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Ein Wald für Gentleman

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Eine Fahrt in den Bregenzerwald von Bregenz aus: vorbei am besten Biobauern des deutschsprachigen Raums in Doren, an den Bushaltestellen in Krumbach und den Holzschuhen von Devich, zum Ernele und dem Frauenmuseum in Hittisau.

Manchmal fahre ich von Bregenz in den Bregenzerwald, einfach so. Meistens nehme ich den Weg über Doren. Der beginnt in Bregenz mit der Langener Straße, unterhalb des Gebhardsbergs und des Känzele-Massivs mit seinem rosigroten Nagelfluh. In Doren, lese ich gerade, wirtschaftet der beste Biobauer des deutschen Sprachraums. Herr Lingenhel hat die Jury des Ceres – des Preises eines großen deutschen Agrarverlags – überzeugt, ja begeistert. „Dieser Landwirt ist immer am Ball, bildet sich fort, probiert Neues aus, ohne sich zu verrennen“, lobt ihn die Jury. Spielt er vielleicht sogar Fußball? Nein, kein Mittelfeldstratege, aber ein kluger Bauer. Er sei „nah am Verbraucher“ und jeder Winkel seines Betriebs sei vorbildlich gestaltet und „jederzeit vorzeigbar“. Ein kluges Kreislaufkonzept betreibe er, lobten ihn die deutschen Juroren.

„Ein dunkles Holzschindelhaus, daneben einige Kühe, die unter knorrigen Obstbäumen grasen, im Hintergrund eine weite Bergkulisse samt blauem Himmel. Umso überraschender: Hier wird moderne, mutige Biolandwirtschaft betrieben.“ Ja, so überrascht kann nur sein, wer den Wald nicht kennt. Beim jederzeit Vorzeigbaren muss ich wohl nächstes Mal vorbeischauen. Heute habe ich ein Ziel, das ich noch nie besucht habe, von dem mir aber allgemein vorgeschwärmt wird. Nein, ausnahmsweise nicht Krumbach. Obwohl ich keine Gelegenheit auslasse, diesen schönen Ort und seine vorausschauende Art der Kommunalpolitik zu loben. Aus dem Augenwinkel stelle ich fest, dass die Bushaltestellen dort weniger vom Landvolk bevölkert werden, das auf den Landbus wartet. Der verkehrt hier auch. Aber tatsächlich parken PKW an Bushaltestellen, deren Insassen die Details der Architektur besichtigen. Wo gibt’s das sonst noch auf der Welt? Meiner privaten Statistik zufolge führt übrigens die Stabskulptur des Japaners Sou Fujimoto. Keine Kunst, sie hat wohl die Lage mit dem schönsten Blick. Ich halte mich hier aber nicht auf, denn ich bin mit einer Freundin zum Essen unterwegs, nach Hittisau.

Wie ich so fahre und meiner Begleiterin erkläre, dass wir uns auf der Vorderwaldroute befinden, die man als fitnessbewusster Mensch mit dem Fahrrad bewältigt, in Vor-E-Bike-Zeiten schwitzend und körperlich beansprucht, tut sich linker Hand ein unverhoffter Halt auf. Ein eleganter, flacher Bau, zwei Holzkuben ineinandergeschachtelt, mit großen Schaufenstern, davor ein voller Parkplatz. Elegant und attraktiv, das müssen wir uns ansehen. Klar. Die Holzschuhfirma Devich hat hier ihren Schauraum. Vor Jahren schenkte mir meine Schwester einmal solche ursprünglich für den Stall gedachten, mit Kuhfell überzogenen Holzschuhe, da ich ja auch auf dem Land wohne, teilweise zumindest, in Niederösterreich. Auf dem unebenen Boden meines Anwesens erwiesen sich die Dinger aber als etwas gefährlich. Der Knöchel!

Als ich das im Schauraum erwähnte, hielt mir die freundliche Verkäuferin gleich den Beweis entgegen, was die Evolution nicht alles bewirkt. Die einst steifen Holzsohlen sind längst beweglich geworden, haben eine Fuge aus Plastik bekommen, sodass sie sich dem Untergrund beinahe anpassen wie Gummisohlen, nur härter. Einem Einkauf meiner Begleiterin stand somit nichts mehr im Weg. Man kann nicht sagen, dass sich der Ausstellungsraum dagegen gesperrt hätte. Im Augenblick, als ich ihn betrat, wusste ich, hier werden wir etwas finden. Freundlich, luftig, holzig, elegant – Schuhe in allen Varianten, Stiefel zum Schlüpfen und zum Schnüren, Felle glatt und zottig, Schaf, Ziege und Kalb, pink und Natur, weiter hinten lachten attraktive Kuhfelle hervor, und nahe der Kassa nahm man noch einen handgeschnitzten Buttermodel mit. Ich wollte meiner Begleiterin das Frauenmuseum zeigen, aber das kam, so viel war jetzt schon klar, erst nach dem Essen. Das Ernele in Hittisau, der Zubau zum berühmten Hotel Schiff, ist natürlich wieder so ein Holzbau, aber keiner gleicht hier dem anderen, alle sind sie elegant, die alten wie die neuen. Der hier ist ein cooler Würfel, innen Glas mit Holzlamellen rundum, mit einem feinen Garten. Erna heißt die Mutter des Chefs, die alemannische Verkleinerungsform deutet in der landesüblichen Bescheidenheit darauf hin, dass es erst recht um Größeres geht. Größere Gastlichkeit, zum Beispiel. Ehe wir bestellen konnten, erblickten wir das Gesicht eines älteren Herrn, eines englischen Gentleman, wie nicht zu überhören war, als er sich mit dem Kellner unterhielt. Er sah aus, als gehöre er genau hierher, in dieses helle Ambiente aus Holz mit der einsehbaren Küche, und er sah nicht nur vornehm aus, sondern glücklich. Wir freuten uns über die Umstände und auf die Gerichte, die einen so aussehen lassen.

Autor: Armin Thurnher
Ausgabe: Reisemagazin Bregenzerwald – Sommer 2020

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