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Form im Wald

Form im Wald

Isabella Natter-Spets vom designforum Vorarlberg schreibt über altes und neues Design im Bregenzerwald.

Nach Schwarzenberg bin ich eigentlich gekommen, um beim Architekten und Designer Thomas Mennel den Prototyp der „Zôanô“ anzuschauen. Das Bregenzerwälder Wort bedeutet, frei übersetzt, „Weidenkorb“ und benennt ein mobiles Heizobjekt, das er gemeinsam mit Reinhard Muxel entwickelt hat. Schon nach wenigen Minuten sind wir bei ganz wesentlichen Fragen der Baukultur und der Wohnqualität die Freiraum für die Natur lassen. Mennel, der auch Althaus-Forscher ist, erzählt über Ecken, Winkel und Leerräume in Häusern, die keine geplante Funktion haben, dafür aber Platz lassen für das Leben der Menschen darin. Hier spricht ein Gestalter mit Leib und Seele. Einer, der neue Lösungen sucht, dabei aber nicht auf das Spielen verzichten will. Mennel schätzt das neue Wohnen im Bregenzerwald: die natürlichen, heimischen Materialien und die Qualitäten moderner Architektur, etwa die raumhohen Verglasungen, die hier in vielen neuen Häusern zu finden sind und das Drinnen und Draußen zu einem großen Ganzen verbinden.

Schön ist es etwa, im Winter drinnen an einer Glasfront zu sitzen und dem Schnee beim Fallen zuzuschauen. Leider bringen große Fensterflächen aber etwas mit sich, das Mennel „das Behaglichkeitsproblem“ nennt: Fenster sind kalt und gerade im Winter entziehen sie dem menschlichen Körper Wärme. „Da wäre eine Art Kachelofen ideal. Am besten ein mobiler, der bei Bedarf gute Wärme spendet, im Sommer aber unkompliziert entfernt werden kann. Und im Idealfall hat er auch sonst noch eine praktische Funktion.“ Diese ersten Überlegungen haben schließlich zu einem mobilen, formschönen, beheizbaren Sitzmöbel geführt: der „Zôanô“ Sie besteht aus einem Eschenholzgestell, um das Weiden geflochten wurden. Keine klassische Korbform, kein Zylinder, stattdessen ein eleganter Körper mit leichtem Abzug. Innen ist er mit Heizschlangen versehen, ausbetoniert und hat flexible Schläuche für den Anschluss an das Heizsystem. Die Zôanô wiegt rund 40 Kilogramm, wirkt natürlich, aber modern und fügt sich in eine Wälderstube genauso gut ein wie in ein Stadtloft.
Für die Zôanô und andere Entwürfe, etwa einen spektakulären, bereits in Hollywood eingesetzten Betonvorhang, erhielten Mennel und Muxel, als memux sowohl in Architektur als auch Design tätig, 2010 vom European Center for Architecture Art Design and Urban Studies einen der begehrten „40 under 40 Design/Architecture Awards“. Bei solcher Publicity drängt sich die Frage auf, wie sich die Weidenkörbe verkaufen. Da lacht Thomas Mennel: „Das mit dem Verkaufen ist so eine Sache. Das Produkt ist fixfertig, es ist recht schnell zu fertigen, es funktioniert. Es hat die Qualität von Freiheit, zeigt mit seinem Naturmaterial in unterschiedlichen Farben und Stärken, dass man als Gestalter nicht alles bestimmen muss. Aber uns fehlt einfach die Zeit, die Zôanô zu vertreiben. Sollten aber Anfragen kommen, soll es nicht an uns scheitern.“

Autorin: Isabella Natter-Spets
Ausgabe: Reisemagazin Winter 2015-16

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