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Beim Betonei die Blobeziegen

Beim Betonei die Blobeziegen

Unser Autor hat den Ziegenmarkt von Andelsbuch besucht, ein Ereignis, das Noriker-Pferde und Geißen ins Dorf bringt, deren Euterhängung und Zitzenstellung im Rahmen eines Wettbewerbs streng beurteilt werden.

Wohin geht man, fragte ich, am Nationalfeiertag in Vorarlberg? Die Antwort war schnell gefunden. Auf den Andelsbucher Ziegenmarkt. Im Gratislokalblatt war er mir schon aufgefallen. Eine Erfindung von Bauernkindern, hieß es. Kinder hätten ihre Haustiere geschmückt und sie an einem Tag im Oktober zur Prämierung im Rahmen eines kleinen Marktes ausgestellt. Aus diesem lokalen Sonntagsvergnügen ist ein riesiges Volksfest geworden, bei dem sich angeblich „der ganze Bregenzerwald“ trifft, wie man mir versichert. Das wird so sein, mehr noch aber dürften die anderen Vorarlberger sich dafür interessieren, wie der „ganze Bregenzerwald“ so aussieht.

Zwischen dem „Werkraum Haus“ der Bregenzerwälder Handwerker von Peter Zumthor im Zentrum des Dorfs und einem Betonei ein gutes Stück taleinwärts sind an diesem Feiertag sämtliche Wiesen mit Autos vollgeparkt. Das Betonei (siehe auch Seite 46) dient ebenda als Merkzeichen Bregenzerwälder Handwerkskunst: 5,60 Meter hoch und 4,30 Meter im Durchmesser, in innovativer Technik und mit einer aufblasbaren Schalung errichtet, dient es – nicht nur – beim Ziegenmarkt dem Staunen der Besucher und ihrer Kinder, die neugierig ihre Köpfe in den Hohlraum stecken oder ihn betreten. Wofür sind Hohlräume sonst auch da?

Die Hauptstraße zwischen Werkei und Werkraum ist gesäumt von den üblichen Jahrmarktsbuden, an denen man seinen Bestand an Küchengeräten aufstocken und beim Sikh ein Ronaldo- oder Messi-Shirt für den globalisierten Nachwuchs kaufen kann, während einem im Gedränge Maiden („Schmelgen“ im örtlichen Dialekt) mit riesigen Lebkuchenherzen um den Hals und auf der Brust entgegenkommen, bestaunt von rustikalen Bart- und Lederhosenträgern an ihrer Wurst und ihrem Biere. So etwas kann man überall haben, und vielleicht sogar einen Ziegenmarkt (in der Schweiz gibt es solche im Überfluss). Einen Ziegen- mit Pferdemarkt und Betonei findet man aber nur hier. Beim Werkhaus bekommt man mit Vorführungen verschiedener Noriker, dank ihrer Stämmigkeit für die Landarbeit geeignet, eine Ahnung vom guten alten Rossmarkt samt seinen Rosstauschern und Rosstäuschern. Am anderen Ende der Sikh- und Seidenstraße aber tut sich das namensgebende Herzstück auf: der Ziegenmarkt. Auf einer Wiese neben dem kleinen Rondeau, in der die Vorführungen stattfinden,  die Ziegen, nach Rassen sortiert, nebeneinander an provisorisch eingeschlagenen Zaunbalken angebunden; und an jeder angebundenen Ziege nesteln ein paar Kinderhände, um sie loszubinden und neu anzubinden.

Wer am Strick hängt, entwickelt Gleichmut, wer über den Strick gebietet, spielerisches Feuer. Dazu läuten die Schellen der Geißen, wie man sie hier nennt. Etwas abgesondert sieht man die Böcke angebunden; von ihnen hält man Kinder tunlich fern. Wer lernen will, der kann hier anhand beschrifteter Holztafeln zoologische Klassifizierung üben: Die schneeweißen Saanenziegen, die nicht etwa nach der Schlagsahne so heißen, sondern nach dem Schweizer Gebiet, dem sie entstammen. Die braunschwarz-gemsfarbenen, das sind die unsereinen normal anmutenden Ziegen, das Alpenvolk. Plüschbehaart die grauen, spektakulären Blobeziegen, von denen es, der größten Zeitung des Landes zufolge, weltweit nur mehr 160 Stück gibt. Sollte das zutreffen, lässt sich in Andelsbuch ein Zehntel der Blobeziegenwelt bestaunen. Die Bündner Strahlenziege ist ebenso vertreten wie Tauernschecken und bunte Edelziegen. Man kann sich also bilden auf dem Ziegenmarkt, schon in dessen offenem Andelsbucher Hinterland, und erst recht im dichtumstandenen Vorführring.

Dort stehen strenge Ringrichter, welche die schönsten Ziegen nach Kriterien auswählen, die uns Laien ebenso dunkel erscheinen wie jene des Finanzmarkts. Was einst als Kinderspiel begann, bei dem am Sonntag Bauernkinder ihre Geißen schmückten und anderen Ziegenbesitzern vorführten, ist mittlerweile bitterer, bioästhetischer Ernst. Ja, es geht nur darum, den Zuchtpreis zu gewinnen, erklärt mir ein konzentriert zusehender Ziegenbesitzer. Nur wenn einer eine Ziege wirklich haben will und viel Geld auszugeben bereit ist, könne es auch zu einem Handel kommen. „Euterhängung und Zitzenstellung kann man nicht besser haben“, erklärt gerade der Preisrichter, und ehe ich mir die Gestalt des vorbildlichen Euters  kann, werden schon die nächsten Konkurrenten hereingeführt, immer den Strick um den Hals, gehalten von zwei, drei Kindern, manchmal aber auch von einem stolzen erwachsenen Züchter mit Kinderbegleitung. Hier ist die Längenentwicklung zu loben, dort das Fundament. Hier verläuft die Oberlinie korrekt zum Becken, darüber kann man nicht wirklich meckern. Ein rundes Gesamtbild von Nummer drei. Und hier, beim Ziegenmarkt, gibt’s auch Bio-Ziegenkäse, endlich. Die Masse ist friedlich, Andelsbuch ist heute tatsächlich der Nabel der Ziegenwelt. Über allem Sonnenschein, Bergluft, Racletteduft und Ziegenglockengebimmel.

Autor: Armin Thurnher
Ausgabe: Reisemagazin Sommer 2014

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