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Des Landes höchster Bischof-Sitz

Des Landes höchster Bischof-Sitz

Tourismus oder nicht Tourismus ist für Damüls keine Frage. Er trägt auch zur Identität des Dorfes bei.

Es schneit sogar im Rheintal, als ich an einem sibirisch kalten Morgen ins Postauto steige, um nach Damüls zu reisen. Das Postauto ist zwar kein Postauto mehr, aber das mit der Reise hat schon etwas an sich. Ich werde viel von der Welt sehen heute: ihr schneereichstes Dorf zum Beispiel. Ich will einen wichtigen Mann in Damüls treffen. Dass er der Boss ist, steht dann, wenig überraschend, gleich auf seinem kurzärmeligen T-Shirt. Ich schaue ein bisschen alt aus in meinem dicken Norweger-Pullover. Sei’s drum. Es ist ja auch ein rechter Jungspund, der mich freundlich im Gemeindeamt empfängt. Stefan Bischof, Jahrgang 1976 und seit April 2010 Bürgermeister da heroben, ist ein Damülser Ureinwohner und ein politischer Quereinsteiger.

699 Jahre sind es her, seit die Walliser Walser sich im Jahr 1313 hier angesiedelt haben. Bis 1806 mit eigener Gerichtsbarkeit. Von da her könnte sich der Name Bischof ergeben haben: Von den „Bei-Schöffen“ nämlich. Alle Bischöfe mit einem „f“ wurzeln in Damüls, vom Dompfarrer bis zum Alt-Landesrat. Meine Großmutter väterlicherseits, Afra, gehört auch dazu. Es ist keine zwei Generationen her, da herrschte noch bittere, chronische Armut im winzigen Dorf. Um die 320 Einwohner sind es heute. Es waren schon einmal mehr, aber nicht viel mehr.

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Zur Hochsaison, im Winter, wenn Hotels, Gasthöfe und Privatzimmer ausgebucht sind, wächst die Bevölkerung auf gut 2.500 Menschen an. Dass die zahlreichen Gästebetten voll belegt sind, ist seit der Zusammenlegung der Skigebiete von Mellau und Damüls Alltag. Dementsprechend euphorisch, bei aller Bodenständigkeit, kommt der Gemeindechef auf das Thema. Sein Unverständnis angesichts einseitiger Gegenargumente zeigt er erfreulich gelassen, wenn auch unmissverständlich. In seinem Mund wird das Projekt zur größten Selbstverständlichkeit zwischen Bodensee und Hochtannberg oder gleich zwischen Nord- und Südpol. Und das im besten, nachhaltigen Sinn! Dabei sind die Schatten, über die so ein richtiger Damülser manchmal springen muss, recht lang. Vor allem liegen sie im Winter etliche Wochenhindurch über dem Dorf. 160.000 Winter Nächtigungen werden es heuer sein. Eines Tages will man bei 200.000 ankommen. Stefan Bischof kann dem touristischen Höhenflug viel Erfreuliches abgewinnen. Er selbst ist in einer Frühstückspension groß geworden. Heute steht er, nach einem Intermezzo als Geschäftsführer von Damüls-Faschina Tourismus, an der Spitze des Walserdorfes. Dabei kommen die Bischofs mehrheitlich aus der Landwirtschaft. Doch gibt es kaum noch Nur-Bauern im Dorf; man vermietet Gästezimmer, arbeitet bei den Seilbahnen. Überhaupt: die Damülser Seilbahnen. Zu dreißig Prozent im Besitz der Gemeinde als größter Eigentümerin, sorgten sie nach dem Krieg, in den Fünfzigerjahren, mit kräftiger Unterstützung kapitalkräftiger Bregenzer für den Aufschwung.

Der Tourismus, das betont der Gemeindevater nachdrücklich, sei ein Segen für die Gemeinde. Er bietet immer mehr jungen Familien die Basis, um sich ein Leben im Dorf aufzubauen. Die Gäste sind ein Phänomen, das zwar da und dort an der Identität der kleinen Walsersiedlung nagt, aber unter dem Strich ist der Tourismus ebenso ein ihre Identität ermöglichendes Element. „Wie vergrößere ich den Kindergarten?“ – das ist eine der Hauptaufgaben für Stefan Bischof. Der Geburtenrekord im Jahr 2011 gibt ihm die Ziele vor. Dass er sich auch noch um eine neue Friedhofsordnung kümmern muss, weil die Pfarrstelle nicht mehr besetzt ist, zeigt zusätzlich die Bandbreite der „bischöflichen“ Agenda.

Der letzte Bischof als Bürgermeister amtierte übrigens von 1936 bis 1938. Die Bischofs agieren eher in der zweiten Reihe, in den Vereinen, der Skischule, der Feuerwehr, der Musik, als Kassier im Snowboardverein; unauffällig, aber verlässlich, so wie Wetterwart Matthias Bischof, der seit dem 11. Jänner 1979 täglich die Schneehöhen misst (im Winter wenigstens – denn Damüls hat auch einen schönen Bergsommer!). Das schneereichste Dorf der Welt soll schneereichstes Dorf bleiben. Die Aussichten, dass dabei auch die Kirche im Dorf bleibt, sind gut: Sie steht seit dem späten 15. Jahrhundert an Ort und Stelle, ein Schmuckstück, weitum bekannt vor allem durch ihre Fresken, die „Armenbibel“.

Autor: Peter Natter
Ausgabe: Reisemagazin Winter 2012-13

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