österreich, Amerika und Russland. Sein Hauptwerk über gesunde Lebensweise wird in 14 Sprachen übersetzt. Fanpost kommt aus Philadelphia und St. Petersburg und erreicht trotz der knappen Anschrift „Sebastian Kneipp, Deutschland“ ihr Ziel. Apotheker klagen ihn wegen Kurpfuscherei an, müssen aber klein beigeben. Die „Causa Kneipp“ gelangt bis Rom, weil ihm vorgeworfen wird, ein schlechter Priester zu sein. Jahre später ernennt ihn der Papst zum Päpstlichen Geheimkämmerer. Ein internationaler Verein Kneipp’- scher Ärzte formiert sich, der erste Kneipp-Verein wird ins Leben gerufen, KNEIPP-Blätter erscheinen. 1897 stirbt Sebastian Kneipp in Wörishofen.

Kneipps Kuren sind aktueller denn je

So sagt Sylvia Jagschitz, die Vorsitzende des Vorarlberger Landesverbandes, dem 39 Ortsvereine, zwölf davon im Bregenzerwald, angehören. In Alberschwende leitet sie den Kneipp-Aktiv- Club, wo man sich gern bewegt und tanzt. Vierteljährlich trifft man sich beim Kneipp „Z’Nüner“ (Jause) im Pfarrheim und hört einen Kurzvortrag zu einem Gesundheitsthema. In der Kneipp-Philosophie geht es nicht um Selbstoptimierung und Perfektionismus, um Leistung oder asketischen Verzicht, sondern um Bewegung und gesunde Ernährung. Balance ist der Schlüssel. Ein Guss, ansteigende warme und kalte Fuß- oder Armbäder, Halswickel, Essigpatscherl, Kräuter als Tee oder Bad können erste Symptome lindern. „Leider sind Wasseranwendungen, obwohl wissenschaftlich erforscht und medizinisch begründet, ein wenig aus der Mode gekommen“, sagt Jagschitz und stellt fest, dass es in manchen Gemeinden schwierig ist, Nachwuchs für den Verein zu finden. Nicht so ein paar Dörfer weiter in Andelsbuch.

Junge Menschen beleben die Kneippvereine

Daniela Berlinger teilt den Vereinsvorsitz in Andelsbuch mit Magdalena Metzler. Beide sind Mitte dreißig und begeistert von ihrem Verein. „Wir haben neue Ideen und viele junge Mitglieder, die wir über unsere Kurse bekommen: Turnen, Yoga, Pilates.“ Daniela hat ihre Aufgabe von der Tante übernommen – Roswitha Wirth ist Mitte sechzig und Vorturnerin. Bei keiner schwitzt man so wie bei ihr. Mit ihrem Mann, dem Altbürgermeister Anton Wirth, und auf Initiative von Anton Pfanner wurde der Bau der Wassertrete bei der Neuerrichtung des Sportplatzes in die Wege geleitet. Große finanzielle Unterstützung kam von der Gemeinde, vor allem aber vom Steinwerk Andelsbuch und von Werner Schedler, der die gesamten Steinarbeiten, den originellen Steintisch und den Steinhocker sponserte. Dazu kamen viele freiwillige Helferinnen und Helfer. Alle zehn Tage reinigen Roswitha und Anton Wirth die Trete. Einfach so. Weil es ihnen wichtig ist. Am Ufer stecken kleine Täfelchen in der Wiese: Rotklee (östrogenhaltig, harntreibend, krampflösend), Erdbeerblätter (blutreinigend, entschlackend), Fünffingerkraut (wundheilend, fiebersenkend), Mädesüß, Frauenmantel, Gundelrebe, Löwenzahn, Quendel, Spitzwegerich, Baldrian.

Die Kärtchen hat Isabella Felder gemacht, Pharmazeutin und frisch dabei. Vielleicht ist Kneipps 200. Geburtstag ein Anlass zu erkennen, dass wir so leben, wie er sich das gedacht hat – im Einklang mit Natur und Seele. Es gibt viele Gründe, um einen kühlen Kopf zu bewahren: Besonders im heißen Sommer an allen Brunnen, mit denen dieses Land gesegnet ist, bei der Wassertrete an der zauberhaften kleinen Mühle in Bezau, beim Barfußweg in Bizau und zuhause in jedem Zuber.

Autorin: Irmgard Kramer
Ausgabe: Reisemagazin Bregenzerwald – Sommer 2021

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