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Bergahorehai

Bergahorehai

Leise rieselt der Schnee in Damüls, dem schneereichsten Dorf der Alpen. Da sollte er dann still liegen bleiben und nicht durch Musik aufgestöbert werden.

Immer wenn der Winter kommt, denke ich an „das schneereichste Dorf der Alpen“. Mit diesem Slogan wirbt Damüls für sich, und ich bin noch nie enttäuscht worden. Immer wenn ich dort war, hatten die Schnee. Immer wenn ich dort war, hat es auf den üppig vorhandenen Schnee noch draufgeschneit. Wenn es nicht geschneit hat, war es kalt genug, dass sie den reichlich vorhandenen Schnee weiter beschneien konnten. Damüls hat also immer Schnee, wenn ich komme. Ich komme natürlich nicht im Juni oder Juli zum Skifahren – das gebe ich zu. Ein März-Termin stellt aber überhaupt kein Problem für den Damülser Schnee dar. Die rauschhafte Illusion, auf leichtem Schlagobers zu schweben, habe ich dort zumindest für einen Tag noch immer bekommen.

Schon als Kind war ich in Damüls, als der Uga-Sessellift noch ein offener Einsitzer war mit dem gefühlten Komfort eines Fünfzigerjahre-Gartensesselchens (nicht gerade die mit Spaghettiplastik bezogenen, aber die mit den kleinen Holzlatten). Man hatte auf solchen Liften ein mulmiges Gefühl. Die Skier baumelten in der Luft und man war immer froh, oben angekommen zu sein. Heute hingegen sitzt man zu sechst nebeneinander, die Skier ruhen bequem auf einem Bügel. Wenn es schneit, schließt sich über einem – gern auch automatisch – eine Glaskuppel, und man entsteigt dem weichgepolsterten Sessel ausgeruht und mit schneefreiem Anorak. Ehe ich weiter über den Damülser Schnee nachdenke, eine kleine Zwischenbemerkung. In den letzten Jahren war nämlich ein Umweltproblem zu beklagen, das mich vor allen deswegen stört, weil die meisten Menschen es nicht als Umweltproblem wahrzunehmen scheinen, sondern  als Urlaubsbonus: die Musik. Ich bin kein Freund der sogenannten populären Volksmusik nach dem Muster „Resl lass mi eini“, neige auch nicht dem volkstümlichen Liedgut englischer oder gar österreichischer Provenienz (Schifoan!) zu, selbst wohlexekutierte Blasmusik muss ich nicht haben. Ich bin kein Menschenfeind, lege bloß Wert darauf, akustisch nicht belästigt zu werden. Unter all den Umweltbelästigungen ist der Lärm die heute am meisten unterschätzte. In Ställen beschallt man die Kühe, in Supermärkten die Konsumenten und in Lokalen die Gäste. Bei Sportveranstaltungen, wo man früher dachte, es gebe lärmfreie Zonen, damit sich die Sportler konzentrieren können, merzt man diese immer mehr aus: beim Seitenwechsel im Tennis, beim Skirennen, beim Fußball nach dem Tor sowieso – immer ertönt lästige Musik.

Gerade unter ökologischen Gesichtspunkten ist eine naturbelassene Geräuschkulisse lebenswichtig. Silofreie Milch macht guten Käse, das weiß man im Bregenzerwald. Lärmfreie Landschaft macht gute Menschen: Da scheint man draufzukommen, denn es hat sich diesbezüglich zumindest in Damüls einiges gebessert. Vor wenigen Jahren noch blies einem auf allen Mittelstationen lautstarker Frohsinn entgegen, aus Lautsprechern von gut besetzten Holzterrassen voller eingecremter, sonnenbebrillter und bestens gelaunter Gäste. Heute hat man den Lärmpegel gesenkt oder die Musik ganz abgestellt.

Über weite Pistenstrecken hört man nur noch das Schaben der eigenen Kanten oder das Schaben und Kratzen der Pistenmitbevölkerung; das ist gut so, denn heute wird in der Regel schnell gefahren. Die Carver an den Füßen signalisieren dem Durchschnittsfahrer Überdurchschnittlichkeit, und so fährt er denn auch. Es schützen ihn ja Helm und Rückenprotektor. Die Pisten sind heutzutage präpariert, also ziemlich hügelfrei. Aus der ehemals schwarzen Buckelpiste Wallisgaden ist eine schwarze Glattpiste geworden; nach dem letzten Skifahrer und Snowboarder kommen die Ratraks und pflegen im Schein der Sterne die Piste.

Solange die Damülser da und dort noch ein bisschen Tiefschnee freilassen –  und das tun sie, sie haben ja genug davon –, werde ich dagegen nichts einwenden. Man kann sich für all die Glätte mit Ausflügen ins Gelände schadlos halten. Gegen markierte und gepflegte Pisten ist gar nichts zu sagen. Jetzt haben sie ein Skikarussell in Damüls; es geht auf der  anderen Seite nach Mellau hinunter. Um dort anzukommen, fährt man sogar durch einen Tunnel (vor der Einfahrt wird das
Tempo weggenommen).

Die zeitgenössischen Sechserlifte haben außer ihrem Komfort noch einen Vorteil: Man kann den Konversationen zahlreicher Pistenkollegen lauschen. Wie sie die nächste Abfahrt studieren, Details über das Gelände austauschen, einander Mut machen. Den schönsten Satz hörte ich, als ich mit einer Kleingruppe von Schweizern am Lift saß, die mir zuvor durch ihren recht flotten Fahrstil aufgefallen waren.

Wir bewegten uns langsam auf dem Sechsersessellift Suttis nach oben. Die Schweizer schwiegen, ich schwieg. Dann frug einer unvermittelt: „Sind des Ahore?“ Lange Pause. Der zweite antwortete: „Bergahore!“ Noch längere Pause. „An ganza Bergahorehai!“ Ganz lange Pause. „Sepp isch schöö.“ Stille. (Übersetzung: „Sind das Ahorne?“ – „Bergahorne!“ – „Ein ganzer Bergahornhain!“ – „Das ist schön!“). Wie recht sie hatten, die Schweizer. Und kaum ein Geräusch trübte die
Würde des stillen, tiefverschneiten Bergahornhains.

Autor: Armin Thurnher
Ausgabe: Reisemagazin Winter 2011-12

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