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„Die Räuber“ im Bregenzerwald

„Die Räuber“ im Bregenzerwald

„Die Räuber“ im Bregenzerwald

In der Spielsaison 2022 führte der Theaterverein Bizau Eugene Ionescos „Der König stirbt“ auf. 160 Jahre Theatertradition, die nach Lustspielen von August von Kotzebue mit Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“ und „Die Räuber“ zur frühen Blüte kam. 1868 brachten die Bizauer acht Theaterstücke auf die Bühne im Saal des Gasthauses „Schwanen“. Man bestellte auch Stücke von Johann Nepomuk Nestroy aus Wien.

Während sich ländliche Laientheater anderswo damit begnügen, ihr Repertoire von den einst so beliebten Bauernschwänken auf nicht ganz taufrische Boulevardkomödien umzustellen, feierte der Theaterverein Bizau im Frühjahr 2022 mit Eugene Ionescos „Der König stirbt“ einen vom Publikum wie von der Kritik zu Recht bejubelten Erfolg – und blieb damit seiner bald mehr als 160-jährigen Tradition treu. Im Gefolge der Revolution von 1848 hatte sich auch im Bregenzerwald die Parteipolitik formiert, waren mit dem liberalen und dem katholisch-konservativen Lager jene beiden Gruppierungen entstanden, deren Auseinandersetzungen die regionale Geschichte der folgenden Jahrzehnte prägen sollten.

Zu den „Fortschrittlern“ zählten der Schoppernauer Dichter und Sozialreformer Franz Michael Felder (1839–1869), der Lithograph, Wirt, Gemeindevorsteher von Bezau und Landtagsabgeordnete Josef Feuerstein (1832–1903) oder auch der langjährige Gemeindevorsteher von Schnepfau, Franz Xaver Moosmann (1839–1891), der als bäuerlicher Autodidakt Latein, Griechisch, Althochdeutsch und Gotisch erlernt hatte. In Bizau gesellte sich Gebhard Wölfle (1848–1904) zu ihnen, als Tischler, Brunnenmacher, Mechaniker, Fotograf und sprachgewaltiger Mundartdichter eines der zahlreichen Bregenzerwälder Multitalente. 1866 übernahm Wölfle die Leitung einer Laienspielgruppe, die zwei Jahre zuvor um den Bizauer Bildhauer Anton Rüscher und zwei deutsche Wanderarbeiter zusammengekommen war.

Nachdem man sich zunächst an Lustspielen August von Kotzebues versucht hatte, gelangten schon bald Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“ und „Die Räuber“ zur Aufführung. Allein im Jahr 1868 brachten die Bizauer acht Theaterstücke auf die zunächst nur improvisierte Bühne im Saal des Gasthauses Schwanen. Man bestellte Texte in Wien, darunter Stücke von Johann Nestroy, gab „Gastspiele“ in anderen Orten der Talschaft und lud reisende Theatergruppen ein. Das konnte angesichts des zusehends raueren politischen Klimas nicht ohne Konsequenzen bleiben: „Denn gerade Schiller war bei den Katholisch-Konservativen als Revolutionär und Glaubensfeind verschrien. Wer ihn las, zitierte oder spielte, ließ sich weltanschaulich klar verorten – als ,Liberaler‘. ,Schiller‘ war ein kultureller Code, durch welchen Lagergrenzen definiert und politische Zuordnungen vorgenommen wurden“, schreibt der Sozialwissenschaftler Kurt Greussing. So verteufelte der Ortspfarrer von der Kanzel herab den Dichter Franz Michael Felder als „Ketzer“, „Freimaurer“ und „Antichristen“.

Gegen die „Maigesetze“ von 1868, die die Schulaufsicht der katholischen Kirche entzogen, die Zivilehe sowie den Wechsel des Glaubensbekenntnisses ermöglichten und die Ehegerichtsbarkeit den staatlichen Instanzen zuwiesen, rief der Klerus zum Ungehorsam auf. Es verwundert also nicht, dass sich auch in Bizau der Gegenwind bemerkbar machte – zumal der Sieg der Katholisch-Konservativen bei den Landtagswahlen von 1870 das Ende des politischen Liberalismus im Bregenzerwald einläutete. Man spielte zwar weiterhin Schiller, nun auch den „Wilhelm Tell“, Lessings „Minna von Barnhelm“, Nestroys „Lumpazivagabundus“ und sogar Shakespeares „König Lear“, letzteres Stück allerdings, wie 1892 sogar im Wiener Weltblatt „Neue Freie Presse“ zu lesen war, „ … vor fast leeren Bänken. Der Pfarrer von Bizau und dessen Amtsbrüder in der Nachbarschaft konnten diesen Erfolg als den ihren bezeichnen, und da jede Aufführung Auslagen verursachte, solche aber Zuschauer heischten, wurde der Musentempel mit ‚König Lear‘ geschlossen.“ Gebhard Wölfle berichtete dem Germanisten und Historiker Hermann Sander (1840–1919), das Theater sei von „unseren Zeloten geradezu totgeschlagen worden“. Unterkriegen ließ man sich freilich nicht. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahm die neu gegründete „Dilettanten Theatergesellschaft“ den Spielbetrieb wieder auf und führte ihn, nur unterbrochen von den beiden Weltkriegen und den ärgsten Jahren der Wirtschaftskrise, bis in die Gegenwart fort. Übrigens: 2023 steht in Bizau „Wie im Himmel“ von Kay Pollak auf dem Programm.

Autor: Alois Niederstätter
Ausgabe: Reisemagazin Bregenzerwald – Sommer 2023

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