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Ein Wälderhaus für zwei Familien

Ein Wälderhaus für zwei Familien

Ursprünglich war es das Heimathaus der Malerin Angelika Kauffmann. Thomas Mennel schafft darin Wohnraum für zwei Familien.

Der Bregenzerwälder Architekt Thomas Mennel baut bei der Umgestaltung eines alten Hauses zum modernen Wohnraum  vor allem auf eines: auf Zeit.

Von einem gewöhnlichen Zimmer kann man hier nicht sprechen – und doch ist es, was eigentlich damit gemeint ist: ein gezimmerter Raum. Der Architekt Thomas Mennel sitzt mir gegenüber, die Kinder toben, seine Frau werkelt – das alles in  einem einzigen Raum. Dieser ist Wohnzimmer, Küche, Esszimmer, Spielzimmer und teils gar Schlafzimmer in einem, rundum mit Holz verkleidet. Was wir gewohnt sind, darf man bei Thomas Mennel nicht erwarten. Dennoch nimmt er es mit dem Gewohnten sehr genau. Daraus ziehen wir die erste Lehre: Was wir heute gewohnt nennen, hat eine kurze Verfallszeit.

 

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Im Jahr 2001 erwirbt die Familie Mennel gemeinsam mit einer Freundesfamilie ein 400 Jahre altes Schwarzenberger Baudenkmal: das Heimathaus der Malerin Angelika Kauffmann (1741–1807). Zentrale Ortslage, intaktes Ensemble, Denkmal: Das ehemalige Bauernhaus, wie üblich in Wirtschafts- und Wohnteil gegliedert, soll als Wohnraum für zwei Familien umgebaut werden. Hohe Erwartungen.

Begonnen wird mit der Sanierung des Wohntrakts. Wertvolle Räume wie die holzvertäfelten Stuben und Kammern in Wälderart werden sorgfältig restauriert; andere wie die neue Wohnküche durch  Einbauten ergänzt; schließlich kommen neuartige hinzu. Da die Belichtung der tiefen Räume immer ein Problem darstellt, macht der Architekt die Decke im Flur lichtdurchlässig, indem er sie in einen Lattenrost auflöst. Typisch Mennel: ungewöhnlich, neu und doch so naheliegend, wie es auf einem Bauernhof immer gemacht wurde. Althergebracht also und revolutionär.

 

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Im Dach des Wohntrakts entwirft Mennel die eigene Wohnung als einzigen Raum. Der Dachraum gehört ihm zwar nicht, doch darf er die eigene Investition „abwohnen“. Er gestaltet den Ausbau so provisorisch, dass er für die späteren Vorstellungen der Eigentümer offen bleibt. In diesem „Ein-Raum“ lebt die Familie seit drei Jahren „in ästhetisierter Unterkonstruktion“, wie er augenzwinkernd ausführt. „Für die Kinder freue ich mich, dass sie’s so haben – es ist viel brauchbarer und sogar pflegeleichter als ein supercleanes Ambiente.“ Und verfügt dank dem vielen Holz über ein Klima und dank der offenen Fugen über eine Akustik, die dem Familienleben sehr zuträglich sind.

Noch ist in Arbeit, was das Provisorium ablösen soll: der Ausbau der Scheune zum Wohnraum. Auch da strapaziert Mennel unsere Gewohnheiten. Denn der Ausbau zieht sich, da für Thomas Mennel Bauen und Neuerschaffen immer auch Rückblick und Bauforschung bedeuten. So hat er an 40 Wälder Bauernhäusern Hausforschung betrieben. Nun fließt das Gelernte in die neue Konstruktion ein.

„Ich nehm’ als großen Schatz mit, was ich gesehen habe. Ich gehe jetzt noch zu Abbruchhäusern, finde dort intelligente Lösungen und oft bessere Details. Aber weil mehr Arbeit statt Material drinsteckt, macht man’s nicht mehr. Die zwei Holzdübel dort ersetzen beispielsweise zehn bis zwölf Schrauben, schonen das Holz, halten es stabil. Ich bin nicht gegen  neue Sachen, aber was ich heute oft sehe, ist ein Indiz, dass das eigene Handwerk, der eigene Stoff, nicht mehr kapiert wird. Jeder schafft ohne Rücksicht auf seinen Vorder- oder Nebenmann, alles soll noch schneller gehen.“

So zeigt die ganze Baustelle Mennels Ehrgeiz, jedes Detail, wirklich jedes, noch einmal zu hinterfragen. Alte Verfahren werden mit neuen Techniken kombiniert, etwa wenn die Decken nach alter Art durch keilartige Bohlen fugenfrei verspreizt,  jedoch durch einen Rahmen aus Flachstahl zusammengebunden werden. Bauen ohne Experiment ist ihm zu wenig. Da muss man eben auch warten und beobachten, wie sich etwas bewährt. Bisher hat’s an nichts gefehlt.

 

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Experiment: Das gilt natürlich besonders für die Architektur selbst, das Raumgefüge. „Ich bau’ mir ja nicht eine Scheune aus, um dann in gestapelten Stockwerken zu wohnen.“ Zu sehen sind stattdessen Decken, die im Raum zu schweben scheinen, jeweils um weniger als eine Handvoll Stufen versetzt, ein Raumkontinuum bis unters Dach. Und weil dieser fließende Raum nicht gestapelte Kisten sind, müssen die Stützen ganz dünn werden, aus Stahl, aus den Ecken gerückt, schräg gestellt.

Nur wenige geschlossene Wände werden das Erleben dieses Raumes stören, stattdessen viel Glas, mit Abstand von der alten Scheunenwand. Sie wird zum Schluss geöffnet und verbindet dann Modern mit Alt, Eingehaust mit Offen-zur-Landschaft.

Autor: Florian Aicher
Ausgabe: Reisemagazin Sommer 2012

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