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Ein Kopf voller Ideen

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Ein Kopf voller Ideen

Schmuckdesignerin Christina Fetz-Eberle zeigt in ihrem Glanzstück in Hittisau, wie sie mit handwerklichem Können und Gespür für Design heimische Traditionen bereichert.

Ich betrete ein Geschäft aus Weißtanne mit leinenbezogenen Möbeln, tulpenförmigen Vitrinen und ausgestellten Schmuckwerken, werde willkommen geheißen und fühle mich goldrichtig. In diesem Fall wortwörtlich, denn beim Glanzstück in Hittisau handelt es sich um ein Schmuckgeschäft. Auch stehe ich nicht zufällig hier: Als ausgebildete Goldschmiedin darf ich erstmals über eine Kollegin schreiben und möchte diesem organisch wirkenden Gesamtkonzept Glanzstück auf die Spur kommen. Die Suche beginnt bei der Gründerin. Christina Fetz-Eberle führt ihr Unternehmen seit zehn Jahren, das Geschäft im Dorfkern von Hittisau ist bereits ihr zweites. Sie hat früh mit der Selbständigkeit begonnen: Nach einer Doppellehre zur Einzelhandels- und Bürokauffrau, die sie mit „Ich dachte, das kann ich immer brauchen“ erklärt, zieht es sie geradewegs zur Schmuckherstellung.

Allerdings ist es schwierig, einen Ausbildungsplatz im Goldschmiedehandwerk zu finden. Die Stellen sind rar und entsprechend begehrt. Christina lässt sich nicht abbringen und wird im Vorhaben, ihren eigenen Weg einzuschlagen, von ihrem Vater Josef bestärkt. Der Schlosser macht sich mit ihr in die Goldschmiedehochburg Pforzheim auf, um das notwendige Material und Werkzeug zu beschaffen. In der alten Schmiede ihres Großvaters in Hittisau setzt sich Christina dann an den eigenen Werktisch. „Ich habe schnell gemerkt, dass Schmuckmachen meines ist. Doch die Bearbeitung von Edelstahl an den großen Maschinen meines Vaters war mühsam“, erinnert sich Christina Fetz- Eberle. Vom harten Material wechselt sie daraufhin zu „Art Clay Silver“, einer weichen Modelliermasse, die nach dem Brennvorgang zu Schmuck aus nahezu reinem Silber wird. Kein Sägen, Biegen, Schmieden, keine schweißtreibende Handwerksplackerei. Die Methode ermöglicht ein flexibles, wesentlich leichteres Gestalten und Ausformen, was letztlich auch weniger Arbeitsstunden erfordert. „Ich habe viele Blätter gemacht, und Blüten, sehr verspielte Sachen. Seit acht Jahren beschäftige mich schon damit und habe meinen eigenen Stil entwickelt“, erinnert sich die Schmuckgestalterin.

Dass sie mit ihrer Berufsvision die richtige Wahl getroffen hat, bestätigt ihr nach einiger Zeit auch die Hohenemser Goldschmiedin Anna Waibel, deren Schmuckstücke heute ebenfalls im Glanzstück zu finden sind. „Mein Schmuck verkaufte sich gut, aber ich hatte ja keinen Maßstab. Dann motivierte Anna mich, mit ihr einen Kurs zum Edelsteinfassen in der Schweiz zu besuchen. Dabei hat sich dann bestätigt, dass ich eine Hand für Metall und Steine habe und etwas kann. Das hat mich schon sehr gefreut.“ Die Designerin entwickelt ihre persönliche Handschrift: Der Schmuck ist filigran und die Details belohnen den zweiten Blick. Christinas Verbindung zur Natur spiegelt sich darin. In Form von Tropfen, Rosetten, Kelchen und Kugeln strahlen die Schmuckstücke eine bezaubernde Schlichtheit aus. Der Kundenstamm des Glanzstück wird größer und Christinas Familie auch. Nach der Geburt ihrer ersten Tochter kann die Unternehmerin trotzdem weiterarbeiten, Sofia hat eine ruhige Art. Ein starkes familiäres Netz tut das Übrige. Ein paar Jahre später folgt die Hochzeit mit Andreas, dem Vater von Sofia, und die Familie wächst um Theo und Pius. Ihr Geschäft baut Christina Fetz- Eberle ebenfalls aus. Am neuen Standort im Zentrum von Hittisau wird das Angebot mit Schmuck, Uhren und Kunsthandwerk umfangreicher. Ihre hohen Ansprüche an Kundenservice und Handwerk bleiben gleich. Gleichzeitig möchte sich Christina ihrer jungen Familie widmen. Die Unternehmerin trifft klare Entscheidungen, holt sich mit Pia, Helene und Sophia Verstärkung und überträgt Verantwortungen – auch was die Schmuckherstellung betrifft. Da sie zu wenig Zeit hat, selbst am Werktisch zu sitzen, lässt sie ihre Entwürfe von einem Goldschmied in Dornbirn fertigen. Eine Lösung, die sie zufriedenstellt. „Ich habe das Glück, dass auch Kunden von außen zu uns hereinfahren und unbedingt etwas von mir haben möchten. Ich kann ehrlich sagen, dass ich den Schmuck selbst entworfen habe, weil die Ideen und Wege zur handwerklichen Herstellung in meinem Kopf entstanden sind. Und damit sind die Stücke auch von mir.“ An Ideen mangle es nicht, davon habe sie noch viele. Dabei kombiniert sie modernes Design oft mit traditionellem Handwerk und regionalen Schätzen wie den im Glanzstück polierten Steinen aus der Subersach. Den traditionellen Juppenschmuck der Bregenzerwälder Tracht ergänzte sie vor kurzem in einer neuen Kollektion um den dazu passenden Ohrschmuck. Etwas, das es früher nicht gab, aber heute schon unverzichtbar wirkt.

Autorin: Mirjam Steinbock
Ausgabe: Reisemagazin Winter 2019-20

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