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Am Mittwoch fällt Schnee

Am Mittwoch fällt Schnee

Am Mittwoch fällt Schnee

Das ist die Voraussage des Liftbetreibers Reinhold Walser im Skigebiet Krähenberg in Sibratsgfäll. Dort hat die Autorin als Kind einige Skiurlaube verbracht. Was sich seither geändert hat und wie sich die Liftbetreiber die Zukunft vorstellen, hat der ehemalige Bürgermeister Walser ihr so lange erzählt, bis der Schnee gekommen ist.

Am Rande des Bregenzerwaldes, wo sich Fuchs, Hase und vierhundert Einwohner gute Nacht sagen, gibt es Bauernhöfe, Wirtshäuser, zwei Kleinwohnanlagen, eine Kirche, eine Volksschule, einen Babylift und einen Schlepplift. Der ist einen Kilometer lang: eine Abfahrt links, eine Abfahrt rechts, macht insgesamt zwei Pistenkilometer. Schneekanone gibt es keine. Ein Grund, die Anlage abzureißen? Im Gegenteil.

Nach zwei besonders traumhaften Wintern mit viel Schnee investierte die Liftgesellschaft im November 2019 in einen elektrischen Antrieb. Vorbei die Zeiten, in denen Kindern vom Dieselgeruch schon am Parkplatz schlecht wurde. Ich weiß, worüber ich schreibe. Ich verbrachte hier viele Sonntage. Wenn ich am Montag in der Schule gefragt wurde, wo ich gewesen sei, reckte ich hochnäsig meinen Kopf, sagte: „Skifahren in Sibratsgfäll“, und kam mir ganz besonders vor. „Dort ist es am schönsten. Man muss nicht anstehen und alle können tun, was sie wollen. Mein Papa geht langlaufen. Meine Mama geht spazieren. Meine große Schwester ist in der Pubertät.“ Meine kleine Schwester und ich fuhren Ski. Verloren gehen konnten wir nicht.

Endlose Pistenkilometer. Jede Abfahrt war neu. Jede Auffahrt auch. Dieser verflixte Lift! Der kostete uns vielleicht Nerven! An manchen Stellen hob er uns hoch, was sich schrecklich anfühlte. Schreiend klammerten wir uns an den Bügel und fielen oben erleichtert in den Schnee. Vierzig Jahre später erfahre ich von Reinhold Walser, dass das an der kurzen Seilführung lag und weil wir zu leicht waren. Ein Liftmann musste uns den Bügel geben.

1991 wurde auf lange Seilführung umgestellt. Hätten die das nicht früher machen können? Reinhold Walser arbeitete in einer Textilfirma in Dornbirn, war „nebenbei“ von 1979 bis 2010 Bürgermeister von Sibratsgfäll und führte ein stressiges Doppelleben. Mit dem Lift ist er eng verbunden. Als Jugendliche halfen er und sein Bruder beim Bau mit, weil der Vater im Gemeinderat war. Das war Anfang der 1960er Jahre. Lange wurde diskutiert, wo der Lift stehen sollte. Man entschied sich für einen schneesicheren Hang unterhalb des Dorfes und gründete eine Liftgesellschaft. Der erste Lift weit und breit. Hochhäderich, Balderschwang und Schetteregg kamen später.

Schneereiche Winter sorgten für starken Zustrom. Der Wintertourismus wuchs. Die Nächtigungen stiegen. Nur Pistenraupe gab es keine. Schüler mussten trippeln, was nicht sehr beliebt war. Dann schleppte einer aus dem Dorf ein Gestell daher – zweieinhalb Meter breit, dazu einen Mopedmotor und Holzlatten. Beim ersten Versuch, die Piste zu walzen, nahm das Ungetüm reißaus, stürzte den Abhang hinunter, überschlug sich und blieb kaputt im Bachbett liegen. Die Gemeinde hatte kein Geld für eine Pistenraupe und gründete zu deren Kauf eine Kommanditgesellschaft. Als 1979 einer der zwei Kapitalgeber ausschied, übernahm Reinhold, der Obmann des Skivereins war, dessen Anteile.

Zehn Jahre später starb der zweite, auswärtige Kapitalgeber, so wurde Reinhold alleiniger Komplementär. Er haftete für den Lift. Mit dem Ende seiner Bürgermeisterzeit übergab er die Anteile seinem Sohn. Die Arbeit macht er aber immer noch. Der Umwelt zuliebe wurde einstimmig beschlossen, auf Strom umzustellen. Die hunderttausend Euro Investitionskosten wurden vom Land gefördert, kamen durch Eigenkapital, Fremdfinanzierung und die Gesellschafter zustande.

Ausgerechnet nach dem Umbau fällt kein Schnee. Der soll am Mittwoch kommen – das sagt der Wetterbericht jedenfalls seit Wochen. Es ist der 1. Februar 2020. Reinhold Walser sitzt in seiner Stube, schaut auf die grünen Hänge und sieht es gelassen. „Wir fahren auf Sparflamme“, sagt er. Seine drei Mitarbeiter, Pensionisten oder Bauern, muss er nur bezahlen, wenn der Lift fährt. An der Kasse sitzt er selbst. Die Gaststätte „Elsa’s Wunderbar“ hat die Gesellschaft auch gepachtet. Sie ist immer offen und wird gut angenommen. „Wir müssen eben warten“, sagt er und zeigt grasgrüne Winterfotos aus dem Jahre 1987. „Aber für die Semesterferien wäre Schnee schon schön. Da veranstalten wir jedes Jahr das Rossignol Kids Race-Skirennen für 300 Kinder. Sie können sich frei bewegen – und wo sonst können Kinder für eine Tageskarte um 7 Euro Skifahren lernen?“ Drei Tage später fällt tatsächlich Schnee. An einem Mittwoch.

Ausgabe: Reisemagazin Bregenzerwald – Winter 2020-21
Autorin: Irmgard Kramer

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