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Drei Kapellmeisterinnen im Schnee

Drei Kapellmeisterinnen im Schnee

Drei Kapellmeisterinnen im Schnee

Auch im Winter tragen die Dorfmusikkapellen des Bregenzerwaldes ganz wesentlich zur Kultur der Region bei. Wir stellen hier die Musikkapelle aus dem Dorf vor, das meist am tiefsten im Schnee steckt: den Musikverein Schröcken.

In Schröcken, einem Dorf mit 220 Einwohnern, spielen 35 davon im örtlichen Musikverein. Noch gibt es einen Kapellmeister, doch ihm folgen drei Musikerinnen aus dem Verein, die ihre Musikkapelle abwechselnd dirigieren werden. Natürlich fahren sie auch Ski. Wo am liebsten, verraten sie hier.

Der tiefe Klang von Blechbläsern dringt aus den offenen Fenstern des Vereinshauses. Am Dirigentenpult steht die 32-jährige Natalie Feuerstein. Der letzte Ton verklingt. Die Spannung fällt ab. Lächelnd reicht sie den Taktstock ihrer Schwester Sonja Feuerstein- Oss, 49 Jahre alt, die ihr Tenorhorn zur Seite legt, während Natalie ihre Querflöte nimmt, um nun dem Dirigat der großen Schwester zu folgen. Nach ihr legt Angela Schwarzmann, 44, das Saxofon ab und übernimmt die Leitung der Kapelle. Natalie, Sonja und Angela haben nicht nur leitende Funktionen in den Tourismusorten und Skigebieten Warth, Schröcken und Damüls. Sie teilen sich auch einen Taktstock als die künftigen Kapellmeisterinnen von Schröcken.

Die Geschichte der drei Kapellmeisterinnen beginnt vor rund hundert Jahren, als ein bitterarmes Paar seine drei Kinder verschenkt und nach Amerika auswandert. Damals kommt der kleine Josef Feuerstein nach Schröcken, spielt hier später Orgel, leitet den Kirchenchor, gründet mit 18 Männern den Musikverein und wird Kapellmeister. 1976 stirbt er bei einem tragischen Unglück. Nun muss sein 24-jähriger Sohn Heinz, ein Tischlermeister, die Kapelle übernehmen. Arbeit hat er bis zu seiner Pensionierung bei den Damülser Seilbahnen. Mit Herzblut, Enthusiasmus, Ausdauer und Organisationstalent schafft er es, die Kapelle über Jahrzehnte zusammenzuhalten und stetig weiterzuentwickeln. Für Nachwuchs sorgt er unter anderem, indem er die musikalische Leitung der Kindertrachtengruppe übernimmt.

Angela Schwarzmann gehört zu jenen Kindern, die wie alle Kinder nach ihr in der Trachtengruppe singt und tanzt und so eine erste musikalische Grundausbildung erhält. Ihr Vater Wilhelm ist ein Gründungsmitglied des Musikvereins Schröcken. Erst lernt Angela Klarinette, dann Saxofon wie ihr Bruder, ihre Nichte und ihr Cousin. Sie absolviert die Tourismusfachschule in Bezau und leitet ab 2008 das Tourismusbüro von Schröcken und Warth. Sie erlebt, wie Heinz die Blechbläser selbst ausbildet. Leider fehlt ein Horn. Das soll Tochter Sonja lernen. Aber die Elfjährige findet Privatunterricht von Papa uncool und protestiert. Ein Jahr später steigt sie dann doch mit neun Gleichaltrigen in die Jungmusikgruppe ein. Auch Sonja macht später die Tourismusfachschule, fängt bei den Skiliften in Schröcken als Kassiererin an. Heute leitet sie die Skipasskassen am Salober, betreut die Skipassprogrammierung für das Skigebiet Warth-Schröcken und erledigt Verwaltungsarbeiten sowie die Buchhaltung der Skilifte Schröcken.

Von der Skipasskasse und vom Skigebiet kann auch ihre jüngere Schwester Natalie ein Lied singen. Sie studierte Internationale Betriebswirtschaft und ist seit elf Jahren bei den Damülser Seilbahnen beschäftigt, mittlerweile als Büroleiterin, die sich um den Verkauf von Skipässen, Marketing und andere Aufgaben rund um den Seilbahnbetrieb kümmert. Alle drei Frauen tragen große Verantwortung in ihren Berufen, aber auch jeden Freitagabend, wenn sie neben 35 anderen in der Blasmusik spielen – in einem Dorf mit 220 Einwohnern.

Heinz sorgt sich um die Nachfolge für sein Lebenswerk, weiß aus anderen Dörfern, wie schwierig es ist, einen Kapellmeister zu finden, der die lange Anfahrt und die oft verrückten Wetterverhältnisse auf sich nimmt. Als das Unterrichtsfach Dirigieren als vierstufige Ausbildung über mehrere Semester 2016 von der Musikschule Bregenzerwald angeboten wird, setzt sich Heinz dafür ein, dass jemand nach Schröcken kommt, um auch hier auszubilden. Sieben aus seinem Musikverein lassen sich darauf ein. Nach der ersten Prüfung bleiben Sonja, Natalie und Angela übrig. „Wenn, dann nur miteinander“, sind sie sich einig. „Wir spielen alle so gern selbst, dass wir damit nicht ganz aufhören wollen.“ Alle zwei Wochen treffen sie sich zum Unterricht mit ihrem Lehrer Christian Schiestl. „Er ist ein Künstler und ein extrem guter Pädagoge. Er weiß, wie er mit Menschen umgehen muss, um das Beste aus ihnen herauszuholen“, sagt Natalie. „Wir mussten mit den Basics anfangen.“ Sonja spricht über Körperhaltung, Einsätze, Mimik und Atmung. „Schlussendlich sind Noten nur schwarze Punkte auf weißem Papier. Was herauskommt, liegt an der Person, die dirigiert und gestaltet“, sagt Angela.

Sie lernen Schlagbilder, Partiturtechnik, Notation für Schlagwerk, Tonumfänge und zu transponieren. Sie üben, ihre Hände unabhängig voneinander zu bewegen. Sie beschäftigen sich mit Klangfarben und diskutieren, ob sie das Stück „Camelot Chronicles“ im Dreivierteltakt oder im Slow Waltz dirigieren sollen. „Für mich ist es klar ein weicher Dreiviertler“, sagt Sonja. „Der Ritter steht unter dem Fenster und schmachtet die Prinzessin an.“ Die Frauen investieren viele Stunden in Partituren. „Je genauer wir eine Partitur kennen, umso besser laufen die Proben“, sagt Natalie. Mit Worten malen sie Bilder von kleinen und großen Fischen, von Burggeistern und durch einen Luftkanal wirbelnden Menschen.

Der Rückhalt und die Akzeptanz in ihrem Verein ist groß und sie können immer mit dessen Unterstützung rechnen. Zum großen Konzert am Jahresende stehen Konzertmärsche, moderne Literatur, Klassik oder Medleys auf dem Programm. Die Probenarbeit teilen sie sich zu viert auf. Papa Heinz spielt mit, lässt sich von den drei Frauen dirigieren oder nützt die Gelegenheit, um im Kapellmeisterbüro Noten zu sortieren. „Für mich ist es am schönsten, wenn ich in die zufriedenen Gesichter der Musikanten schaue und wir die Gemeinschaft aufleben lassen“, sagt Angela. Natalie und Sonja nicken. „Wenn der letzte Ton verklungen ist, ein Moment der Stille eintritt, der Applaus aufbrandet und alles funktioniert hat.“

Autorin: Irmgard Kramer
Reisemagazin Ausgabe: Winter 2022-23

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