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Das Bunte – Pflicht im Weißen?

Das Bunte – Pflicht im Weißen?

Das Bunte – Pflicht im Weißen?

Unserem Autor sticht diesmal die farbige Bekleidung der Pistenmode-Aficionados ins Auge. Was ihn an seine bunten Zeiten erinnert.

Es muss mit dem Alter des Kolumnisten zu tun haben, dass ihm Sentenzen aus grauer Vorzeit einfallen, wenn ihm ein Thema aufgegeben wird. Graue Vorzeit und das Thema Pistenmode – wie passt denn das zusammen? Kinder sind verführbar durch Buntes, und so wollten auch wir in grauer Vorzeit das Bunte haben, jedes Jahr neues Buntes, das Selbergestrickte wurde zähneknirschend übergezogen, und die Eschenski waren zwar Standard, aber schon kam Aufregenderes auf, aus Plastik, Metall und Fiberglas.

Den penzenden Kindern gab die Mutter folgende Lebensweisheit mit: „Schau dir einmal die Fabrikantenkinder an. Die erkennst du daran, dass sie nicht nach der buntesten Mode angezogen sind. Die haben immer die ältesten Sachen, gerade weil sie sich jedes Jahr die neuesten leisten könnten.“ Ich befolgte den Rat; er war lehrreich, wenngleich wenig tröstlich. Da waren sie tatsächlich, die reichen Gören, in ausgewaschenen Anoraks, getragen in der dritten Generation, und auch ihre Väter genierten sich nicht, total außer der Mode daherzukommen, in Pluderhosen und Windjacken. Sie wetteiferten mit den Liftwarten, wer das weniger modische Gewand trug.

Der Liftwart ist in der Regel ein ehrenwerter Landwirt – mein liebster trug den schönen Namen Liebreich –, der sich in der Wintersaison etwas dazuverdient. Gern trägt er im ledrigen Antlitz vergessene Sonnenbrillenmodelle. Ich habe den Verdacht, dass es nicht nur der Geiz der Bauern ist, der sie derart unmodisch daherkommen lässt. Vielleicht sind es die Seilbahngesellschaften, die Liftwarte dazu anhalten, sich möglichst unmodisch zu kleiden, damit noch der am un-buntesten gekleidete Tourist (in der Regel, obwohl kein Fabrikant, ich) sich damit trösten kann, dass es auf dem Hang noch ein paar Unmodischere gibt als ihn.

Das Bunte war und ist nicht nur Pflicht im Weißen, es dient auch als Erkennungszeichen: Rote Anoraks, das sind meist die feschen Teufel von der Skischule. Früher war drunter immer ein roter Pullover mit aufgenähtem Bundesadler und man wusste, was so eine beadlerte Brust zu bedeuten hatte.

Schutz war weniger angesagt in diesen Zeiten, Schönheit ging vor. Wie wir auf den Sesselliften zitternd froren in schwarzen, hautengen Stretchskihosen! Egal, Hauptsache, die wohlgeformten Oberschenkel zeichneten sich ab. Die Farbe blieb dem Anorak und der Mütze vorbehalten. Ja, ich gestehe, auch ich war ein Skilehrer, Hilfsskilehrer zwar nur, nicht staatlich geprüfter, aber den roten Anorak hatte ich, und wer wollte da schon genauer hinsehen, wenn die Form der Oberschenkel passte.

Sind die Menschen schlauer geworden? In einem gewiss: Komfort geht vor, auch Sicherheit. Niemand friert mehr auf dem Lift. Dafür sorgen weltraumgetestete Materialien. Was mit der Beschleunigung und Glattpräparierung der Pisten und der Taillierung der Ski an Tempo dazukommt, auch für die, die es nicht beherrschen, kompensiert man mit Helm, Rückenschutz und dergleichen. Schon gibt es den Nostalgieski aus Esche, für harte Burschen gewiss auch mit Fangriemenbindung – Risiko muss sich wieder lohnen, notfalls mit Hals- und Beinbruch! Dafür lockt die Werbung: „Keine bunten Prints, kein Schnickschnack, nur pures Holz strahlt uns in einem Honigton freudig an.“

Dankbar gedenke ich angesichts dieses freudigen Honiggedöns der Folgen meiner unflexiblen Backen-Seilzugbindung. Auf dem sogenannten Märzenfeld unweit des Vaterhauses in Bregenz bohrte sich der Ski nach einem Schanzensprung (gestandene Weite zirka vier Meter) in einen Maulwurfshügel und verpasste mir einen Bänderriss. Der Hausarzt schiente das Bein an Mutters Bügelbrett, sechs Wochen lag ich zu Hause und brachte mir in dieser Zeit selbst das Lesen bei. Mit einer Sicherheitsbindung wäre ich vielleicht Analphabet geblieben und hätte niemals jene fantastischen Anzeigen zur Skimode lesen können, in denen immer wieder die Funktionalität der Sachen, die Intelligenz der Gewebe, das Systemische an der Körperbelüftung, die Hebung des Sicherheitsstandards betont wird. „Erst danach sollten Sie Ihren Blick aufs Design werfen!“ Selbst der Helm, an dessen Existenz seinerzeit nicht einmal Abfahrer dachten, wirkt zwar als Markenerkennungszeichen im Fernsehen, auf das der zusehende Patriot regelmäßig hingewiesen wird: „Der mit dem gelben Helm“ gewinnt immer. Aber die Begründung für den Helm lautet ganz anders: Er ist wärmer als eine Kappe. Niemals kalte Ohren dank Helm!

Schließlich die Skischuhe. Das Herz bricht einem, wenn man sich zwischen Hard- und Softboots entscheiden muss. Nie wieder wird die Familie, vom Skitag im Bregenzerwald zurückgekehrt, in der Küche gemeinsam die klammen Zehen auftauen, nachdem sich endlich die vereisten Schnürsenkel gelöst haben. Damit wir uns nicht missverstehen: Ich erfreue mich des gestiegenen Komforts, man spürt weder Wind noch Wetter, der Schnee ist nicht kalt, der Sturz nicht mehr gefährlich, die Fingerchen immer rosig warm.

Gott sei Dank vergisst man all das, wenn man wieder auf 2.000 Meter Höhe steht und ins Tal schaut. Mode hin, Technik her: Ein guter Schnee, ein feiner Hang, und man kommt dem Gefühl zu fliegen, zu schweben, den Körper fast schwerelos zu machen, ziemlich nahe. Das war in grauer Vorzeit so, das ist in bunter Gegenwart so: Es zählt nicht, wie man aussieht, sondern wie man fährt. Daran wird keine Pistenmode etwas ändern.

Autor: Armin Thurnher
Ausgabe: Reisemagazin Winter 2012-13

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