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Form im Wald

Form im Wald

Isabella Natter-Spets vom designforum Vorarlberg schreibt über altes und neues Design im Bregenzerwald.

An einem Haus, das der sechsjährige Caspar gemalt hat, zählt man 14 große und fünf kleine Fenster – an einer Hausseite, wohlgemerkt. „Fenster sind ganz wichtig, weil man ja sonst die Welt nicht sieht. Und weil das Haus sonst kein Muster hat.“ Fenster lenken unsere Wahrnehmung, sie sind wie Bilderrahmen für die Welt draußen. Sie beeinflussen Lichtstimmungen und haben Einfluss darauf, ob sich ein Raum eher öffentlich anfühlt oder privat. Kaum etwas anderes prägt die Erscheinung eines Hauses so sehr wie Schnitt, Maße und Anordnung seiner Fenster. Das Kreuzstockfenster ist der jüngste der traditionell im Bregenzerwald eingesetzten Fenstertypen und hat seinen Namen von einem Kreuzholz, das vier Glasteile verbindet. Eingebaut wurden diese „Krützstöck“ lange Zeit, bevor in Vorarlberg das Thema Energieeffizienz eine bestimmende Größe wurde. Und bevor sich die neue Holzbau- Architektur mit ihrer Schlichtheit im Bregenzerwald entwickelte.

Was aber tun, wenn man dabei ist, ein altes Wälderhaus zu sanieren und keine passenden Fenster findet? Man macht sie selbst. Wie Walter Felder, ein Architekt aus Egg, der anlässlich der Sanierung seines Wohnhauses eine stimmige Neuinterpretation der traditionellen Vorlage entwarf. Gemeinsam mit dem Fensterbauer Claus Schwarzmann aus Schoppernau tüftelte und diskutierte er, bis die Fenster schließlich produktionsreif waren.

Der „Krützstock“, wie dieses wunderbare Exemplar zeitgenössischer Bregenzerwälder Formgebung und Handwerkskunst ganz bescheiden heißt, ist nicht einfach nur ein Massivholzfenster mit bündigen Klappläden, sondern ein ausgeklügeltes System. Es besteht aus einem Eichenrahmen, der das Fichtenmassivholz- Fenster und die fassadenbündigen Klappläden einfasst. In seiner handwerklichen Präzision und dank der einfachen Handhabung erinnert es fast an eine Schmuckschatulle. Die schmalen Rahmenprofile sorgen für eine große Belichtungsfläche. Außerdem ist das Fenster passivhaustauglich. Es lässt sich in jede Wand einbauen – also nicht nur in geschindelte Holzhäuser, sondern auch in Beton-, Klinker- oder Lehmwände. Ursprünglich war das gar nicht geplant. „Vor Augen hatte ich eigentlich immer ein zeitgemäßes, ästhetisch anspruchsvolles Fenster für ein Wälderhaus“, sagt Felder. Auf die Frage, wo die beiden ihren Krützstock am liebsten eingesetzt sehen würden, antwortet Schwarzmann: „Bei Menschen, die offen für Besonderes sind, das Handwerk und die Liebe zum Detail schätzen. Dann ist es auch möglich, diesem Fenster ein ganz anderes, ungewöhnliches Umfeld zu geben – wo auch immer.“

Der „Krützstock“ ist im Werkraum Haus in Andelsbuch zu sehen – gemeinsam mit vielen zeitgemäß gestalteten und auf hohem handwerklichem Niveau gefertigten Produkten der Mitglieder des werkraum bregenzerwald, einer Kooperative für innovatives Handwerk im Bregenzerwald.

Autorin: Isabella Natter-Spets
Ausgabe: Reisemagazin Winter 2013-14

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