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Das Beste aus Alt und Neu

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Das Haus der Familie Frick ist ein schönes Beispiel für den gelungenen Umbau eines alten Bauernhauses zu einem Gebäude für zeitgemäßes Wohnen.

Droben in Bergeinsamkeit und doch unten im umtriebigen Tal; draußen auf dem Land und doch inmitten urbaner Kultur; immer die frische Luft um die Nase und doch räumlich geborgen; eingetaucht in Geschichte und doch entschieden modern; lebhafte Familie zuhause und Erwerbstätigkeit draußen – was andernorts Gegensätze sind, vereinen junge Bregenzerwälder heute ganz selbstverständlich. Basisstation einer solch lebendigen Vielfalt ist das eigene Haus. Das ist hier in der Gegend schon lange so – und doch ist da einiges im Umbruch. Einige Generationen lang war das eigene Haus ein Neubau. Das war modern; doch die Moderne, die den Bestand außer Kraft setzte, wirkt heute selbst eigenartig kraftlos. Das eigene Haus bleibt. Was im Umbruch ist, zeigt das Haus der Familie Frick. Ein altes Bauernhaus ist es, auf neue Bedürfnisse zugeschnitten und Mittelpunkt der jungen Familie: ein Ort lebendiger Vielfalt. Wie das geht? Ein Bauernhaus war nie ganz fertig, hat sich immer verändert, wurde erweitert oder verkleinert. Mit dem Ende landwirtschaftlicher Nutzung setzt es neues Potenzial frei.

 

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Das auszuschöpfen freilich Kraft erfordert. Geistige zunächst: Vor allem Natalia Frick, die in einem Bauernhaus im Vorderwald aufgewachsen war, schüttelt es noch heute, wenn sie an die Eisblumen bei der morgendlichen Toilette denkt. Heute, nach überwundener Skepsis und erfolgreichem Umbau, bekennt sie mit typischem Wälderstolz:

Für die hat sie gern ihre Anstellung als Betriebswirtin eingetauscht. Die Erfahrung als Hauswirtin wird sich später schon auszahlen.

 

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„Die beiden Älteren ziehen neuerdings in den nahen Wald. Abends zeigen sich vor dem Fenster Reh und Hase und nachts hat neulich der Fuchs die vergessenen Hölzler gestohlen.“ Viel Kraft hat der Umbau von Mitte 2010 bis Ende 2011 gekostet – Eigenarbeit eingeschlossen. Geplant und den Bau überwacht hat der Architekt Bernd Frick selbst. Als Kind hatte er immer dieses Bauernhaus vor Augen. In den Siebzigerjahren als Ferienhaus betrieben, verfiel es allmählich. Ein eigenartiges Haus: Entgegen dem Brauch steht es rechtwinklig statt parallel zum Hang und fällt durch seine Größe auf. Das Haus besaß einen eigenen, ungewöhnlich hohen Käsekeller – ein Hinweis auf die planmäßige Anlage zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Diese Besonderheit des in üblichem Strick aufgeführten Baus erwies sich für den Umbau als großes Plus – vor allem bei der Absenkung der Kellerdecke, um eine passable Raumhöhe im Erdgeschoß zu gewinnen. Das große Dach wiederum erlaubte ohne Einbußen denselben Schritt in die andere Richtung – so haben auch die Zimmer im Obergeschoß die heute übliche Raumhöhe. Die beiden großen Stuben behielten ihr altes Täfer an Wand und Decke, lediglich im Sockelbereich wurde es ergänzt. Die Fenster hat man mit Feingefühl für Maß und Proportion vergrößert. Neu ist der Boden aus massiver Eiche. An die Stuben schließen Küche und Essraum an – das Lebenszentrum des Hauses. Entstanden aus der Neuordnung des vormaligen Küchenflurs ist ein beidseitig belichteter Raum mit Panorama-Blick auf Hirschberg und Hangspitze – ein weißer Raum mit Küche in weißem Schleiflack und Edelstahl, der außer dem alten, holzbefeuerten Herd und wenig sichtbar belassener Strick-Wand nichts mehr vom Vergangenen verrät. Daran schließt die ehemalige Tenne an. Der Eingangsraum mit Garderobe und Treppen nach oben und unten hat einen unempfindlichen geschliffenen Betonestrich und öffnet sich raumhoch verglast zum Tal.

 

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Auf der anderen Seite des Hauses befindet sich der Schopf – als Frühstücksplatz, direkt vom Zentralraum zugänglich, und an heißen Tagen erholsamer Schattenplatz. Im ehemaligen Stall- und Heuraum finden sich Windfang, Garage, Werkstatt und Lagerräume. Dieser Hausteil, gut ein Drittel der Gesamtlänge, birgt üppiges Ausbaupotenzial – ebenso wie der Dachboden über dem Schlafgeschoß mit drei Schlafzimmern, Bädern und einem Spielzimmer. Das Haus hat eine neue Hülle mit einer Holzwolledämmung hinter einem Schindelschirm im Wohnbereich und einer erneuerten senkrechten Schalung im ehemaligen Wirtschaftsteil. Das Dach ist in Hinblick auf spätere Nutzung mit Holz-Weichfaser-Platten gedämmt. Eine Wärmepumpe mit Fußbodenheizung und der alte Kachelofen sowie sorgfältige Materialwahl sorgen für ein behagliches Klima. „Wir wollten nichts nachmachen und haben uns auch beherzt getrennt von dem, was alt und hin war. Erhalten, reparieren und weiternutzen, wo immer möglich, doch auch keine Scheu vor Neuem“, fasst der Architekt Bernd Frick sein Vorgehen zusammen.

Autor: Florian Aicher
Ausgabe: Reisemagazin Sommer 2014

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