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Auf eigenem Grund

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Mit dem Pianisten Alfred Brendel im Bregenzerwald – und in den eigenen Erinnerungen an eine zeitgenössische Ideallandschaft.

Kürzlich vereinbarte ich mit den Herausgeberinnen dieser feschen Publikation, für deren geplanten Podcast einen der ersten Texte zu lesen, den ich vor Jahren hier veröffentlichte. Es ist ein Auszug aus meinem Roman „Der Übergänger“, und die Damen mussten gespürt haben, wie wichtig mir die Sache war. Sie pickten dafür naturgemäß eine Passage heraus, die mit dem Bregenzerwald zu tun hat. Der Roman handelt ja vom Thema der Verehrung, einer sehr unzeitgemäßen Sache, wie ich damals dachte. Das Kapitel schildert einen Ausflug, den wir mit dem Pianisten Alfred Brendel (er war das Objekt der Verehrung) nach Damüls unternahmen.

Vorangegangen war unser erstes Interview in Schwarzenberg. Es war nicht unsere erste persönliche Begegnung, aber die erste ausführliche. Brendel war mit seiner Gefährtin Maria Majno da, und sie luden meine Frau Irena Rosc (sie machte die Fotos) und mich nach dem Gespräch zum Essen in die Alte Mühle zwischen Schwarzenberg und Egg. Danach fuhren wir nach Damüls, wo wir die unverhoffte Begegnung mit einem Gemälde machten, das es dann sogar auf das Cover des Romans schaffte. Ein monumentales Ölgemälde, das hinter einer unauffälligen Tür zu einem Nebenraum der Kirche versteckt war. Eine Höllenszene, das die Teufelslust und den bizarren Humor des Pianisten befriedigte, schöner hätte es nicht kommen können. Für Franz Michael Felder konnte ich ihn nicht begeistern, obwohl Brendel ein geradezu vielfräßiger Leser ist. Aber seine Lektüre strebt doch oft zur Musik oder zum Klassischen. Dafür mochte er die Legende von der Bezegg mit ihrem Ritual zwangsmäßig beschleunigter Entscheidungsfindung. Und er liebt den Bregenzerwald, Schwarzenberg zumal. Der Vorschlag, uns dort zu verabreden, kam von ihm. Dann können wir uns zwischen die Kühe in die Wiese legen und plaudern, lachte er.

Im Garten des Gasthofs Hirschen war es dann auch später fast wie in der Wiese. Nur schöne, sonnige Erinnerungen mit Brendel an den Bregenzerwald. Da kam es mir gelegen, dass mir die Podcastmacherinnen ein paar Fragen mitschickten, die ich beantworten sollte, mündlich. Ihnen verrate ich die Notizen, die ich mir dazu machte. Meine ersten Erlebnisse im Bregenzerwald waren Wanderungen mit den Eltern in der Mitte der 1950er Jahre. Vor allem aber ein Urlaub auf einem Bauernhof in Schwarzenberg. In jener mageren Zeit war es ein Milch- und Butterparadies, der Vater baute mit mir eine Laubhütte im Wald mit Blick hinunter aufs Dorf. Wir sammelten Holz und grillten Würstchen über dem Feuer, die Kühe waren da, aber die ängstigten mich nie, mit denen war ich von klein auf zusammen. Die Lederhose genügte als einziges Kleidungsstück, als störendes Element erwies sich bloß ein deutscher Bursche meines Alters, mit dem ich dauernd raufen musste, was insofern bedauerlich war, als er kräftiger war als ich.

Wenn ich jetzt im „Wald“ ankomme, erlebe ich naturgemäß meine ersten Erlebnisse wieder. Was sich alles verändert hat! Das meiste zum Positiven, muss ich wirklich sagen. Allerdings fehlt schmerzlich das Wälderbähnle, das durch meine Kindheit dampfte und mit dem wir zu manchem Schulausflug fuhren. Dass die Straße durchs Schwarzachtobel durch einen Tunnel ersetzt wurde, betrachte ich als Komfort. Und schon bin ich mitten in dieser unerreichten Gleichzeitigkeit von Tradition und Moderne, von Natur und Technik, die mir so gut ausbalanciert erscheint wie fast nirgends auf der Welt. Ich denke auch an die Langener Straße, über die man als Bregenzer in den Vorderwald kommt. Ich komme aus der Stadt, die dem Wald den Namen gibt. An der Langener Straße wuchsen die ersten und fettesten Primeln. Auf diesem Weg, im Schatten der Nagelfluh des Känzele und des Pfändermassivs gelangt man in den sanften Vorderwald, wo nicht die Moderne dominiert (ohne dass sie fehlte, im Gegenteil, wir haben ja das legendäre Krumbach). Nein, hier entfaltet sich die Landschaftskulisse vom weiten Mittel- zum immer enger werdenden Hochgebirge. Und wenn ich an diese Region denke, denke ich an die zahlreichen Originale, die unbeugsamen Sonderlinge, die wichtigen besonderen Männer und Frauen mit den besonderen Kräften, die es so zahlreich wohl nur hier gibt.

Ich denke daran, dass Kultur eine gelebte Sache sein muss, und wie sehr eine Kulturlandschaft von Menschen gemacht wird, die sich nicht gleich alles nehmen lassen, die das Eigene schätzen, ohne engstirnig zu werden. Die deshalb die Moderne aus aller Welt zulassen, weil sie, auf ihrem eigenen Grund stehend, genug Selbstbewusstsein entwickelt haben, von der Alpwirtschaft bis zum modernen Tourismus und den Holzbaukünstlern. Ja, vielleicht ist das alles ein wenig verklärend, aber in gewisser Weise betrachte ich den Bregenzerwald als zeitgenössische Ideallandschaft. Ich freue mich aufs Skifahren in Damüls, wann auch immer.

Autor: Armin Thurnher
Ausgabe: Reisemagazin Bregenzerwald – Sommer 2021

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