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Bescheidenheit auf hohem Niveau

Bescheidenheit auf hohem Niveau

Katharina Bilgeri zelebriert am Hochhäderich eine einfache Küche. Doch gerade damit verschafft sie ihren Gästen einen einmaligen Genuss.

Katharina genießt bescheiden. Ich fahre im Nebel eine Straße bergauf, vor mir Katharinas Geländewagen, wohl das kleinste Modell, das Suzuki je auf den Markt gebracht hat. Vollbeladen! Wenn ich hier schreibe „voll“, meine ich wirklich voll. In diesem Auto ist alles, was sie für ihre Arbeit braucht: ihre Helferinnen sowie die Zutaten für ihre selbstgemachten Köstlichkeiten. Hinten am Auto klebt die Aufschrift „Berggasthaus Hochhäderich“. Da will ich hin.

Vor mir fährt Katharina Bilgeri, hinaus aus dem Nebel, der Unzufriedenheit und dem Gefühl, immer mehr zu brauchen. Hinauf auf den Berg, in die Sonne, dort wo Bescheidenheit noch glücklich machen kann. Ein kühler, frischer Herbstwind weht mir um die Nase – und dann diese Sonnenstrahlen! Die Sonnenstrahlen über der dichten weißen Nebeldecke machen direkt glücklich. Wir sitzen auf der Terrasse des Gasthauses und genießen den Blick. Ein imposantes Bergpanorama, beleuchtet von der Morgensonne, darunter ein dicker, weißer Wattebausch, der das Tal bedeckt.

„Der Ausblick hier ist jeden Tag anders. Dieser Blick gibt mir täglich das Gefühl von Weite und Freiheit. So kann ich Kraft tanken für den Tag und die damit verbundene Arbeit“, sagt Katharina. Das Gasthaus am Hochhäderich ist Katharinas Leidenschaft. Mit Stolz erzählt sie von früher, den „schweren Zeiten“, als ihre fünf Kinder noch klein waren und sie alles miteinander unter einen Hut bringen musste. „Es war schwer, die Kinder in Lingenau zuhause zu lassen und am Morgen hier herauf zu fahren. Ich habe am Vortag das Nötigste für die Kinder vorbereitet, und nach dem Arbeitstag auf dem Hochhäderich gehofft, dass alle wohlbehalten daheim sind. Meine Kinder konnten so selbstständig werden.“

Die Gaststube am Hochhäderich ist gemütlich und nach der Küche der wichtigste Teil des Hauses. Katharina liebt es, wenn hier musiziert wird. Sie erzählt von Musikern, die zufällig vorbeikommen und sie und ihre Gäste mit ihren Stücken überraschen. Jeden dritten Donnerstag findet ein Singnachmittag statt. Aus dem ganzen Bregenzerwald treffen sie sich hier, um gemeinsam den Berg und die Musik zu genießen. In der Küche des Berggasthauses steht Marie-Luise. Die Tochter von Katharina hilft ihr tatkräftig – außerdem hat sie das Haus in dieser Saison gepachtet. Marie-Luise bereitet gerade den täglichen Apfelkuchen zu.

Katharina schmunzelt: „Dieser Kuchen hat meistens keine Zeit auszukühlen. So schnell geht er uns aus.“ Sie selbst schneidet ein paar Zwiebeln fein und schwitzt sie sogleich in etwas heißem Butterschmalz an, bis sie schön glasig sind. Dann rührt sie Mehl ein, bis es sich leicht gelblich verfärbt, dann gießt sie mit Wasser und Milch auf. Sie verrührt die Suppe kräftig, damit sich keine Klumpen bilden. Auf der Speisekarte des Gasthauses stehen einfache Gerichte. „Wir müssen flexibel sein und halten die Karte einfach und klein. Die Hüttensuppe, das ist unsere Erbsensuppe mit Wienerle, darf nicht fehlen.“ Katharina reibt Bergkäse und schmeckt die Suppe mit Salz, Pfeffer und etwas Suppenwürze ab. „Die regionalen Produkte sind mir sehr wichtig: die Würste, der Käse und das Brot.

Ich achte besonders darauf, dass ich alles im Bregenzerwald besorgen kann. Früher hatten wir selbst ein Geschäft und daher weiß ich, wie wichtig es ist, die kleinen Geschäfte zu unterstützen. Wir haben Ziegen. Ihre Milch bringen wir einer Frau, die daraus wunderbaren Käse macht.“ Nun rührt sie den geriebenen Bregenzerwälder Bergkäse sorgfältig in die Suppe ein und lässt sie noch einige Minuten auf dem Gasherd köcheln. „Wir brauchen keinen Strom hier heroben. Für das Licht haben wir die Solaranlage. Geheizt wird mit Holz und zum Kochen verwenden wir Gas.“ Ich bewundere Katharinas Stolz und ihre Freude an der Bescheidenheit. Durch ihren Mann kam sie zum Gasthaus Hochhäderich. „Ich saß als junge Frau hier in der Stube und schaute den Leuten beim Arbeiten zu. Damals dachte ich, das hier würde mir richtig gefallen.“ Die Schwiegereltern hatten damals noch die alte Hütte bewirtschaftet. Doch dann wurden dem Haus im Jahre 1956 die Schneemassen zum Verhängnis. Die neue Hütte musste innerhalb weniger Monate errichtet werden, um zu Saisonbeginn für Gäste öffnen zu können. Mit großer Dankbarkeit denkt Katharina an ihre Schwiegereltern zurück. „Wir wollen das Haus und die Bescheidenheit des Berges und der Natur beibehalten. Ich möchte das auch meinen Gästen so weitergeben. Sie sollen auch die schönen Plätze hier auf dem Hochhäderich selbst entdecken und nicht dort hingeführt werden.“ Ihr Blick fällt durchs Küchenfenster auf das einmalige Bergpanorama – und Katharina strahlt.

Koch-Tipp: Bregenzerwälder Käsesuppe

Zutaten für 4 Personen:

  • 1 Zwiebel,
  • Butterschmalz,
  • 30 g Mehl,
  • 500 ml Wasser,
  • 200 ml Milch,
  • nach Geschmack ca. 100 g Bergkäse gerieben,
  • Salz, Pfeffer, Suppenwürze

Die Zwiebeln fein schneiden und im Butterschmalz glasig anschwitzen. Mit dem Mehl stauben und leicht gelblich anrösten. Mit Wasser und Milch aufgießen und kräftig mit dem Schneebesen rühren, damit sich keine Klumpen bilden. Die Suppe mit Salz, Pfeffer und Suppenwürze abschmecken. Den geriebenen Bergkäse sorgfältig in die Suppe einrühren und einige Minuten köcheln lassen. Die Suppe anrichten und mit frischen Kräutern garnieren.

Neu interpretiert von Milena Broger
als Cappuccino vom Bregenzerwälder Bergkäse mit Kräutercroutons

Zutaten für 4 Personen:

  • 1 Zwiebel,
  • Knoblauch,
  • ein Zweig Rosmarin und Thymian,
  • Butterschmalz,
  • 30 g Mehl,
  • 500 ml Wasser,
  • 200 ml Milch,
  • nach Geschmack ca. 100 g Bergkäse gerieben,
  • Salz, Pfeffer, Suppenwürze,
  • 300 ml Milch,
  • frische Kräuter (Petersilie, Schnittlauch, Basilikum, Majoran, …),
  • etwas mildes Olivenöl,
  • Salz, Pfeffer,
  • Weißbrotwürfel

Die Zwiebeln fein schneiden und im heißen Butterschmalz mit einer zerstoßenen Knoblauchzehe und dem Thymian- und Rosmarinzweig glasig anschwitzen. Mit dem Mehl stauben und leicht gelblich anrösten. Mit Wasser und Milch aufgießen und kräftig mit dem Schneebesen rühren, damit sich keine Klumpen bilden. Die Suppe mit Salz, Pfeffer und etwas Suppenwürze abschmecken. Den geriebenen Bergkäse sorgfältig in die Suppe einrühren und einige Minuten köcheln lassen. Die frischen Kräuter mit etwas mildem Olivenöl im Cutter zu feinem Kräuterpesto mixen und mit Salz und Pfeffer würzen. Die Croutons in heißem Öl knusprig rösten und mit dem Kräuterpesto abschmecken. Die Milch erhitzen und aufschäumen und mit dem Pesto leicht grünlich einfärben. Die Suppe in ein hitzebeständiges Glas gießen, den Milchschaum darauf setzen mit frischen Kräutern garnieren und mit den Kräutercroutons servieren.

Autorin: Milena Broger
Ausgabe: Reisemagazin Sommer 2011

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