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Das Ganze zur Einheit bringen

Das Ganze zur Einheit bringen

Vorarlberg gilt als weltbeste Region im Hausbau. Einer ihrer Meister ist der aus Mellau stammende, international erfolgreiche Architekt Helmut Dietrich. Hier reflektiert er über das Bregenzerwälderhaus und seine Folgen für unsere Zeit.

Fast übersieht man ihn ob seiner feinen Zurückhaltung in den weitläufigen, hohen Büroräumen: Helmut Dietrich, Chef eines der führenden Architekturbüros des Landes. Der Schalk eines Dorfbuben aus dem hinteren Bregenzerwald lugt ihm immer noch über die Schulter und die flinke Wachsamkeit der grünen Augen beglaubigt intensives Naturerleben in einer Jägerfamilie. „Landschaft ist für mich ein ganz starkes Motiv“, beginnt er das Gespräch, „die Achtung vor der gewachsenen Topografie. Die Eingriffe des Bauens sind so klein wie möglich zu halten, geringstmögliche Erdbewegung, die Häuser präzise in die Landschaft setzen. So wie’s im Bregenzerwald Jahrhunderte lang gemacht wurde – man will ja nicht unnötig Erde schaufeln. Das ist ein Vermächtnis, an dem man sich orientieren muss.

Die Konzentration der Form im Wälderhaus

Die Konzentration der Form gehört dazu: ein kompakter Bau. Faszinierend, wie Wohnen, Vieh, Lager, Gerät, Werkstatt unter einem Dach versammelt waren – eine Form, ein Körper, rechteckig, ohne Ausbuchtungen und Einschnürung: ein präziser kultureller Eingriff in einen Naturraum, dem mit Achtung begegnet wird.“ Dietrichs Onkel, ein Maler, hat ihm den Beruf eröffnet. Der in Vorarlberg lebende Architekt Ernst Hiesmayr war prägend, der Zimmermann-Architekt Leopold Kaufmann begleitete die ersten Jahre – eine Schule, der man sich nicht entziehen konnte. Die Wiederbelebung des Holzbaus kam sehr stark aus der Beschäftigung mit dem Skelettbau, seiner gerasterten, modularen Struktur und der ihm eigenen Disziplin bis hin in den Grundriss.

So war Dietrichs erstes Projekt dem Bregenzerwälderhaus nachempfunden: „Eindeutige Geometrie, fast japanisch im Raumgefüge; klarer Bau, ein Dach, immer aber neu im Umgang mit der Holzkonstruktion, den Holzelementen und Holzdetails. Auf diese Weise anknüpfen hieß, gegen damalige Praxis aufbegehren.

Entschiedenheit und Genauigkeit im Großen setzt sich fort im Kleinen und im Detail und erfordert dieselbe geistige und handwerkliche Leistung. Ein Können, das seit alters her mit sparsamstem Arbeits- und Materialeinsatz höchste Resultate erzielt. Das Handwerk, das in der Nachkriegszeit in seiner Überlieferung sehr stark gelitten hat, schwingt sich seit einer Generation zu neuer Blüte auf. Es ist weltweit begehrt und heute ein Alleinstellungsmerkmal des Bregenzerwaldes. Wir Architekten und Handwerker hier haben uns herausgefordert, Neues gewagt, pflegen heute eine viel bewunderte Baukultur. Wir verkehren auf selber Augenhöhe miteinander, ein Stolz ist spürbar, der aus der Achtung auch manueller Arbeit wächst. Das strahlt auf das Selbstverständnis von Land und Menschen aus. Ein Zusammenspiel, das Wirtschaft und Soziales erfasst hat, steht in scharfem Kontrast zu den Verwüstungen, die man auf dem Land von der Saar bis ins neue Osteuropa beobachten kann.

Noch immer ist das Einfamilienhaus im Bregenzerwald das Aushängeschild dieser Neuerung. Dafür zahlt man hier viel. Fast jeder ist in einem Bauernhaus aufgewachsen, kennt von daher kultiviertes Wohnen, man denke an die Stube, den zentralen Ofen, den vielseitigen Schopf. Das sind keine Abstraktionen, sondern Qualitäten, transformierbar in moderne Architektur. Davon beziehen wir, was der Architekturtheoretiker Friedrich Achleitner alltagsästhetische Gelassenheit nennt. Gerade heute ein wichtiger Begriff.

Unser Versuch, das Ganze zur Einheit zu bringen, ist dem Wälderhaus abgeschaut

Bei aller Problematik des Einfamilienhauses: Wir haben Typen entwickelt, die sich der Hauslandschaft als einem intakten Ensemble eingliedern, es weiterbauen und behaupten und hohe Wohnqualität erschwinglich machen. Unsere Tendenz, das Ganze zur Einheit zu bringen, haben wir dem Wälderhaus abgeschaut – und dabei bisweilen die Form überspannt. Dann wird das Haus zur Skulptur, zu Design und zum Mittel der Selbstdarstellung. Alles scheint möglich, die ,Spielregeln‘ lösen sich auf, der Bezug zum Bestand bricht ab, man will sich hervortun. Was mich sorgt: Wir erleben eine Welle des Abrisses, das gewachsene Haus weicht einem extravaganten Entwurf. Nutzerqualität en, wie sie sich allmählich herausgebildet haben, erreichen diese schnellen Ideen jedoch selten. So wird gutes Bauen einerseits vom Kunstwollen bedrängt. Andererseits auch von der Technik: Mir wäre nie in den Sinn gekommen, dass ein Haus ein Kleinkraftwerk sei. Natürlich: sorgsamer Umgang mit allen Ressourcen, Vermeidung von Energieabhängigkeit und regionale Wertschöpfung, ja – jedes unserer Häuser kann das seit Jahrzehnten, erreicht beste Werte. Doch ein Passivhaus war nicht darunter. Bauen kann Enormes leisten, etwa den Verbrauch von 200 kWh/a auf 50 senken. Doch mit höchstem Aufwand von 17 auf 15 kWh zu kommen, dieses Bemühen leuchtet mir nicht ein. Seit über Architektur nachgedacht wird, erfährt man sie als ein Zusammenspiel: Gebräuchlichkeit, Beständigkeit und Schönheit nennen die ältesten Texte. Ich glaube, das Zusammenspiel aller Faktoren muss selbstverständlich sein – beim Bau, bei der Baukultur, beim Leben im Land und der Menschen.“

Autor: Florian Aicher
Ausgabe: Reisemagazin Winter 2009/10

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